Autor: PKujath

geboren 1972, seit 1995 Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, von 2007 bis 2013 ARD Hörfunkkorrespondent für Ostasien mit Sitz in Tokio, seit August 2014 langsamer Rückzug in den Bayerischen Wald
Schafsunterstand to go

Schafsunterstand to go

Nachdem unser Anhänger sich nicht mehr lenken lässt und auch die Holzbretter auf der Ladefläche zum Teil verrottet sind, brauchen die Schafe einen anderen Unterstand. Silke hat mit Steckfixen, einer Plane und einigen wenigen Schnüren ein passables Häuschen to go kreiert. Zusammen mit zwei Zäunen lässt sich alles gut in der Erdschaufel des Traktors verstauen und über unsere Wiesen transportieren. Und so sind die Schafe in diesem Frühling schon ganz gut herumgekommen.

Fertig 🙂

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Frühlingsimpression

Frühlingsimpression

Weit ist das Grün bei uns in der Bergerau noch nicht. Kein Wunder, wenn nachts das Thermometer immer wieder unter Null Grad fällt. Aber für die Schafe reicht das erste Grün auf den Wiesen. So können sich ihre Mägen auch wieder an die frische Kost gewöhnen nach all dem trockenen Heu. Und wir sind gut beschäftigt zu pflanzen, abzudecken, zu gießen, Unkraut zu jäten, zu hoffen und zu warten 😉

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Paradigmenwechsel durch die Ukraine-Krise

Paradigmenwechsel durch die Ukraine-Krise

Zu Beginn des Krieges hatte ich gedacht, der militärische Widerstand der Ukraine würde bald zusammenbrechen und damit das unmittelbare Leid der Bevölkerung nur kurz andauern. Dann wäre die Unabhängigkeit der Ukraine zwar Geschichte und Putin hätte sein kriegerisches Ziel erreicht, aber wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten hätte man/frau einfach weitermachen und seinen Geschäften nachgehen können. Unsere vielleicht vorhandenen Gewissensbisse hätten wir mit dem Verweis auf die Geschichte wie üblich zum Schweigen gebracht. Da Deutschland den 2. Weltkrieg gestartet und zu verantworten hat, müssen wir uns auch heute noch aus allen militärischen Dingen heraushalten – und damit andere die Arbeit machen lassen.

Ungeklärte Einflussgebiete auch auf dem Balkan

Mit 50 Jahren gehöre ich zu der Generation, die den Kalten Krieg noch miterlebt und in der Folge bewusst die Aufteilung und spätere Aufweichung der hastig beschlossenen Einflusssphären zwischen Russland und dem Westen verfolgt hat. Wie volatil diese Abgrenzungen waren, zeigte sich an den Jugoslawien-Kriegen. Bis heute schwelen Konflikte auf dem Balkan, die auch mit diesen ungeklärten Einflussgebieten zu tun haben. Die aktuell häufig zu lesen und zu hörenden Aussagen: ein Krieg in Europa schien undenkbar, kann ich deshalb nicht nachvollziehen. Viele meiner und älterer Generationen haben nur erfolgreich das Morden in Bosnien oder im Kosovo – also mitten in Europa – verdrängt. Auch im Kampf um die Ukraine griffen zunächst die üblichen Mechanismen bei der politischen Elite in Deutschland: sich als Vermittler engagieren, aber wegen unserer Vergangenheit sich militärisch heraushalten und wirtschaftlich weiter profitieren.

Die bisherigen, politischen Konzepte funktionieren nicht mehr

Dass das so nicht mehr funktionieren kann, hätte man eigentlich angesichts der Bewegungen gegen den Klimawandel der jüngeren Generation vorhersehen können. Junge Menschen mischen sich ein, fordern Veränderung und sind dafür auch bereit, Abstriche bei ihrem Lebenswandel zu machen, während sich meine Generation bei letzterem noch eher schwertut. Für diese junge Generation, ob in der Ukraine oder Deutschland, ist das selbstbestimmte Leben ein wichtiges Gut, das sie sich nicht von autoritären Führern und ihrer Klientel nehmen lassen wollen. Wie schwer das umzusetzen ist, haben wir am Beispiel von Weißrussland gesehen. Wenn ich von einer Generation spreche, dann meine ich das natürlich nicht absolut. Es gab und gibt ältere Menschen, die sich mit der vorherrschenden, gesellschaftlichen Strömung nicht identifizierten oder jüngere Menschen, die sich lieber aus allem heraushalten wollen. Aber es gibt über die Grenzen hinweg eine von Jüngeren getragene Bewegung, die Freiheit als unverzichtbares Gut ansieht. Dabei geht es um politische, wirtschaftliche, Informations- und Reise-Freiheit.

