Kategorie: Allgemein

Kreislauf zur Selbstversorgung

Kreislauf zur Selbstversorgung

… soweit wollen und werden wir es nicht treiben. Selbstversorgung ist angesichts unserer Feuchtwiesen kaum möglich. Aber morgens den etwas langweiligen Vanille-Joghurt aufpeppen zu können, indem Silke aus dem Garten ein paar Erdbeeren holt (und das Mitte August!), ist eine feine Sache. Das Mittagessen besteht in der Regel aus selbst angebauten Kartoffeln, die deutlich besser schmecken als die Gekauften. Dafür müssen wir auch in Kauf nehmen, dass der Drahtwurm das ein oder andere Loch in die Knolle getrieben und die feuchte Witterung die Kartoffelfäule begünstigt hat. Als Beilage gibt es Kohlrabi, sobald dieser im Gewächshaus reif geworden ist und Erbsen, die im Kartoffelbrei aber höchstens für ein paar Farbtupfer sorgen angesichts der geringen Ausbeute. Salatköpfe konnten wir bereits früh im Jahr ernten, aber jetzt wachsen die Pflanzen trotz der Sonne und regelmäßigem Gießen nur ganz langsam.

Wenig Wachstum im Sommergarten
Wenig Wachstum im Sommergarten

Das gilt auch für Mizuna, Radieschen oder dem Stielmus, die angeblich auch noch im August eingepflanzt werden können. Aber wir lernen ja neben Geduld auch die Relativität der Gartentipps zu akzeptieren. Schauen endlich ein paar Blättchen aus dem Boden, werden sie von wem auch immer punktiert und verlieren an Kraft. Es ist ein zäher Kampf, zu dem wir uns entschlossen haben, gegen Insekten, Schnecken, Pilze oder Bakterien, die alle etwas von unserem Anbau abhaben wollen. Das kennt letztlich jeder Hobby-Gärtner, und der Einsatz von chemischen Hilfsmitteln wirkt auf einmal extrem verführerisch.

Suchbild mit roten Tomaten im Gewächshaus
Suchbild mit roten Tomaten im Gewächshaus

Da wir aber nicht auf Selbstversorgung setzen bzw. vom Verkauf des landwirtschaftlichen Ertrags leben müssen, können wir uns den Luxus leisten, ohne Pestizide oder Fungizide aus zu kommen. Also sammelten wir die Kartoffelkäfer ebenso per Hand ab wie die Raupen des Kohlweißlings. Am Ende steht das Bewusstsein, wie viel Aufwand diese Art des Anbau bedeutet gepaart mit dem doppelten Genuss beim Verspeisen angesichts des Geschmacks und der eigenen Mühe – auch das eine Binse für alle, die selbst schon einmal Gemüse angebaut haben.  Mittlerweile beginnen endlich auch einige Tomaten im Gewächshaus sich rot zu verfärben, und so gab es zum Abendessen Tomatensalat mit Zwiebeln, die hinter dem Gastank in einem Betonring gewachsen sind, während die Karotten trotz des Schutzwalls wieder der Wühlmaus zum Opfer gefallen sind.

Jede Pflanze ist Leben, und wenn der Ahornbaum auf der Wiese oder die Obstbäume vorm Haus keine tiefen Wurzeln schlagen wollen, so trifft uns das.  Noch schmerzlicher wird es, wenn das Leben laufen kann (ob Hund, Hahn oder Schaf). Mit jedem Schritt wächst die Sorge. Wer über Selbstversorgung nachdenkt, kommt aber an Eiern bzw. den Hühnern nicht vorbei. Seit dem April 2015 haben wir unsere sieben Hühner und den einen Hahn jetzt schon. Selbst im Winter waren vier, fünf Eier keine Seltenheit. Seit ein paar Wochen liegt aber bestenfalls ein Ei im Legekasten. Welche Krankheit könnte die Tiere befallen haben? Regelmäßiges Stallausmisten ist ohnehin obligatorisch, aber vorsichtshalber haben wir die Ecken auch noch desinfiziert. Doch eine Veränderung war nicht festzustellen und krank wirkten die Tiere, wenn sie so durch die Wiesen streifen auch nicht.

Schafe im Ziegenlook
Ausflug der Küken

Also haben wir das Futter umgestellt und die Hühner auf Diät gesetzt, damit sie sich teilweise  wieder selbst die richtige Nahrung suchen. Auch das änderte nichts und zu den Sorgen mischte sich Verzweiflung, die sich emotional ihre Bahn brach, als wieder eine der Hennen auf einer anderen ordentlich herumhackte. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass die Ei-Produktion ihr natürliches Ende erreicht hat. Die Hühner waren knapp ein Jahr, als sie zu uns gekommen sind, und Australorps gelten nicht als ausgeprägte Legehennen. Es dauerte aber, bis wir überhaupt auf den Gedanken kamen, dass auch hier der Kreislauf des Lebens den Takt vorgibt. Wir hatten gerade noch rechtzeitig, 12 Eier zusammensammeln können, um wohl drei Hennen und einen Hahn mit Hilfe der Brutmaschine zum Schlüpfen zu bringen.

Die Küken gleichen mittlerweile in Form und Gestalt den Alten, sind aber noch um die Hälfte kleiner. Eier legen werden sie wohl erst im Frühling, wenn sie ein halbes Jahr alt sind. Bis dahin muss uns unsere Nachbarin aushelfen, und wir müssen uns klar werden, dass die Zeit ständig voranschreitet und der Augenblick, der gerade ein angenehmes Gleichgewicht erreicht hat, eben nicht verweilt. Wir müssen also  immer schon an die nächste Generation denken und werden folglich die Brutmaschine wieder anwerfen und auf gut Glück Eier vom Fleckenhof ausbrüten lassen.

Der Hahn "Arnie" in voller Pracht
Der Hahn „Arnie“ in voller Pracht

Trockenes Heu in den Stall einlagern zu können, war in diesem Jahr eine kaum lösbare Aufgabe. Immer wieder hat es geregnet, oder der Tau durchtränkte angesichts der tiefen Temperaturen nachts die Halme und Gräser.  Dank zwei hintereinander folgende Sonnentage haben wir gemäht, gerecht und eingefahren. Dennoch mussten wir das Heu im Stall bestimmt fünf Mal wenden, ehe es einigermaßen nachgetrocknet ist und hoffentlich den Schafen im Winter munden wird.

