Autor: PKujath

geboren 1972, seit 1995 Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, von 2007 bis 2013 ARD Hörfunkkorrespondent für Ostasien mit Sitz in Tokio, seit August 2014 langsamer Rückzug in den Bayerischen Wald
Es ist nie zu spät umzudenken

Es ist nie zu spät umzudenken

Achtung Meinung

Ein Inzidenzwert von 10, 50 oder 100 – was ist denn jetzt die richtige Zahl für eine Öffnung? Und was ist mit dem R-Wert, der Anzahl der Toten durch Covid-19 oder der Übersterblichkeit? Oder sollte man sich doch besser an der Auslastung der Intensivbetten orientieren? Die vermeintlich sicheren Anhaltspunkte im Kampf gegen die Pandemie sind ins Wanken geraten und offenbaren, dass auch ein Jahr nach Beginn eine schlüssige Strategie in Deutschland nicht existiert. Die Politik hat sich in eine Sackgasse manövriert, weil sie sich auf den Rat einer wissenschaftlichen Fachrichtung verlassen hat. Dabei hat die Medizin den aus ihrer Sicht besten Weg aufgezeigt, aber verständlicherweise ihr Bezugssystem mit der akuten Rettung von Menschenleben als höchster Prämisse nicht verlassen. Die Zahl der Selbstmorde, der Anstieg der häuslichen Gewalt und die wirtschaftlichen Schäden werden von der Politik leider geringer gewichtet. Ob andere Wege unterm Strich erfolgreicher gewesen wären, werden wir nie erfahren. Denn man kann (zum Glück) das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, um die Geschichte als Experiment unter leicht veränderten Rahmenbedingungen zu wiederholen. Es gibt es dafür zwar einige wenige Berechnungsversuche, aber an der Komplexität des Lebens scheitern (noch) die leistungsfähigsten Computermodelle.

Die Politik muss Alternativen erwägen

Die bisherigen Maßnahmen seitens der Politik haben es nicht geschafft, die Pandemie zu beenden. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die auch außerhalb der Möglichkeiten der politischen Einflussnahme liegen. Wie gesagt: das Leben ist eine komplexe Angelegenheit. Das entbindet die Handelnden jedoch nicht, sich (endlich) über eine (andere) Strategie Gedanken zu machen. Masken und Hygieneregeln haben ihre Wirkung bewiesen – nicht zuletzt auf Grund der kaum aufgetretenen Grippefälle in dieser Saison. Warum versuchen wir nicht, mit den entsprechenden Hygienekonzepten zu einem „normalen“ Leben zurückzukehren? Der Kunst- und Kulturbetrieb hat unter Beweis gestellt, dass dies möglich ist. Die Gastronomie hat ebenso wie der Einzelhandel entsprechende Konzepte längst erarbeitet. Es ist Zeit, diese auszuprobieren und ihre Wirkung im alltäglichen Leben zu überprüfen.

Geht die Sonne auf oder unter

‚Trail and Error‘ ist besser als keine Strategie

Das wiederholte Versprechen von Impfen und Testen ist angesichts des Versagens genau bei diesen beiden Themen hier in Deutschland zu einer leeren Worthülse geworden. Selbst die USA, die wir in unserem Hochmut schon abgeschrieben hatten, haben es geschafft, mehr Menschen gegen das Corona-Virus zu impfen als wir – ganz zu schweigen von Ländern wie Israel. Wir wollten wie so oft wohl alles richtig machen und haben deshalb lieber zu wenig getan. Es hat den Anschein, also ob die Politik sich nur mehr zur Methode des ‚Augen-zu-und-durch‘ aufraffen kann und deshalb an dem einmal eingeschlagenen Weg festhält, der die Sackgasse nur um den nächsten Lockdown verlängert. Dabei war in den wissenschaftlichen Studien zwischen den Zeilen aber auch explizit oft genug zu lesen, dass die nächsten Wellen unweigerlich kommen werden. Angesichts unseres Lebensstils und der knapp acht Milliarden Menschen auf der Welt wird sich das Corona-Virus kaum wieder verabschieden. Es ist also höchste Zeit, die nötigen und dauerhaften Rahmenbedingungen zu schaffen, um trotz SARS-CoV zu einem normalen Leben zurückzukehren.