Jüngere Generation ist bereit für „ihre“ Freiheiten zu kämpfen

Den jüngeren Menschen gerade im östlichen Teil Europas kommt zugute, dass sie sehr gut vernetzt sind. Die gezielten, weltweiten Hackerangriffe auf russische, staatliche Einrichtungen sind dafür ein gutes Beispiel. Informationen mittels US-amerikanischen privaten Satelliten aus der Ukraine in die Welt zu schicken ein anderes. Die Solidarität hat auch die Menschen in Deutschland erfasst – und ich möchte hier keinen Unterschied mehr zwischen den Generationen machen. Was kann ich tun? Wie kann ich helfen? sind die vorherrschenden Fragen im Netz. Das hat offensichtlich auch die Politik in Berlin erkannt und der Druck aus dem europäischen Ausland sowie den USA tat ein Übriges. Jetzt sind auch deutsche Waffenlieferungen möglich, und der Ausschluss aus dem SWIFT-System ist zumindest für einige, russische Banken Realität.

Aber wie kann eine Lösung aussehen?

Das Leid der Bevölkerung in der Ukraine können diese Maßnahmen nicht lindern. Im Gegenteil: so hoffnungsvoll auf der einen Seite der militärische wie bürgerliche Widerstand gegen den russischen Aggressor ist, er erhöht die zivilen Opfer. Putin kann aus seiner Sicht nicht zurück. Der Diktator hat sich in eine Sackgasse manövriert. Und der Westen hat dank der Solidarität vor allem der jüngeren Generation begonnen, sich klar für die Freiheit der Ukraine zu positionieren. So wichtig und aus meiner Sicht richtig das ist: diese Konfrontationsstellung macht einen Ausweg aus der Krise deutlich schwieriger.

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Licht am Ende des Winter-Tunnels

Licht am Ende des Winter-Tunnels

Zwei Tage hintereinander Sonne hatten wir zuletzt im November vergangenen Jahres. Die Monate und Wochen dazwischen war es meist dunkel mit Regen oder Schnee. Noch immer liegt gut ein halber Meter rund ums Haus. Dort, wo der Schnee wiederholt vom Dach gefallen ist oder unser Traktor die Schneemassen zusammengeschoben hat, erhebt sich eine weiße Wand. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Frühlingsblumen bei uns in der Bergerau zum Vorschein kommen. Denn der klare Nachthimmel hat die Temperaturen heute auf minus neun Grad fallen lassen, so dass Jackson und ich endlich auf dem gefroreren Schnee durch die Bergerau hinein in den Wald den Tierspuren nach streuseln konnten – mit Schneeschuhen natürlich. An den meisten anderen Tagen im Jahr ist die Bergerau als beginnendes Moor zu feucht. Der regenreiche Winter dürfte dazu beitragen, dass die Landschaft vor unserer Haustür sich in ein Moor (zurück-)verwandelt.

Dieser Winter zwang uns trotz einer neuen Batterie, den Diesel-Generator so oft anzuwerfen wie in keinem Winter zuvor. Meine Bemühungen die Solarzellen vom Schnee zu befreien, erinnerten stark an Sisyphos. Kaum dass die eine Schicht weg war, fiel schon die nächste auf die Paneelen. Glänzte doch einmal das Silizium schwarz auf dem Dach, fehlte die Helligkeit, um etwas in unsere Batterie zu laden. Aber wir haben die Zeit trotzdem ganz gut überstanden. Im Arbeits-/Therapiezimmer der Praxis im Wald steht mittlerweile auch ein kleiner Gasofen als zusätzliche Wärmequelle. Wieder ein Stück in der Wirtschaft, dabei wollten wir doch reduzieren;-)