Zehn Schafe werden wir nicht über den Winter bringen. Die drei Böcke haben ihre Aufgabe bereits erfüllt, obwohl sie noch kein halbes Jahr alt sind. Nacheinander wurden die weiblichen Tiere unbeirrbar verfolgt, umrundet und wann immer möglich besprungen, obwohl die Böcke noch ziemlich klein wirkten. Mal hielten die Damen still, mal nahmen sie angenervt Reißaus. Dabei haben sich zwei der Schafe ein Bein vertreten. Zehn Tage machten wir uns im ersten Fall Sorgen; überlegten hin und her, ob wir etwas unternehmen müssen oder nicht; verfluchten die Testosteron geschwängerte, männliche Jugend; dann hatte die Zeit ihre Wirkung getan und das Problem für uns gelöst.

Gestern war der Schafscherer da und hat den drei Böcken auch die Schlachtmarken verpasst. Im Herbst wird ihr Schicksal besiegelt sein. Das aufdringliche Verhalten der Jungböcke macht die Entscheidung etwas leichter, aber wer ist schon gern Richter über Leben und Tod. Dementsprechend schwer tun wir uns mit der Frage, welches weibliche Tier ebenfalls zerlegt in die Tiefkühltruhe wandert. Entweder wir ringen uns bald durch, bevor die ungeborenen Lämmer größer werden, oder es bleibt bei einer Herde von sieben. Dann ist die Entscheidung aufs nächste Jahr verschoben, wenn im Januar oder Februar wohl wieder Nachwuchs die Anzahl erhöht und die Auswahl zum Schlachten keinen Aufschub mehr erlaubt.

Fressen im Gleichklang mit der gleichen Frisur
Fressen im Gleichklang mit der gleichen Frisur

Mit der Hobby-Landwirtschaft geht also auch die Entscheidung über über Leben und Tod einher. Das war uns theoretisch zwar klar, aber in der Praxis sieht es wie so oft wieder anders aus. Da wir das Lammfleisch auch selbst essen, fällt die Entscheidung nicht ganz so schwer – zumal der Metzger den blutigen Teil der Arbeit übernimmt. Im Falle der Hühner sieht das anders aus. Hier liegen Entscheidung und Durchführung bei uns. Eines der Hühner kann nicht mehr richtig laufen. Wir nehmen an, dass es sich den Fuß gebrochen hat, als der Hahn sich mal wieder auf sie setzte. Da „Humpel-Huhn“ bisher aber noch ganz zufrieden aussieht, haben wir das Schlachten aufgeschoben oder ehrlicherweise noch nicht getraut. Es muss aber sein, wenn wir am Prinzip des Kreislaufs festhalten wollen. Dann ist die nächste Bestimmung unserer nicht mehr Eier-legenden Hühnerschar die Form des Suppenhuhns im Kochtopf.

Geschorene Schafe am Ort des Geschehens
Geschorene Schafe am Ort des Geschehens

Jenseits der Tier- und Pflanzenwelt haben wir uns angesichts des urlaubsbedingten Mehrs an freier Zeit auch wieder mit dem Innenleben des Hauses beschäftigt. Ein Zimmer stand noch aus. Dort hatten wir bisher weder geweisselt noch den Boden ausgetauscht. Das stand letzte Woche auf dem Programm. Die zahlreichen Löcher in den Wänden verschwanden, das Grau der Vorbesitzer wich einem strahlenden Weiß und zuletzt musste noch der PVC-Boden dran glauben. Nachdem wir mit Laminat ausreichend Erfahrung gesammelt haben, war klar, dass wir dieses Mal Holzparkett verlegen wollen.

Damit ist der Raum am Ende des unteren bewohnbaren Teils des Hauses deutlich aufgewertet und unsere Fantasie angeregt, was wir daraus alles machen wollen, auch wenn das Zimmer erst einmal wie bisher als Abstell- und Arbeitsraum genutzt werden wird. Es ist wohl so, dass der Mensch oder zumindest wir mit Vollendung der einen Sache schon wieder über die nächste nachdenken…

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Anstrengung und Entspannung

Anstrengung und Entspannung

Der Muskelkater zieht sich langsam zurück. Ich denke, das war das letzte Mal, dass wir auf die ganz altmodische Weise eine Wiese abgeerntet haben. Gemäht wurde am Samstag, dann folgte ein regnerischer Sonntag, der uns nach Hauzenberg führte, damit wir uns dort einen kleinen Ladewagen Baujahr 1974 anschauen konnten, der zum Verkauf stand. Äußerlich tiptop führt Pauli noch eine Inspektion durch, ehe wir uns zumindest das kraftraubende Beladen des Heuwagens sparen können. An das Heu in Reihen Rechen halten wir wohl noch eine Saison fest, ehe vielleicht auch noch ein Schwader angeschafft werden muss.

Das ehemalige Kartoffelbeet
Das ehemalige Kartoffelbeet

Am Montag konnten wir dann den bisher einzigen komplett regenfreien Tag nutzen, um die restlichen Kartoffeln zu ernten, den Schafen ein neues Stück Wiese abzustecken und das Heu reinzuholen. So richtig trocken war es zwar noch nicht, aber wir müssen es im mittlerweile überfüllten Schafsstall ohnehin noch einmal „bewegen“ und der angefüllte Wagen steht im Trockenen in der Garage, während unser Traktor draußen mit der Witterung zurande kommen muss.

Unsere Kartoffelernte
Unsere Kartoffelernte

Anstelle der Kartoffeln sind jetzt Salatköpfe, Feldsalat, Mizuna, Radischen, Wilde Rauke und Lauchzwiebeln gesäät. Mal sehen, was noch kommt angesichts des launischen Wetters. Immerhin gab es bis jetzt Erdbeeren und die ersten zwei kleinen Tomaten konnten wir auch schon ernten. Es bleibt ein Ausprobieren, das uns in diesem Jahr immerhin so viele Kartoffeln beschert hat, dass wir als Selbstversorger immerhin bis Anfang des Winters aushalten würden. Es bleibt also praktisch einen Supermarkt in der Nähe zu haben.