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Ende der Eiszeit

Ende der Eiszeit

Vier Nächte hintereinander hatte es jetzt minus 18 Grad, als Jackson und ich unseren Morgenspaziergang absolvierten. Eingepackt in mehreren Schichten und mit viel zu langen, aber dafür wärmenden Haaren trotzten wir der Kälte. Allerdings musste ich zu Beginn immer erst einmal den Schnee aus den Zwischenräumen seiner Pfoten massieren, ehe wir schnellen Schrittes über harschen Schnee bedeckt von einer fluffig leichten Flockendecke unsere 45 Minuten Runde absolvieren konnten. Zurück am Haus bedeckte regelmäßig eine Eisschicht Jacksons Schnauze und meinen Jackenkragen.

Mit dem schnellen Aufwärmen in der Stube war es nach unserer morgendlichen Rückkehr aber erst einmal nichts. Denn die frostigen Außentemperaturen ließen auch in der Wohnküche und auf Jacksons Schlafsofa die Temperaturen auf knapp über 12 Grad fallen, nachdem die Glut im Herd in der Nacht erloschen war. Also hieß es morgens wieder einheizen, ehe sich der Hund ein wenig aufwärmen konnte. (Ich hatte das Glück, in die Schlafküche im ersten Stock wechseln zu dürfen, wo ich mich vor den wärmenden Pelletofen stellen konnte, der sich redliche Mühe gab, die einstelligen Temperaturen im Schlafbereich auf ein erträgliches Maß anzufeuern.) Ganz so bedrohlich, wie es sich bisher lesen mag, war es dann aber doch nicht. Wir haben in der letzte Woche immer alle Öfen angeschmissen und innerhalb von zwei Stunden abgesehen vom Flur (und gewollt der Speisekammer) das Haus einigermaßen warm bekommen. Allerdings durften wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen, was wiederum zur Folge hatte, dass ich mit dem Zersägen und Spalten der großen Baumstücke kaum hinterhergekommen bin. Aber noch ist Käferholz hinter den Garagen übrig und wird bis zum Frühsommer reichen.

Zweimal nur konnte ich kurz in der Sonne sitzen

Interessanterweise war es mit dem Schnee dieses Jahr ganz anders als erwartet. Bei uns hatte sich knapp ein Meter angesammelt, ehe der Regen die weiße Pracht dahinschmelzen ließ. Dabei hätte ich gewettet, dass wir dieses Jahr bis Ostern auf die Frühlingsblüten hätten warten müssen. Dann kam die Kälte, die vor allem im Norden Deutschlands Schneemassen mit sich brachte und bei uns nur für einen weißen, flauschigen Belag sorgte, der kaum ausreichte, um die Loipen wieder in Form zu bringen. Allerdings ging die Waldhäuser-Runde immer. Der Frost über die letzten fünf Tage hat zwar das Wasser in der Bergerau teilweise zum Erstarren gebracht und für ungewöhnliche Eisfälle der Kleinen Ohe unter unserer überdimensionierten Straßenbrücke gesorgt, aber viel Neuschnee war bei uns nicht hinzugekommen, auch wenn es in der Luft so aussah. Denn der Wind blies wiederholt die leichten, unverklumpten Schneeflocken aus ihrer Ruheposition wieder in die Luft oder von den Bäumen.