Den Tieren geht es trotz des dunklen Winters gut. Langsam fangen die Schafe an zu bähen, wenn sie uns sehen. Es ist Zeit für Abwechslung, scheinen sie uns zuzurufen. Wo ist die grüne Wiese? Noch reicht das Heu, aber auch so ein genügsames (und furchtbar schreckhaftes) Tier scheint irgendwann des nassen, kalten Weiß‘ überdrüßig zu sein. Übrigens müssen wir auf das Fördergeld für unseren Wolfszaun noch bis Mai warten – beantragt und gekauft hatten wir die Zäune im Sommer. Denn es gibt nur zwei Auszahlungstermine im Jahr und der letzte wurde verpennt. Zum Glück sind wir darauf nicht angewiesen, aber dienlich ist das nicht, um die Tierhalter mit der mittlerweile nachgewiesenen Anwesenheit des Wolfs im Bayerischen Wald auszusöhnen.

Unsere zwei Hühner durften ab und an ins Gewächshaus, um dort ein Sandbad zu nehmen. Ihren Freiluftstall haben die Dachlawinen unter sich begraben. Ihre langanhaltende Mauser scheint endgültig vorbei zu sein und es gibt auch wieder ab und an ein Ei. Jackson genießt die morgendlichen Spaziergängen, wenn davon auszugehen ist, dass kein Langläufer auf der Loipe ist. Ansonsten ist ihm die präparierte Welt viel zu gefährlich. Und Haru hält dank ihres dichten Winterfells in der Scheune die Stellung., so dass eine Mäuseplage bisher ausgeblieben ist. Wann immer unsere Katze einen von uns entdeckt, kommt sie angesaust, um laut miauend ihre Streicheleinheiten einzufordern. Ich dachte Katzen wären ganz anders;-) Dem nachzukommen, wird leichter, wenn es die Temperaturen erlauben, sich auch mal wieder in der Scheune auf einen Stuhl zu setzen und mit der Katze auf den Schoß ins Grüne zu schauen.

Angesichts der Sonne steigt die Lust über die Frühlingsbeete nachzudenken. Es ist Zeit, die Samen- und Kartoffelbestellung aufzugeben. Wir wollen zwar auch beim Anbau ein bisschen kürzer treten, aber die selbstangebauten Kartoffeln schmecken einfach besser. Dieses Jahr wollen wir ein paar Lupinen pflanzen. Denn die Früchte schmecken wirklich gut und die Pflanze wächst wild entlang der Wege hier. Das dürfte also eigentlich kein Problem sein. Aber noch liegt Schnee im Gemüsegarten…

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Willkommen in 2022

Willkommen in 2022

Wieder ein Jahr „geschafft“ möchte man fast schreiben angesichts der vielen, Corona-bedingten Herausforderungen. Aber es gab auch sehr schöne, bereichernde Erlebnisse, Zusammentreffen und Gespräche in 2021 dem vergangenen Jahr der Kuh. Das Bild ist ausgetauscht, die Figuren, die wir aus Japan mitgebracht haben, aufgestellt. Schauen wir mal, was der Tiger so alles anstellen wird.

2022 wird das Wetter hoffentlich besser

Wir werden auf jeden Fall bei unserem eingeschlagenen Pfad bleiben: keine zusätzlichen Herausforderungen mehr auf unserer kleinen Farm und zumindest für Silke auch drum herum. Ich werde vorübergehend gerne stärker in den BR eintauchen, aber meine Praxis und Seminare nicht aufgeben. Und dann ist ja noch das (Welt-)Geschehen zu kommentieren von unserem kleinen Paradies in der Bergerau aus.