Auch die Eierproduktion unser zugegebenermaßen ziemlich dekorativen Hühner lässt derzeit sehr zu wünschen übrig. Immerhin entwickeln sich die vier Nachkommen ordentlich und haben keine Berührungsängste mit der ausgewachsenen Hühnerschar. Es bleibt aber abzuwarten, wie viele Hennen schlußendlich dabei sind.

Hühner groß und klein
Hühner groß und klein

Als Ausgleich zu Muskelkater und Aufregung rund um das Getier sind die Momente auf der Bank vor dem Haus unersetzlich, wenn die Schafe laut mampfend dem Gras zu Leibe rücken und die Hühner (Küken wie Hennen) einfach ihr Ding machen – und wir dabei zuschauen können.

 

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Ernte im Juli

Ernte im Juli

verrottete Kartoffelpflanzen
verrottete Kartoffelpflanzen

Zuerst waren wir entsetzt und hatten die Wühlmaus im Verdacht. Denn unsere Kartoffelpflanzen begannen sich gelb zu verfärben. Nachdem wir unter den sich auflösenden Stengeln angefangen hatten zu ernten, war klar, dass wir die Wühlmaus zu unrecht verdächtigt hatten. (Was übrigens nicht für unseren Salat und unseren Kohl gilt). Die Kartoffelkäfer, die wir vom Grün abgepflückt und ins Jenseits befördert haben, waren wohl auch noch nicht die Auslöser (zum Glück – im nächsten Jahr wird auf jeden Fall der Standort gewechselt).

Gemüsegarten nach erster Kartoffelernte
Gemüsegarten nach erster Kartoffelernte

Die Kartoffeln gehörten wie von uns gewünscht einfach zur Kategorie der Frühkartoffeln. Und die erste Ernte ausgebreitet auf der blauen Plane zum Trocknen stimmt uns hoffungsvoll. Die Heukartoffeln im letzten Jahr füllten gerade eine kleine Schüssel. In diesem Jahr ist mit der ersten Ernte eine Kartoffelkiste gut gefüllt.

Das war am letzten Sonntag. Seitdem regnet es und so verrotten die Pflanzen im Gemüsegarten, während die gelb-grünen auf dem Kartoffelacker beim Gastank auf diese Weise hoffentlich noch etwas Stärke in den Knollen in der Erde anreichern.

Morgen soll die Sonne endlich wieder länger scheinen, so dass auch die Küken aus dem Stall in den Laufstall bzw. angesichts ihrer Größe ins Freie wechseln können.

Mal sehen, was die Großen und vor allem Arnie dazu sagen wird. Auf unserem selbst aufgeschütteten Aufgang zum Stall hat sich übrigens selbst eine Kartoffel angepflanzt und grünt noch friedlich vor sich hin.

Auffahrt mit Kartoffelpflanze und Küken im Laufstall
Auffahrt mit Kartoffelpflanze und Küken im Laufstall

 

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Ein Tagwerk

Ein Tagwerk

Nimmt man die Beschreibung des altertümlichen Begriffs Tagwerk, dann umfasst unser Grundstück wohl drei Tagwerke – wenn das Wetter mitspielt. Angesichts der Wettervorhersage: viel Sonne am Freitag und kaum Regen über das Wochenende haben wir beschlossen, die Wiesen zu mähen, die noch nicht von unseren Schafen „bearbeitet“ wurden. So sah es noch aus beim Morgenspaziergang gegen 6 Uhr aus.

Dann haben wir den Kreiselmäher an unseren Traktor angebracht, was uns durchaus Zeit gekostet hat.

Kreiselmäher vor der Inbetrieb-Nahme
Kreiselmäher vor der Inbetrieb-Nahme

Denn das richtige Heranfahren an die Aufhängung und dann die Anbringung der entsprechenden Kabel und Metallteile ist nicht ganz einfach, wenn man es so selten macht. Nach einer Stunde konnte es aber losgehen mit dem Mähen. Die Wiese vor dem Haus war als erstes dran. Hier hatte noch kein Schaf kosten dürfen, aber unsere Erfahrung aus dem letzten Winter besagte, dass die lebendigen Rasenmäher die Mischung der Wiese vor dem Haus am liebsten mochten. Mal sehen ob das dieses Jahr wieder so sein wird. Das war mein Part in Sachen Auf-dem-Traktor-sitzen-und-Kreiselmäherbahnen-ziehen. Eine durchaus vergnügliche Aufgabe, die wie noch mehr genossen hätten, wenn wir uns an die anstrengenden Teilschritte danach erinnert hätten;-)

Silke beim Mähen der hinteren Wiesen
Silke beim Mähen der hinteren Wiesen

Silke mähte dann die hinteren Wiesen. Auch hier waren die Schafe noch nicht am Werk. Waren wir letztes Jahr bei unserer Premiere durchaus zurückhaltend, was den Gebrauch des Traktors und des Mähwerks angeht, so sah das dieses Jahr wesentlich souveräner aus. Und – wen wundert’s – unsere Feuchtwiese überlebt durchaus die Behandlung mit unserem kleinen, landwirtschaftlichen Gespann.

Währenddessen oblag es mir für das leibliche Wohl am Mittag zu sorgen. Fleisch, Kartoffeln, Spiegelei und ein paar Erbsen aus dem Garten standen auf dem Speiseplan eingenommen auf der Wiese ganz in der Nähe unseres Hühnernachwuchs.

Dann ging es weiter.

Auf gehts zur 2. Runde
Auf gehts zur 2. Runde

Und die anstehenden Aufgaben waren weit weniger gemütlich als die maschinelle Arbeit des Mähens. Von jetzt an ist Handarbeit gefragt.