Glasfaseranschluss am Haus

In den Nächten war es meist sternenklar, während tagsüber Wolkenschleier die wärmenden Sonnenstrahlen nur als diffuses Licht bei uns ankommen ließen. Die Möglichkeit, sich vor den schwarzgestrichenen Schindeln in die Sonne zu setzen, war rar. Wenn gegeben aber herzlich willkommen. Kein Wunder, dass ich bei meinem Sonnenbad im Gemüsegarten nicht lange allein blieb und die Hühner zumindest überprüfen wollten, ob nicht etwas Essbares für sie abfallen könnte. Ihre Arbeit im Gewächshaus haben sie bereits verrichtet und den dortigen Boden ordentlich umgekratzt und von allen Schneckeneiern befreit. Das passt gut, denn die Pflanzsaison im geschützten Rahmen steht angesichts des Wetterumschwungs unmittelbar bevor.

Glasfaseranschluss im Haus

Den Dieselgenerator haben wir in diesem Winter bestimmt schon ein Dutzend Mal anwerfen müssen, sonst wäre es mit dem Strom im Haus nicht weit her gewesen. Wir haben zwar keinen Stromanschluss aber mittlerweile Glasfaser. Dem Homeoffice steht also nichts mehr im Wege. Dabei dürfen aber die Tiere nicht vergessen werden. Heute haben wir wieder einen Teil des Heus in der Scheune durch das große Tor mit einer Plane zum Schafstall transportiert. Wenn meine ursprüngliche Befürchtung mit dem anhaltenden Schnee tatsächlich wegschmilzt, dann müsste es reichen. Haru hat übrigens in ihrer Katzenkiste auch ein Schaffell und eine Pelzdecke dazu. So kann sie es trotz der Temperaturen in der Scheune gut aushalten.

Den Schafen waren die frostigen Temperaturen nur recht angesichts der juckenden Wolle und die Lämmer gedeihen prächtig. Davon abgesehen merkt man den Älteren an, dass die Weidesaison bitte bald beginnen sollte. Denn sie sind unleidig und weder durch Heu noch durch Pellets lange zu beruhigen. Vor allem Elviras forderndes Gebähe (sie ist nicht umsonst das schwarze Schaf) ist kaum auszuhalten. Die Pläne für die diesjährige Schlachtsaison stehen deshalb schon fest. Und dann ist erst einmal Pause mit Schaf-Nachwuchs. Bei den Hühnern sind wir uns nicht so sicher, ob wir nicht doch im Frühsommer den Brutapparat anwerfen sollen/müssen, weil unsere vier Hennen sich nicht einsperren lassen und damit leider auch Fuchs und Habicht freien Zugriff haben…

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Winter in der Bergerau

Winter in der Bergerau

40 Zentimeter Schnee

Die Tageshöchstwerte sind jetzt schon seit Wochen nicht mehr über die null Grad Marke geklettert. Der Schnee türmt sich zwar längst noch nicht so hoch, wie uns als Zugezogene vorhergesagt wurde, aber mit 40 Zentimeter hat er den Durchschnitt unserer letzten sechs Jahre erreicht. Angesichts der beinahe schneelosen Winter in den vergangenen zwei Jahren fühlt sich der fast halbe Meter aber beachtlich an. Man merkt, dass die Statistik so ihre Tücken hat – im Kleinen wie im Großen. Fakt ist, die Loipen sind gespurt und die Wege rund ums Haus gleichen wieder kleinen Canyons, die die Hühner gezielt für ihre Ausflüge nützen können. Allerdings sind derzeit nur die beiden Junghennen (eine davon ist eine Grünlegerin 🙂 ) unterwegs, um unter dem Vogelhäuschen nach heruntergefallenen Kernen zu picken. Die beiden alten Hennen bleiben lieber im sicheren Stall, nachdem sich der Habicht auf die Gesperberte vor ein paar Wochen gestürtzt hatte und ich zufällig im richtigen Augenblcik aus der Haustür trat, um den hungrigen Raubvogel laut schreiend von seinem Vorhaben abzubringen. Es lagen reichlich Federn herum, aber das Loch am Rücken ist schon wieder zugewachsen.