Manchmal malen wir die Welt ein bisschen zu schwarz/weiß

Und deshalb kann ich es mir zum Schluss nicht ganz verkneifen, die rhetorische Frage zu stellen, warum es überall im Ausland keine Beschränkungen zu Sylvester brauchte. Wir in Deutschland mit dem besten Gesundheitssystem der Welt und derzeit relativ niedrigen Inzidenzen (wenn auch die Zahlen mal wieder mit Vorsicht betrachtet werden sollen) dennoch Kultur und Vergnügen staatlicherseits verboten werden mussten? Passend ins Muster haben wir dann auch noch eifrig über die „Verbots-Brecher“ zum Beispiel beim Böller-Einkauf in den Nachbarländern berichtet, ohne die Maßnahmen auf Bund-, Länder- und kommunaler Ebene ebenfalls kritisch zu thematisieren…

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Winter Mitte Dezember

Winter Mitte Dezember

Der erste Schnee kam schon Ende November und es ging munter weiter. Kaum ein Tag mit Sonne, dafür schon fünf Gelegenheiten, an denen der Diesel-Generator die Sonne ersetzen musste, und das Zusammenspiel mit der neuen Batterie klappt einwandfrei 😉 Von den Schafen kommt bisher kein einziges Bäh aus ihrem Winterstall. Die Heu-Bar ist zugegebenermaßen gut gefüllt, aber wir vermuten, dass die fehlenden Lämmer im Bauch den Appetit ein wenig zügeln. Insofern geht vom Schaf-Winterstall ohne Lämmer-Suspence wie erhofft die beruhigende Wirkung aus.

Bei den Hühnern hält hingegen die Mauser und damit die Ei-lose Zeit an. Nach der schwarzen Henne sieht jetzt die Braune ziemlich zerrupft aus. Lust über die Hühnerleiter in den Außenstall zu gehen, haben die beiden angesichts des Schnees ohnehin nicht. Immerhin ist angesichts der Gitter auch hier der Fuchs- und Habichts-Suspence ausgesperrt. Im Frühling dürfen sie sich wieder über die Schnecken-Eier hermachen. Unsere Katze hat sich übrigens verdopplt – wie jeden Winter. Damit kommt sie bestens mit den Minus-Graden in der Scheune klar. Tiefsttemperatur bisher minus 7,5.

Die Bilder sind übrigens alle am 10.12. aufgenommen worden, nachdem am Vormittag endlich der Himmel in lange vermissten Blau erstrahlte und ich WinterWonderLand einfangen konnte. Bis dahin hatte ich bestimmt schon 15 Mal vergeblich die Solar-Paneelen freigeschoben (naja ein bisschen Energie ist zwischen durch schon in die Batterie geflossen). Außerdem haben wir – auch dem Home-Office geschuldet – eine der verarbeiteten Fichten bereits verfeuert und ich muss fleißig Holzhacken, Holzsägen, Holzverfeuern – und natürlich Schnee schaufeln mit und ohne Traktor.

Und nach ein paar Stunden war es am 10.12. auch wieder vorbei mit der Sonne. Seitdem ist alles grauweiß und es flockt immer wieder leicht vor sich hin, so dass ich bei den Paneelen nicht hinterher kommt. Immerhin sind die Loipen gespurt und ich kann auch mal durch die Landschaft „gleiten“ anstatt zu „stapfen“. Unser Haus- und Hof-Baumeister lässt sich übrigens vom Winter nicht abhalten, seiner Arbeit nachzugehen.

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Corona: Zeit für Alternativen

Corona: Zeit für Alternativen

Als Gemeinschaft muss man aufeinander Rücksicht nehmen. Daran führt gerade in einer Krise wie der Corona-Pandemie kein Weg vorbei. Abstand zu halten, Maske zu tragen und sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren, waren und sind eigentlich die Grundregeln des Zusammenlebens in gesundheitlich schwierigen Zeiten. Ein Blick nach Fernost zeigt, wie effektiv allein diese Maßnahmen sein können, wenn sich alle daranhalten.

Japan: geringe Inzidenzen bei einst niedriger Impfquote

In Japan liegt die Impfquote mittlerweile bei 77 Prozent, aber die Inzidenzen waren schon niedrig, als die Regierung noch über das Impfen nachdachte. Denn das Tragen von Masken und die Desinfikation wurde allgemein akzeptiert. Die Gesellschaft ist darauf angewiesen im Fall von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunami, dass alle zusammenhalten und Rücksicht nehmen. Das funktioniert offensichtlich auch in Zeiten eines gesundheitlichen Notstands: ganz ohne Impfpflicht. Bei uns ist das mit der Rücksicht und der Selbstbeschränkung so eine Sache. Diesem Verhalten mit noch mehr Regeln, Gesetzen und Pflichten beikommen zu wollen, ist aus meiner Sicht der falsche Weg.