Die gemähte Wiese vor dem Haus nach dem ersten Teil der Arbeit
Die gemähte Wiese vor dem Haus nach dem ersten Teil der Arbeit

Das Heu muss mit dem Rechen zu Reihen zusammengeschoben werden. Das hat durchaus etwas kontemplatives, wenn man den richtigen Rhythmus findet, aber führt angesichts der ungewohnten Betätigung unweigerlich zu Blasen.

Unsere Nachbarn nutzen die Kraft der Maschinen 2
Unsere Nachbarn nutzen die Kraft der Maschinen 2

Da ging der Blick durchaus neidisch zur Nachbarwiese jenseits der kleinen Ohe, wo der Pachtbauer mit dem nötigen Equipment ruckzuck die Heuballen zusammen und abtransportiert hatte. Immerhin schien die Sonne nicht mehr ganz so stark und die Luft war angenehm frisch.

Das Heu der Wiese vor dem Haus in Reihen zu rechen hat vielleicht zwei Stunden gedauert und wir waren guten Mutes, dass wir die Ernte rechtzeitig in den Stall bringen würden, nachdem sich die ein oder andere Wolke bereits am Himmel gezeigt hatte. Die Wettervorhersage erzählte etwas von Regen in der Nacht (und sollte recht behalten).

Aber wieder hatten wir unterschätzt, was als Aufgabe noch folgen wird. Denn die letzten Stunden des Tages waren ganz dem Aufladen auf den Heuwagen gewidmet.

Eine durchaus schweißtreibende Arbeit, die vielleicht in der nächsten Saison besser von einer kleinen Maschine verrichtet werden sollte.

Um nicht allzu oft fahren zu müssen, besteht ein Teil der Aufgabe darin, im Heuwagen die Ladung platt zu treten, damit so viel wie möglich transportiert werden kann.

...und was gegen den Heuschnupfen tun
…und was gegen den Heuschnupfen tun

Angesichts meines Heuschnupfens, dem ich vergeblich versucht habe mit einer Atemschutzmaske zu begegnen, hat diese Aufgabe dankenswerterweise Silke übernommen. Doch auch dann reicht die Kapazität gerade für ein Fünftel des Heus, ehe wir zum Schafstall fahren müssen, um dort das Heu in die obere Luke hinein zu hieven, auf dem Bretterverschlag im Zwischenboden zu verteilen und mit dem leeren Anhänger wieder zur Wiese zurückzukehren.

Am Ende haben wir nur ein Drittel der Wiese vor dem Haus geschafft und müssen heute weiterarbeiten. Unser Tagwerk war gegen 20 Uhr vollbracht oder besser zu mehr reichten die Kräfte nicht aus.

Nur ein Teil des Heus konnten wir am Abend noch einholen
Nur ein Teil des Heus konnten wir am Abend noch einholen

In der Nacht hat es tatsächlich geregnet. Das heißt, wieder einmal warten. Denn einigermaßen trocken sollte das Heu schon sein für unsere lebendigen Rasenmäher, die im Winter auf den Ertrag unserer Tagewerke angewiesen sind.

 

 

 

 

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Nachwuchs bei den Hühnis

Nachwuchs bei den Hühnis

Update 26. Juni morgens

Mittlerweile sind es drei Küken, die in einem größeren Pappkarton herumhüpfen.

Im Brutkasten trocknet gerade Nummer 4 und das fünfte Küken ist dabei seine Schale aufzupicken.

Da waren es schon drei
Da waren es schon drei

Australorps sind ja nicht gerade als Bruthennen bekannt. Also haben wir etwas nachgeholfen und eine Brutmaschine gekauft. Das erste Schieren ließ bei fünf der 12 Eiern deutlich erkennen, dass sich nichts entwickeln wird. Also blieben sieben Eier übrig, die dank des an der Brutmaschine befestigten Motors bei konstant 37,7 Grad alle 4 Stunden ihre Lage wechselten, ehe Silke am Dienstag vergangener Woche die Bewegung stoppte. Zwei Tage später erreichte mich die Nachricht zwischen ILV-Sitzung und Honorar-AG: es ist tatsächlich das erste Küken geschlüpft.

Mittlerweile ist ein zweites dazu gekommen. Und in der Schale zweier, weiterer Eier ist ein erstes Loch, so dass die Aussicht besteht, vier Küken im Karton unter der Wärmelampe groß ziehen zu können.

Küken im Karton 2
Das erste Küken unter der wärmenden Infrarot-Lampe

Arnies Testosteron Überschuss scheint also etwas gebracht zu haben, und die Leiden der „unsanft besprungenen“ Hennen der Mühe wert gewesen zu sein – zumindest aus unserer Sicht. Denn wir wollten gerne aus der Mitte unserer kleinen Hühnerschar, also aus den Eiern, die uns unsere Hühner im Moment nicht gerade zuverlässig, aber zumindest ausgesprochen wohlschmeckend zukommen lassen, ein paar Nachkommen gewinnen.

Jetzt heißt es wieder einmal abwarten. In ein paar Monaten wissen wir, ob die natürlich 50:50 Verteilung auch bei uns zutrifft, und wir zwei Legehennen und zwei Hähne eingemeinden dürfen. Wobei zumindest ein Hahn wohl dann als Grillhähnchen enden dürfte.

Küken Kinderzimmer
Küken Kinderzimmer

So ein flauschiges Küken in der Hand zu haben, ist ein merkwürdiges Gefühl. Zart und zerbrechlich auf der einen Seite ist der Wille trotzdem klar vorhanden, möglichst schnell wieder aus dem menschlichen Griff frei zu kommen. Angesichts der Freude, die wir empfinden, wenn die Hühner (unter den wachsamen Augen von Arnie) um unser Haus wandern, und mal hier, mal dort scharren und picken, werden das die Nachgeborenen wohl auch bald dürfen.

Brutmaschine
Brutmaschine

Beide sind erst im Brutapparat getrocknet, bevor wir sie in den Pappkarton umquartiert haben. Beide haben ohne Zögern aus dem Eierbecher getrunken, den wir ihnen hineingestellt haben und wenig später auch von den Kükenkörnern gefressen.