Wir haben also Winter, den richtigen Winter. Das heißt, ich muss regelmäßig auf das Garagendach, um die Solarpanelen vom Schnee zu befreien. Auch dann kann die Ausbeute an Energie für die Batterie wie heute mit dem anhaltenden, leichten Schneegekrissel nur ziemlich bescheiden ausfallen. Wir haben das Dieselaggregat bestimmt schon zehn Mal anstellen müssen (und er ist immer sofort angesprungen trotz minus zwölf Grad dank dem Starterspray). Ich ersprare der Leserin und dem Leser die Durchschnittswerte und Statistiken. 😉

Zum Winter gehört auch das Holzhacken. Der Vorrat hinter der Garage ist merklich zusammengeschrumpft. Letztes Jahr ist leider kein Käferbaum für uns abgefallen. Hinzu kommt, dass wir nun auch den „Praxisraum“ regelmäßig befreuern, auch wenn Corona-bedingt die Psychotherapie noch nicht angelaufen ist. Dafür habe ich endlich die schriftliche Bestätigung erhalten, dass ich die Prüfung bestanden habe und eine Praxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz führen darf. Jetzt fehlt nur noch der Bachelor. Das Exposee ist immerhin schon abgegeben und genehmigt. Viel Zeit bleibt angesichts der notwendigen Tätigkeiten im Winter nicht, aber wir haben es ja so gewollt, dass die Jahreszeiten und die Anforderungen der kleinen Farm unseren Alltag dominieren.

Die Lämmer gedeihen prächtig und es fällt schwer, sich ihrer Niedlichkeit zu entziehen. Zum Glück ist es noch ein bisschen hin, bis sich die Frage der Weiterverarbeitung stellt. Jackson hat seine Portionen allerdings schon aufgegessen. Das Heu auf dem Zwischenboden ist schon zur Hälfte weg und die Kleinen käuen auch schon wider in einer deutlich höheren Frequenz. Es bleibt beschaulich bei uns trotz der anhaltenden Corona-Pandemie, die Silke bei ihrer Arbeit im Pflegeheim hautnah mitbekommt und ich bei meinen Fahrten nach München. Zurück auf dem Land kann man bei all den vorhandenen Nachteilen die Freiheit, Abgeschiedenheit und Unaufgeregtheit hier am Ende der Welt wieder so richtig schätzen.

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Grüne Weihnachten

Grüne Weihnachten

Das sind jetzt schon die siebten Weihnachten, die wir hier auf unserer kleinen Farm verbringen, und es ist das dritte Mal, dass am Heiligen Abend kein Schnee rund ums Haus liegt. Um das herauszufinden, mussten wir allerdings die Suchfunktion auf beideseiten bemühen. Denn auf unser Gedächtnis war kein Verlass. Drei aus sieben bedeutet auch, dass es aus unserem Blickwinkel keine Besonderheit ist, schneelos die Weihnachtszeit zu verbringen. Wenn wir uns jedoch mit den Alteingessenen hier unterhalten, entlockt ihnen die grüne Umgebung ein ungläubiges Grunzen, denn die Schneemassen früher waren legendär. Es kommt wie sooft auf den Bezugsrahmen an, ob etwas als normal oder außergewöhnlich empfunden wird.

Nachtrag aus aktuellem Schneeanlass

Hausansicht jetzt mit Schnee

Gegen Morgen des ersten Feiertags ist der Regen in Schnee übergegangen und hat das Grün in Weiß verwandelt. Der Schnee ist zwar nass und liegt nicht höher als drei Zentimeter, aber es schneit immer noch. Die Stimmung hat sich nicht nur rund um unser Haus verändert. Es ist auf einmal ruhiger geworden, denn der Schnee schluckt die verbliebenen Geräusche. Bei unserem morgendlichen Spaziergang waren Jackson und ich die ersten die Spuren im Schnee hinterließen. Das wird sich sicher bald ändern. Denn die Weihnachtsspaziergänge sind in Corona-Zeiten die letzten „erlaubten“ Möglichkeiten der geballten Familie-Idylle zu entkommen;-)