Diskussion über die Endlichkeit des Lebens

Ich finde es gut, wenn über die Impfpflicht diskutiert wird. Ich fände es besser, wenn darüber offen (also unter Einbeziehungen aller Sichtweisen) und im größeren Rahmen gesprochen würde. Eine Impfpflicht in Krankenhäusern und Altenheimen wälzt das Problem mal wieder auf die Pflegekräfte und das medizinische Personal ab, ohne dass die Gesellschaft im Ganzen sich mit der Frage beschäftigen muss. Dabei liegt es an jedem Einzelnen auf seine Gesundheit zu achten. Das gilt mit Blick auf Rauchen, Trinken und fehlende Bewegung gleichermaßen (denn auch das hat gesundheitliche Konsequenzen, für die die Allgemeinheit aufkommen muss).

Überlastung des Gesundheitssystems nicht allein wegen Corona

Bisher haben wir es uns leisten können, eine ungesunde Lebensweise zu tolerieren und die Folgen einfach mit Hunderten von Milliarden Euro im Medizin- und Reha-Wesen aufzufangen. Denn man darf nicht vergessen, dass es dabei auch ums Geschäft geht. It’s just good business. So hat sich langsam der Glaube eingeschlichen, dass der Mensch zumindest in Deutschland ein Anrecht auf Gesundheit hat und das Gesundheitssystem bitte genau dafür zu sorgen habe.

Corona trifft noch immer vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen

Von den bisherigen 100 Tausend Corona-Toten in Deutschland, von denen jedes einzelne Schicksal zu beklagen ist, sind mehr als 60 Prozent über 80 Jahre und mehr als 95 Prozent über 60 Jahre alt gewesen (Quelle RKI) – meist mit Vorerkrankungen. Vielleicht wären viele von ihnen bald an einer anderen Krankheit als Covid19 gestorben. Die Übersterblichkeit in Deutschland ist in nur in einigen Monaten seit dem Corona-Ausbruch etwas höher gewesen. Wie es den Menschen in den vielen Pflegeheimen geht oder ging, interessiert uns kaum. Daran hat sich auch nichts geändert, seitdem der Pflegenotstand fast täglich in den Nachrichten ist. Die Diskussion über ein menschwürdiges Leben im Alter und die Fähigkeit loslassen zu können, führen wir noch immer nicht.

Zeit für alternative Pläne und Herangehensweisen

Die Corona-Pandemie wütet jetzt seit fast zwei Jahren und aus meiner Sicht haben die Rezepte der Politik versagt. Zuerst waren es Kontaktbeschränkungen, dann das Impfen und jetzt die Impfpflicht, mit deren Hilfe alles wieder so wie früher werden soll. Vielleicht ist es Zeit, sich über ein anderes Verständnis Gedanken zu machen. Was wäre, wenn wir akzeptieren, dass der Mensch ein verletzliches Wesen ist, das gerade mit zunehmenden Alter nicht immer von unserer fortschrittlichen Medizin gerettet werden kann; dass Krankheiten, Pandemien zu unserem Lebensstil und zum Leben an sich gehören. Dann wäre es leichter, offen über die Triage zu sprechen, die wir ohnehin schon häufig genug anwenden. Ganz zu schweigen von unserer stillschweigenden Bereitschaft, mit unserem Handeln (Konsum, Klima, Gewinnstreben) Tausende von Menschen tagtäglich in den Tod zu schicken. Aber das geschieht ja für uns namenlos an weit genug entfernten Orten in der Welt und bleibt deshalb meist unberücksichtigt. Ist das nicht Grund genug, trotz oder wegen Corona innezuhalten und einmal grundsätzlich nachzudenken?

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Herbstimpressionen

Herbstimpressionen

Die schöne Abenstimmung verhieß eine kalte Nacht. Der Sichelmond war übrigens schon wieder am Sinken und verschwand ein paar Minuten später.