Noch ein bisschen verängstigt
Noch ein bisschen verängstigt

Eine Sorge weniger. Denn auch bei diesem Erlebnis auf unserer kleinen Farm hatten wir unser Wissen lediglich aus Büchern und dementsprechend groß war die Sorge, was denn alles geschehen oder eben nicht geschehen könnte. Übrigens sind unsere Küken nicht Eierschalen-gelb wie in den Zeitungsbildern (wenn es wieder einmal um das frühe Aussortieren der männlichen Exemplare gilt), sondern zweifarbig mit viel dunklem Flaum.

Juni-Sonne auf die Rückseite unseres Hauses
Juni-Sonne auf die Rückseite unseres Hauses

Unsere kleine Farm wächst und noch schaffen wir es dank Johanniskraut und Baldrian, unsere Sorgenattacken, was das Wohl der Tiere angeht oder die Erledigung von Dingen, die wir noch nie gemacht bzw. von denen wir bis dahin überhaupt keine Ahnung hatten, in einem erträglichen Rahmen zu halten. Und zwischendurch können wir das alles auch einfach nur genießen.

Chillen mit Hund
Chillen mit Hund auf der Wiese

Die Bergerau ist unser kleines Stückchen Paradies. Ein Paradies mit Herausforderungen, das uns in Bezug auf den Berufsstand des Landwirts immer wieder Respekt abnötigt. Es gibt so vieles, was man als Bauer zumindest rudimentär wissen sollte; was man sich trauen muss, selbst in die Hand zu nehmen; was es ad hoc, aber auch langfristig zu entscheiden gilt und echte Auswirkungen hat. Gestern und heute Morgen standen wir vor unserem Traktor, wollten den Zapfwellenkompressor in Betrieb nehmen. Am Ende haben wir ihn auch in Betrieb genommen und die Reifen aufgepumpt, aber leicht war das nicht. Und so ganz verstanden, haben wir das Prinzip auch noch nicht, wie wir uns eingestehen mussten, als eine der Aufhängungsketten riss…

Als es dann heute Mittag Reis mit Blättern der Gartenmelde in Himbeeressig sowie Mangold in Sojasauce – beides frisch aus dem Garten – gab, war die Mühe und die Ungeduld, der Frust und das unangenehme Gefühl, so vieles nicht zu wissen und auf Anhieb nicht zu verstehen, vergessen.

Wirtschaftlich sind die vier Kohlrabi kaum zu rechtfertigen und nur die eigenen Salatköpfe dürften ungefähr dank ihres eingesparten Kaufpreises die Anschaffungskosten der Samen ausgeglichen haben. Ansonsten ist vieles von den Dingen hier (noch) ein teures Hobby, das aber enorm viel Spaß macht.

Chillen mit Hund, die Zweite
Chillen mit Hund, die Zweite
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So etwas wie Normalität

So etwas wie Normalität

Normalität – ein gewagtes Wort angesichts unserer Unerfahrenheit in Sachen Landwirtschaft. Aber nachdem sich kein Lamm in den letzten drei Wochen mehr im Zaun verfangen hat, die Hühnerschar (mit Ausnahme von Humpelhuhn) eskortiert von Arnie entspannt ihre Runden ums Haus drehen und der Salat, die Erbsen, Tomaten, Radieschen, Wilde Rauke, Garten Melde und sogar der Kohlrabi wachsen, schleicht sich das Gefühl ein, dass die Dinge hier in der Bergerau ihren Lauf nehmen.

Salat konnte schon geerntet werden, Mizuna wächst wie verrückt und auch die Tomaten kommen
Salat konnte schon geerntet werden, Mizuna wächst wie verrückt und auch die Tomaten kommen

Allerdings lässt derzeit die Eierproduktion etwas zu wünschen übrig, aber dazu später mehr. Was mich immer wieder überrascht, ist die zeitliche Dimension, mit der wir uns hier auseinandersetzen müssen. Unsere schnelllebige Gesellschaft mit all ihren Möglichkeiten hat mich so konditioniert, dass nur wenig Bestand hat, auf diese Weise aber auch rasch etwas ausprobiert und wieder verworfen werden kann. Wenn es um Pflanzen und Tiere geht, bestimmt noch immer die Natur den Rhythmus, und der ist langsamer, oft sogar auf ein Jahr ausgelegt.

Nicht so üppig, wie wir uns das vorgestellt haben
Nicht so üppig, wie wir uns das vorgestellt haben

Unser Bergahorn – gepflanzt um den Anblick der überdimensionierten Brücke etwas zu verdecken – wächst in diesem Jahr kaum. Es macht aber keinen Sinn, schon jetzt Äste abzuschneiden oder den Baum gar aufzugeben. Wir müssen warten und uns im nächsten Jahr überraschen lassen, welche der auch in diesem Jahr zuerst reichlichen Knospen sich am Ende wirklich zu den großen ahornförmigen Blättern entwickeln.

Nur einer von drei Bäumen ist sichtlich gewachsen
Nur einer von drei Bäumen ist sichtlich gewachsen

Das gilt auch für unseren Apfelbaum, den die Wühlmaus im vorletzten Winter angeknabbert hatte und dadurch im letzten Jahr bald seine Blätter verlor. Wir haben ihn in der Erde gelassen und in diesem Jahr sieht es so aus, als ob er eine Chance hätte, sich in den nächsten Jahren doch noch weiterzuentwickeln. Die Pflaume jedoch wollte nicht Wurzeln schlagen und so haben wir sie gegen einen Kirschbaum eingetauscht, der allerdings auch schon wieder all seine Blätter verloren hat. Abwarten, heißt jetzt die Devise.

Ob es sich ausgezahlt hat, den Holler-Busch von seinen trockenen Ästen zu befreien, werden wir auch erst in ein paar Jahren sehen. Angesichts seiner vermoosten Äste hat er wohl für einen Hollunder schon ein biblisches Alter erreicht und es wäre schön, wenn er noch ein paar Jahre durchhalten würde, denn auf den Anblick wollen wir nur ungern verzichten und die Hühner halten sich in dem aus unserer Sicht etwas kargen Schatten ausgesprochen gerne auf.