Silke ist auch dieses Jahr über Weichnachten zum Arbeiten im Pflegeheim. Die Tage verlaufen also ziemlich alltäglich. Daran kann auch Corona nichts ändern. Die Schafe wollen gefüttert werden, der Hund natürlich auch sowie Spazierengehen und anschließend relaxen (nach drei Jahren hat er endlich das Sofa erobert), die Hühner brauchen Futter und ihren Auslauf, sonst ist ihr Gezeter nicht auszuhalten. Immerhin legen sie nach drei Monaten Mauser wieder oder im Falle unserer zwei übriggebliebenen Ex-Küken erstmalig Eier. Den Hahn habe ich leider um die Ecke bringen müssen. Es war klar, dass es im Winterstall zu Verwerfungen mit uns kommen würde. Also musste er nach einem kurzen, aber schönen Leben als Fleischlieferant herhalten.

Was die Schafe angeht, so hat es Courage übrigens wieder nicht geschafft, ein lebendiges Lamm zur Welt zu bringen. So traurig es ist, gehören auch diese Ereignisse dazu. Damit dürfte es wohl bei den zwei Böcken und den zwei Lämmchen bleiben. Ob wir tatsächlich die Sache mti dem Nachwuchs sein lassen werden, wird sich erst im Laufe von 2021 zeigen. Wir sind gespannt, denn das Jahr der Kuh dürfte wohl so einiges an Veränderungen mit sich bringen.

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Corona zum Trotz

Corona zum Trotz

Wir brauchen eine breite Diskussion über den notwendigen, gesellschaftlichen Wandel

Angesichts der scheibchenweisen Verschärfung der Hygieneverordnung stelle ich mir die Frage, ob es nicht auch anders gegangen wäre. Die Pandemie treibt nun schon seit einem dreiviertel Jahr die Politik vor sich her und nimmt uns die gewohnte Luft zum Atmen. Die Sommermonate waren trügerisch; auch wenn der Urlaub nicht so abgelaufen ist wie normal, hatten doch viele inklusive der handelnden PolitikerInnen das Gefühl, schon irgendwie durchzukommen. Obwohl die 2. Welle noch nicht einmal abgeebbt ist, sprechen einige schon von der 3. Welle, während andere die Impfstoffe zur Alleinseligmachenden Medizin stilisieren. Nur selten kann man etwas lesen oder hören, wo sich jemand mit der unvermeidlichen Endlichkeit auseinandersetzt, mit der Frage, welches Leben wir eigentlich führen wollen, welcher Umgang mit dem Altern und seinen dazu gehörenden Gebrechen angebracht sein könnte oder welches Maß an Verantwortung wir eigentlich an die Politik abtreten wollen. Themen, die schon vor dem Corona-Ausbruch dringend diskutiert hätten werden müssen, aber jetzt angesichts der akuten Krise ideologisch belastet sind.

Der Beifall für die Pflegenden ist längst verhallt, das Geld für die Aufstockung der Löhne kaum bei den Betroffenen angekommen. Wer da eigentlich unter welchen Bedingungen gepflegt wird, und ob dieses „Dahin-Vegetieren“ noch menschenwürdig ist, sind nach wie vor Tabuthemen. Der Fokus liegt auf dem Erhalt des Lebens unter allen Umständen und unter Einsatz aller Apparate. In den USA muss man sich als Individuum diese Unbedingtheit leisten können, in Deutschland vermittelt einem das Gesundheitssystem den Eindruck, dass jeder Anspruch darauf hat. Dieser Eindruck war schon vor Corona-Zeiten trügerisch. Denn auch in Deutschland gibt es eine Zwei-Klassen-Medizin. Die Krise erweitert diese Zwei-Klassen zu einem multiplen System von möglichen Gewinnern und Verlierern. Denn die Rettung des einen kann zumindest mittelbar den Untergang eines anderen nach sich ziehen, wenn Operationen verschoben werden müssen, die gestiegene häusliche Gewalt im Lockdown ihre Opfer fordert und die zusätzlichen psychischen Belastungen oder der wirtschaftliche Ruin Existenzen gefährdet. Die sogenannten Kollateralschäden der Pandemiebekämpfung sind zahlreich und vielschichtig.