Am nächsten Morgen war der erste echte Frost in dieser Saison da. Die Schafe hatten kein Problem mit minus 2 Grad. Ich war hingegen froh, gestern noch einmal hinter den Schafen her gemäht und die Gerätschaften auf ihren Winterplatz gestellt zu haben.

Gerätschaften an ihrem Winterplatz

Was die Gemüse-Ausbeute angeht, so war die Saison durchwachsen. Der Salat und die Karotten dürften den ersten Frost überstanden haben, die Tomatenzeit im Gewächshaus ist hingegen endgültig vorbei. Dann schauen wir mal, ob und was der Winter an Schnee so bringen wird.

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Zeit für einen Rückblick nach drei Jahren

Zeit für einen Rückblick nach drei Jahren

Das waren sie also, meine drei Jahre unbezahlten Urlaubs auf unserer kleinen Farm. Ich bin um viele Erfahrungen reicher und um die ein oder andere Illusion ärmer. Am 1. August beginnt die berufliche Normalität und es geht zurück in die geregelte Arbeitswelt. Mit einer Position des Koordinators im BR-Studio Deggendorf hätte es mich schlechter treffen können. Aber vier Tage die Woche bin ich erst einmal wieder fremdbestimmt. Ein Wochentag und eventuell das Wochenende bleiben der Praxis im Wald vorbehalten.

Der Warte- und Eingangsraum der Praxis im Wald

Ich hatte auf jeden Fall keine Langeweile in diesen drei Jahren. Das lag sicher auch an meinem Fernstudium, das ich relativ schnell angefangen und mit einem Bachelor der Psychologie im April 2021 abgeschlossen habe. Das lag aber auch an unseren Tieren, die versorgt werden wollten, Heu das eingefahren werden musste, Kartoffeln, Salat und Karotten, die gesät und – vorausgesetzt die Wühlmaus hatte nicht zu großen Hunger – geerntet werden konnten. Die Insel-Solaranlage und die leider nicht so langlebige Batterie (es gibt noch viel zu tun für die Techniker, um geeignete Speichermedien für Extrembelastungen wie in unserem Fall zu entwickeln), die Winterschäden am Dach und der Rückbau der Scheune mit der Möglichkeit, sie als Veranstaltungsort zu nutzen, haben mich ordentlich beschäftigt.

Ohne den Ausgleich der unterschiedlichen Tätigkeiten hätte ich die drei Jahre so nicht überstanden. Es war gut und für mich notwendig, dass es neben der körperlichen Arbeit auch die geistige Herausforderung des Studiums gab. Die Einsamkeit tief im Nationalpark Bayerischer Wald war insofern gut auszuhalten, weil Telefon und Internet (wir haben vor einem halben Jahr sogar einen Glasfaseranschluss bekommen) den Zugang zur Welt gewährleistet haben. Dennoch fehlte der alltägliche Austausch mit KollegInnen und Bekannten, der ein wichtiger Teil des sozialen Lebens ist. Ungerechterweise war das in Zeiten des Corona-Lockdowns auch vielen anderen Menschen nicht vergönnt.

Unsere kleine Farm mit frisch gesägtem Holz
Der rußende Herd im Sommer mit Elektroaufsatz (und Lammsesamhackbällchen sowie Polenta)

Nach diesen drei Jahren ist für mich klar: es macht durchaus Spaß sich körperlich beim Holzhacken zu verausgaben, aber ich muss es nicht unbedingt haben; es ist ein großartiger Genuss, wenn man auf selbstgezogenes Bio-Gemüse direkt aus dem Garten zurückgreifen kann, aber ich weiß, welchen Aufwand das bedeutet und habe nichts dagegen, auch beim Laden um die Ecke einzukuafen; mit Tieren zu arbeiten (ob Hund, Katze, Schaf oder Huhn – jedes Tier hat seine Persönlichkeit) ist ein Privileg, dass ich genossen habe aber nicht die ganze Zeit meines Lebens genießen muss; kleinere Handwerksarbeiten am Haus kann ich mittlerweile selbst erledigen, aber ich muss nicht auf dem Dach herumkraxeln, um Dachpfannen auszutauschen oder jedes zweite Jahr selbst die Wohnküche streichen, weil der Holzherd wieder alles verrusst hat. All das ausprobieren zu können, war allerdings ein wunderbares Geschenk.