Brutmaschine
Brutmaschine

Wie das immer so ist mit der Normalität. Sie verführt einen, sich weitere Gedanken zu machen, Pläne zu schmieden. Und so haben wir uns schon wieder auf ein Projekt eingelassen. Nachdem die Anschaffung der Hühner zuerst vor allem mein Wunsch war, hat sich Silke mit ihnen so sehr angefreundet, dass sie gerne mehr ums Haus wandern sehen möchte. Zitat Silke, frei nach Loriot: „Ein Leben ohne Hühner ist möglich, aber sinnlos.“ Brüten scheint nicht die Spezialität der Australorps zu sein. Also haben wir uns eine Brutmaschine zugelegt. Seit gut einer Woche steht sie gefüllt mit zwölf Eiern im Arbeitszimmer, hält schnarrend die Temperatur bei exakt 37,7 Grad und wendet die Eier automatisch alle paar Stunden von rechts nach links. Wir müssen zweimal am Tag Wasser nachfüllen, um auch die entsprechende Feuchtigkeit zu gewährleisten und wieder mal Geduld aufbringen, bis rund um den 24. Juni vielleicht das ein oder andere Kücken schlüpft. Heute Abend werden wir mit der geliehenen Lampe von Martina wahrscheinlich doch die Eier schieren, um zu sehen, was sich so tut. Geduld ist ja bekanntlich unsere Stärke nicht.

Sollte es etwas werden und Kücken schlüpfen, so ist der ehemalige Brösel-Stall vorbereitet. Firma Wegerbauer hat aus dem baufälligen Raum einen wunderbaren Stall geschaffen, der jetzt darauf wartet, mit Leben gefüllt zu werden. Die elektrischen Leitungen habe ich selbst verlegt (nachdem ich zuerst das entsprechende Buch studiert hatte) und dabei – wie so oft – nicht die Geduld aufgebracht, um die Kabel rechtwinklig und ordentlich zu verlegen. Aber sie halten und an jeder Wand ist eine Kombination aus Steckdose und Schalter, der jeweils eine Lampe zum Leuchten bringt. Was will ich mehr…

Hier kann dann die Wärmelampe angesteckt und das vorübergehende Zuhause der Kücken entsprechend aufgeheizt werden. Irgendwann muss in den Stall aber auch noch ein größeres Tier. Aber das ist definitiv kein Projekt mehr für dieses Jahr.

Bank auf der anderen Seite des Grundstücks
Bank auf der anderen Seite des Grundstücks

Es bleibt ohnehin, viel zu tun, was vor allem für uns Landwirt-Neulinge gilt. Die Schafe haben seit heute morgen ihre Weide wieder direkt vor unserem Haus, und es ist echt nett, die lebenden Rasenmäher bei ihrer Arbeit zu beobachten.

Wenn die Sonne herauskommt bzw. wenn die Bäuche so dick sind, dass nur eine Runde Wiederkäuen Abhilfe schaffen kann, ziehen sie sich zurück in ihren Unterstand und machen Pause. Danach geht es wieder im gemeinsamen Galopp zurück zum frischen Grün. Wenn die Halme und Blumen abgemäääht sind, gibt es noch ein Stück am Waldrand, ehe wir die Schafe wieder auf die Wiese direkt an der Kleinen Ohe bringen wollen und der Kreislauf somit von Vorne beginnt. Die Zusammensetzung der Weiden ist sehr unterschiedlich, und so hoffen wir dass die Schafe eine möglichst ausgewogene Kost erhalten. Das Waldschaf ist ja an sich ein sehr genügsames Tier.

Das Jakobs-Greiskraut wird übrigens fleißig ausgerissen, wenn wir es auf den Weideflächen entdecken. Welche Gefahr diese Pflanze für Tiere bedeutet, haben wir uns anlesen müssen; wie so vieles, seitdem wir das angenehme Stadtleben gegen die Herausforderungen auf dem Land eingetauscht haben.  Aber noch macht es uns Spaß – vor allem die Bastelei am und im Haus.

Silkes Schreinerei-Werk

Silke hat sich in den letzten Tagen am Schreinern versucht.

Hanabi schaut uns angesichts ihres Alters gelassen zu. Sie braucht sich nicht mehr über die Schafe, Hühner oder den Fuchs aufzuregen, der regelmäßig vorbeischaut, ob nicht doch ein Huhn abzugreifen ist. Sie genießt ihren Altersruhesitz, und wir können es uns nicht verkneifen, hin und wieder ein wenig über Stränge zu schlagen.

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Reine Nervensache

Reine Nervensache

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Sind sie nicht süß?! Superviecher und überhaupt.

Aber manchmal

möchte ich die Tierhaltung aufgeben. Es kann so anstrengend und nervenaufreibend sein. Obwohl anstrengend ist nicht das Problem. Nervenaufreibend ist das, was mir zu schaffen macht. Vor allem zur Zeit.

Es ist Frühling, die Lämmer putzmunter, die Wiesen werden grün und alle Schafe wollen nichts anderes als raus aus dem Stall und hinein ins Land der köstlichen Wiesengräser und Kräuter. Und so lernte eines unserer Schafe plötzlich, wie man über Zäune springt. Drei Lämmern gelang es, unter dem Weidezaun hindurchzuschlüpfen.

Unser Hürdenspringer-Schaf ließ sich nach zufriedenstellendem Ausflug stets wieder zurückführen. Manchmal gelingt es einem, den Zaun für die Rückkehr des Ausbrecherschafs zu öffnen, die Zaunelemente rechts und links mit den Armen festzuhalten, gleichzeitig mit beiden Beinen und Hintern den Rest der Schafsbande davon abzuhalten, die Gelegenheit für ebenfalls einen Ausflug nach draußen zu nutzen und dann den Zaun wieder schnell genug zu schließen. Manchmal gelingt es einem weniger und die Hälfte der Schafe haut ab, um eine Runde ums Haus zu drehen auf der Suche nach Fressbarem.

Nun, das ist im Grunde alles nicht so schlimm. Wenn man diese Geschichten hier und da erzählt, kommt es einem vielleicht auch ganz lustig vor.

Weniger lustig ist,

wenn z.B. ein Lamm beim Grasfressen und Stöbern nach noch besserem Grünzeug jenseits der Weidezaunmaschen versehentlich unter dem Zaun durchrutscht, nach einer Weile die Lage begreift, dass es nun alleine da draußen ist und plötzlich nichts dringenderes im Sinn hat, als wieder zurück zu den anderen zu kommen. Das endet dann mit einem Sprung blindlings hinein in den Zaun. Das Lamm bleibt hängen, zappelt und verwickelt sich in den Maschen. Nun, das passierte und zufällig waren Peter und ich in der Nähe, um den kleinen Bock wieder aus dem Zaun zu puzzeln.

Absoluter Mist ist es,

wenn z.B. mal vorübergehend kein Strom auf dem Zaun ist und ein Lamm die Gelegenheit nutzt, den Kopf durch die Maschen zu stecken, um die köstlichen Gräser jenseits der Weidenbegrenzung zu mampfen. Denn the grass is always greener on the other side. Sehr schwierig wird es, wenn das Zurückziehen des Kopfes nicht richtig gelingt und wenn das Lamm es dabei auch noch eilig hat. So geschehen letzte Woche Donnerstag. Das Lamm verhakte sich derart im Zaun, dass es Sekunden später stranguliert und bewusstlos in den Zaun gewickelt auf der Wiese lag.

Zufällig war ich gerade in der Nähe und zufällig hatte ich auch noch ein Taschenmesser dabei, was nicht oft der Fall ist, aber ab sofort öfters der Fall sein wird. So konnte ich ebenfalls in Sekunden die beiden Weidezaundrähte, die um den Hals des Lammes gespannt waren, durchschneiden und das Lamm befreien. Wiederum Sekunden später stand es wieder bei den anderen Schafen, als wäre nichts gewesen. Minuten später hatte es das alles schon vergessen.

Beneidenswert. Ich habe es bis jetzt nicht vergessen und werde auch noch eine Weile brauchen, mich von all dieser Schafsaction in der letzten Zeit zu erholen.

Aber Erholung ist nur das eine,

denn wichtiger ist es, dass ich weiter übe, zurechtzukommen mit all diesen Dingen – zu akzeptieren, dass sie passieren und meinen Einsatz fordern, ob im Schaf- oder Hühnerstall, mit unserem Hund, im und ums Waidlerhaus oder in unserem Leben jenseits von Haus, Hof und Tieren. Denn irgendwas ist immer. Garantiert.

2016-05-16 21.17.58

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Frühling, die Zweite

Frühling, die Zweite

Frisches Grün der Buchen
Frisches Grün der Buchen

Die Buchenblätter haben ihre schützende Hülle abgeworfen und strecken ihre hellgrünen Triebe der Sonne entgegen. Die braunen Kapseln bedecken mittlerweile die Wege. Sie sind in ihrer Funktion und in ihrem Aussehen eine letzte Erinnerung an den Winter. Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Denn die Birken und die Saalweiden neben der Brücke haben mit ihren kahlen Ästen noch gar nichts Frühlingshaftes. Auch der Bergahorn hält sich zurück – angesichts des kalten Windes, der seine mit grünen Punkten versehene Spitze nach links und rechts biegt.

Blick zur Brücke - noch ist nicht alles grün
Blick zur Brücke – noch ist nicht alles grün

Was das Gras rund ums Haus angeht, so gibt es allerdings keinen Zweifel. Es ist hoch genug, dass man den Rasenmäher herausholen kann oder aber die lebendigen Rasenmäher an ihren Einsatzort bringt.

Nach der langen Winter-Heu-Phase ist das frische Grün eine willkommene Abwechslung und so gibt es kein Halten mehr, ehe das Gerupfe und Geschmatze auch auf dem Video zu hören sein müsste. Was die Schafe angeht, so ist es unsere erste Frühlings-Saison und es gibt bestimmt reichlich Menschen, die den Zeitpunkt für zu früh erachten, da wir unsere fünf Lämmer und fünf Schafe auf die Wiese lassen. Und wahrscheinlich gibt es auch zahlreiche Vertreter der Fraktion, die ihre Schafe schon längst auf der Weide haben. So ist das nun einmal mit den beiden Seiten. Wir fühlen uns mit unseren lebenden Rasenmäher auf jeden Fall wohl – vor allem Silke;-)

Entgegen unseren Erwartungen war das Heu, das wir im letzten Jahr größtenteils per Hand geerntet haben, mehr als ausreichend. Eine Notration liegt noch in der Scheune. Eine kleine, gebrauchte Heuballenpresse habe wir leider bisher nicht gefunden. Dank der Schafe dürfte das Heuen dieses Jahr aber weniger intensiv ausfallen. Denn die lebenden Rasenmäher leisten ganze Arbeit wie man diesen Vorher-/Nachher-Bildern gut erkennen kann.

Über das Thema Geduld haben wir ja schon häufig geschrieben. Diese Tugend bleibt für uns eine große Herausforderung.

Erstes Grün im Gewächshaus
Erstes Grün im Gewächshaus

Wir haben es nicht länger ausgehalten und schon vor drei Wochen die Saattöpfchen gefüllt, um dann verzweifelt auf das erste Grün zu warten. Mittlerweile haben die Zwiebeln ausgetrieben, gibt es zwei kleine Salatpflänzchen rechts oben und vier Gemüsepflanzen sowie reichlich grüne Keimlinge. Es ist unsere zweite Pflanz-Saison. Die Fragen bleiben zahlreich, aber die Erfahrung des letzten Jahres hat uns gelehrt, dass es auch beim Obst- und Gemüseanbau mindestens zwei Seiten gibt. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Welche Erde? Welcher Dünger? Je mehr man nachfragt, um so verwirrender kann es werden.

Der umgesetzte Misthaufen
Der umgesetzte Misthaufen

Also bleibt die grundsätzliche Ausrichtung: keine Chemie und so viel natürlicher Kreislauf wie möglich, ohne dass wir uns zum Beispiel dem Gedanken der Perma-Kultur verschreiben wollen. Den Hühnermisthafen haben wir gestern gewendet und ein wenig versetzt. Ob daraus jetzt bzw. in einem Jahr gute Erde werden wird – wir sind gespannt.