Wer traut sich, mich zu streicheln? Haru – Killer-Cat

Wir weden die restlichen sechs Schafe weiterhin über unsere Weiden ziehen lassen, wir werden den verbliebenen drei Hühnern nicht ihre Bewegungsfreiheit nehmen, auch wenn das bedeutet, dass wir am Ende keine Hühner mehr haben, weil der Fuchs und der Habicht nun mal diese Gelegenheit nicht auslassen werden, wir werden Jackson und Haru weiterhin gerne versorgen und mit ihnen die kleine Farm im Nationalpark gerne bewohnen. Aber es ist Zeit für einen Wechsel und etwas mehr technische Unterstützung (der Heu-Wender ist bestellt und keine neuen landwirtschaftlichen Herausforderungen mehr – bitte). Dafür will ich gerne wieder in die BR-Welt eintauchen und die Praxis im Wald für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetzt etablieren. Ich habe all diese neuen Erfahrungen intensiv erlebt und weiß jetzt besser, was ich will bzw. was ich nicht will. Zu Ersterem gehört auf jeden Fall mit interessierten Menschen an diesem wunderschönen Fleckchen „Bergerau“ über die Stolpersteine des Lebens nachzudenken.

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Der Duft der Idylle – alles Scheiße

Der Duft der Idylle – alles Scheiße

…und das mal im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht haben wir in unserem Blog über unser kleines Farmleben allzu idyllische Beschreibungen (abgesehen von den Grausamkeiten der Natur) gewählt. Deshalb ist es dringend an der Zeit, auch einmal über die weniger spektakulären dafür aber notwendigen, anstrengenden und geruchsintensiven Arbeiten zu berichten. In den kommenden Abschnitten dreht sich fast alles um die tierischen Körperausscheidungen, die es in der Regel aufzuräumen gilt.

Da ist zum einen der Hühnerstall. Jetzt im Frühsommer (auch wenn bei erneutem Nachtfrost von Frühsommer keine Rede sein kann) sind unsere vier Hennen im „alten“ Stall untergebracht. Platz ist ausreichend für die kleine Vogelschar, die unterhalb ihrer Schlafstange ordentliche Haufen hinterlässt. Hier hat sich neben Schaufel und Besen eine Spachtel als Werkzeug bewährt. Da das „liebe Federvieh“ zu den Allesfressern gehört und sich vor allem die beiden alten Hennen gerne um die Mäusereste, die Haru übriggelassen hat, streiten, stinkt die Hühnerkacke ziemlich intensiv. Auch die Konsistenz ist nicht unbedingt so, dass das Reinigen des Hühnerstalls zu unseren Lieblingsbeschäftigungen zählt. Aber es muss gemacht werden. Die Hinterlassenschaften der Hennen sind natürlich auch rund ums Haus zu finden, da die Hennen bei uns ja frei laufen dürfen. Aber einen Teil „entsorgt“ Jackson zum Nachtisch nach seinem Futter und ein Teil düngt eben unser Gras.

Wer traut sich, mich zu streicheln?

Haru, unsere Katze, kümmert sich um ihre Ausscheidungen selbst – abgesehen von den schneereichen Wintertagen, wenn wir ihr in der Scheune ein Katzenklo aufstellen. Denn die mittlerweile nicht mehr ganz junge Dame hat dann keine Lust, hinaus in den Schnee und die Kälte zu gehen. Ansonsten verbuddelt Haru wie es sich für die katzenartigen Tiere gehört ihre Exkremente mit Vorliebe in unseren Beeten – zum Beispiel im Kartoffelacker oberhalb des Hauses. Das hat zur Folge, dass manche Pflanzkartoffeln keine Chance haben, in der Erde Wurzeln zu schlagen. Die harten Katzenwürstchen stören ansonsten nicht weiter. Mal sehen, ob die schon grünen Pflänzchen den hoffentlich letzten Frost hier in unserem Kältetal überstanden haben.

Und das hinterlässt uns dann der Fuchs

Es sind aber nicht nur „unsere“ Tiere, die sich rund ums Haus verewigen. Der Fuchs markiert sein Revier mit seinen Haufen oft direkt am Haus. Gestern stattete er auch den Hühnern wieder einen Besuch ab. Zum Glück waren diese gerade direkt vor unserer Terrassentür, so dass wir das Gezeter vom Sofa aus hören konnten und ich den Fuchs auch sah, wie er hinter der schwarzen Henne her war. Dieses Mal war ich schneller und der Fuchs suchte das Weite. Aber es wird leider nicht das letzte Mal gewesen sein. Dann gibt es rund ums Haus natürlich auch Marder- und Kröten-Pup, und natürlich Mäuse- bzw. Fledermaus-Ködels, die unter den Schindel herausfallen. Das Mäuseparadies in der Scheune haben wir endlich trocken gelegt. Denn das alte Dämmmaterial und die Planen sind endlich weg.

Seitdem wir die Schafe morgens auf ein Stück umzäunte Weidefläche oberhalb unseres Hauses führen und abends wieder zurück in den sicheren Stall bringen, muss nicht nur die gut zwanzig Zentimeter hohe Schafsmatte aus dem Winterstall entsorgt werden, sondern auch der frische Schafsmist aus dem Sommerstall. Einmal pro Woche fahren wir also mit dem Traktor an die Tür heran, um mit der Mistgabel das von Schafspippi und Schafskacke durchsetze Heu hinaus in die Erdschaufel zu befördern. Anschließend gilt es den Boden so weit wie möglich von den Hinterlassenschaften zu befreien, was nur mit viel Kraft und ordentlichem Kratzen geht. Auch das ist keine besonders angenehme Aufgabe, weil neben dem Lärm auch noch der Gestank kommt, der sich auch in der Kleidung festsetzt.

Der aktuelle Schafstall

Aber irgendwie fehlte das noch zu unserer Erfahrung als Hobby-Landwirte, dass wir den echten Stall direkt am Haus auch als solchen nutzen. Auf der einen Seite sieht es durchaus nett aus, wenn die Schafe dort hinein und wieder hinaus gehen, aber zu den Tieren gehört eben auch ihr stinkender Mist. Jetzt kann man zwar durch das geöffnete Badezimmerfenster die feuchte Luft entweichen lassen, holt sich aber auch den intensiven Geruch aus dem Schafstall hinein. Das gilt – weniger ausgeprägt – ebenso für das Wohnzimmer oder die Scheune, die eigentlich einer anderen Bestimmung entgegen sieht. Mit etwas Fantasie kann man sich jetzt schon vorstellen, dass ein Teil dieses Areals in Kürze als Seminarraum genutzt werden kann. Denn ich werde neben der psychotherapeutischen Praxis auch Seminare anbieten, die sich an alle richten und die etwas mehr über die „Stolpersteine des Lebens“ erfahren wollen. Dazu gehören zum Beispiel die Heuristiken und Verzerrungen unserer Wahrnehmung oder die gesellschaftlich aufgestellten Geschlechterfallen.

Bleibt noch der Hund, der sein Geschäft zum Glück draußen auf unseren Spaziergängen verrichtet (abgesehen von seltenen, dafür aber umso unangenehmeren Ereignissen auf Grund eines verdorbenen Magens). Seine Riesenhaufen verteilen sich im Wald und sind nur unmittelbar nach ihrer Entstehung für uns Menschen zu riechen. Nach drei Monaten hat die Natur die tierische Hinterlassenschaft zum Glück dem Erdreich wieder hinzugefügt. Ansonsten leistet Jackson als Wachhund – wenn er draußen ist – gute Dienste; ebenso wie die Hennen, die fleißig Eier legen oder die Schafe und Lämmer, von denen drei in dieser Woche Hackfleisch, Lammwürstchen und Bratenstücke sowie wunderbare Felle liefern. Haru gibt sich zwar reichlich Mühe, aber die Mäuse und Wühlmäuse sind einfach zu viele. Irgendwie gleicht es sich also wieder aus mit der Scheiße, die wir im Gegenzug entsorgen müssen. Es bleibt ein Kreislauf, auf den wir uns noch mit unserer kleinen Farm eingelassen haben.

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