Kartoffelacker, die Zweite
Kartoffelacker, die Zweite

Die Erdbeeren sind draußen gepflanzt und auch die Kartoffeln stecken schon tief (zu tief?) in der Erde. Mal sehen, ob die Ernte dieses Jahr größer ausfällt als bei unserem ersten Versuch. Es bleibt bisher dabei: bereut haben wir den Schritt in keiner Weise, auch wenn die Zeit in den beiden Welten, dem Münchner Berufsleben und dem Dasein auf dem Land mit Tieren, manchmal ein räumliches und intellektuelles Spagat erfordert.

Übrigens war letztes Wochenende der Schafsscherer da und hat die fünf Schafe von ihrer Wolle befreit. Auch diese Aktion fand zum zweiten Mal statt – zumindest für uns denn der Vater mit dem Sohn hatten an diesem verregneten Sonntag mit uns acht Kunden. Entweder gibt es mehr Schafszüchter oder weniger Schafsscherer oder beides;-) Den Hühnern und Arnie war es deutlich zu nass. Warum also nicht auf der überdachten Bank eine Pause einlegen.

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Frühling 2016

Frühling 2016

3. April 2016 – es ist unser zweiter Frühling in der Berger-Au. Der Schnee hat sich endgültig zurückgezogen. An einigen Stellen ist schon etwas grün auf den gelb-braunen Wiesenflächen zu entdecken.

Blick vom Haus entlang der Straße
Blick vom Haus entlang der Straße

Geben wir den Halmen noch etwas Zeit, ehe die kleinen Mäuler der Schafe die grünen Stengel abzwicken werden, um nach diversen Prozessen in ihren Mägen daraus Energie zu ziehen. Unsere fünf Lämmer, die schon gar nicht mehr so klein sind (Ostern ist ja auch schon vorbei) ahmen die älteren Tiere fleißig nach und mampfen morgens, mittags und abends fleißig mit Heu aus den Raufen im Stall. Ich hätte nicht gedacht, dass Schafe mit solcher Begeisterung altes Heu fressen und dass man trotz dieses kargen Mahls überleben kann; und dass diese Nahrung sogar ausreicht fünf Lämmer im Schafsbauch heranwachsen zu lassen. Das jedenfalls war kein Problem. Wir haben unsere fünf Schafe gut über den Winter gebracht. Und die Lämmer gedeihen ebenfalls.

In de Scheune lagert noch ausreichend Heu, so dass am Ende der ersten Saison festzuhalten ist, dass fünf Schafe für die Größe unserer Feuchtwiesen kein Problem darstellt. Wieder etwas gelernt – wie wir fast jeden Tag etwas dazu lernen dürfen. Das liegt durchaus auch daran, dass wir von all den Dingen, die wir jetzt hier versuchen, zu Beginn keine Ahnung hatten. Dazu gehört es auch, in Bezug auf viele kleinere oder größere Aufregungen abzuwarten und sich in Geduld zu üben.

Es ist fast ein Jahr, dass unsere kleine Hühner-Schar bei uns lebt. Angesichts unseres draufgängerischen Hahns (Arnie) hat sich das ein oder andere Huhn schon seinen Fuß verknacks, wenn der schwere Hahn sich auf es setzte, um es zu begatten. War die Sorge zu Beginn groß, so merkten wir bald, dass sich die Verstauchung von selbst wieder einrenkt.

Die eine Hälfte auf dem Weg in den Wald
Die eine Hälfte auf dem Weg in den Wald

Die Hühner haben sich wieder erholt. Das gilt auch für die Mauser, die uns zuerst in große Verunsicherung stürzte. Allein ein Huhn humpelt mittlerweile anhaltend. Da scheint auch unsere (immer noch nicht sehr ausgeprägte) Geduld nichts zu helfen. Aber solange es ab und zu an den Ausflügen unserer Hühner-Schar teilnimmt und begeistert frisst, soll uns das nicht weiter stören. Die Umzäunung ist weg, und so wandert der Hahn mit seinen Hennen über das ganze Grundstück und sucht auch mal im angrenzenden Wald nach Nahrung oder Schatten.

Arnie hält Wache
Arnie hält Wache

Bisher hat sich der Fuchs zurückgehalten – vielleicht schreckt auch ihn die stattliche Erscheinung von Arnie oder der Hunger war noch nicht groß genug…

Es ist zwar schon der zweite Frühling und so kommt uns der Frosch-Zaun mit der wechselnden Mannschaft, die die Eimer entlang des grünen Stoffs kontrolliert und gegebenenfalls die Frösche sicher über die Straße bringt, vertraut vor, aber für Vergleich zwischen den Jahren ist es noch zu früh.

Es braucht Zeit, und wieder ist Geduld gefragt. Letztes Jahr hat das Anpflanzen des Salats überraschend gut funktioniert. Dieses Mal will sich aus den Samen keine Pflanze entwickeln – zuminderst bis jetzt noch nicht (und wir haben es ja nicht so mit der Geduld).

Blick ins Gewächshaus April 2016
Blick ins Gewächshaus April 2016

Alles wiederholt sich einmal im Jahr. Das heißt aber auch, dass ich es nicht einfach so schnell wieder versuchen kann. Ich muss warten. Wenn ich das hochrechne, dann habe ich mit meinen 44 Jahren vielleicht 25 Mal die Gelegenheit das zu beobachten, ehe ich das bis dahin wahrscheinliche Rentenalter erreiche. Das klingt nach viel und ist es doch nicht. Unser Ahornbaum wird die Brücke, die das Landratsamt den Empfehlungen aus Brüssel entsprechend mit reichlich Leitplanken versehen hat, noch nicht in dem Maße verdecken, wie wir uns das ausgemalt haben.

Noch hat unser Ahorn kein Blatt
Noch hat unser Ahorn kein Blatt

Vielleicht hat sich der Umfang verdoppelt, aber seine Lebensspanne ist auf einen viel größeren Zeitraum ausgelegt. Etliche Dinge, die wir begonnen haben, werden ohne uns ihre Entwicklung fortsetzen. Wir sind nun einmal nicht das Maß aller Dinge – und das ist okay.

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