Da kann man schon einmal den Weg verlieren

Was mir neben der grundsätzlichen Diskussion fehlt, ist die Perspektive. Der Impfprozess wird schon aus logistischen Gründen mehr als ein Jahr dauern. Außerdem ist längst nicht gesagt, dass alle freiwillig mitziehen werden. Wir werden also noch eine lange Zeit mit dem Corona-Virus leben müssen. Die Frage ist nur wie! Die Wirkung von Mund-Nasen-Masken nach dem FFP2-Standard ist wissenschaftlich belegt. Das Tragen dieser Masken schützt sowohl einen selbst als auch die anderen. Warum also nicht diese Maßnahme verpflichtend einführen, dafür aber alles andere in die Verantwortung des Einzelnen legen. Ich muss dann nicht ganze Wirtschaftszweige lahmlegen und gleichzeitig mit Steuergeldern den Ausfall kompensieren. Diese Eigenverantwortung bedeutet aber auch, dass ich für die Konsequenzen selbst verantwortlich bin, wenn ich mich nicht ausreichend schütze und an Covid-19 erkranke. Das heißt in der Konsequenz, dass ich nicht erwarten darf, dass Beatmungsgeräte und freie Klinikbetten in unbegrenzter Zahl zur Verfügung stehen. Meine Gesundheit liegt ein Stück in meinen Händen, und nicht allein bei ÄrztInnen sowie Medikamenten. Diese Haltung würde uns auch bei den vielen Volkskrankheiten wie Diabetes Typ 2 oder den koronaren Herzerkrankungen helfen.

Eigenverantwortung bedeutet auch, dass ich mich bei der politischen Willensbildung einbringen muss und das nicht allein über Wahlen. Die Möglichkeit der Bürgerforen oder Entscheidungsgremien besetzt durch Losverfahren werden hin und wieder diskutiert, erfordern aber von der Politik, freiwillig auf ein Stück Macht zu verzichten; eine Kombination, die in unserer Kulturgeschichte bisher selten vorgekommen ist. Wer also könnte diese Veränderung befördern? Die Medien haben sich in den Fallstricken der Politik und den Selbstverpflichtungen verfangen oder rennen den vermeintlichen Aufregern im Netz hinterher. Viele Institutionen sind Teil des Systems und deshalb ähnlich wie die Parteien nur bedingt an grundsätzlichen Änderungen interessiert. Es bleibt also nur jeder einzelne von uns, der sich mit den Fragen der Zeit auseinandersetzen muss, um dann als ungeführte Masse vielleicht den Stein ins Rollen bringen zu können.

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Der erste Schnee

Der erste Schnee

Jetzt ist er auch bei uns angekommen: der erste Schnee in diesem Winter. Es reicht zwar noch nicht zum Langlaufen, aber beim morgendlichen Hundespaziergang war es auch schon um halb sieben ausreichend hell. Denn das Weiß reflektierte das verbliebene Mondlicht. Offensichtlich hatten die Tiere beschlossen, angesichts des Wetters lieber auszuschlafen, denn wir waren die ersten, die ihre Spuren im Schnee hinterlassen konnten. Auch sonst war alles still und wie in Watte gepackt. Kein Wunder bei den Temperaturen von minus fünf Grad und minus sieben bis acht die letzten zehn Nächte. Der Boden ist steinhart gefroren, was den Schafen wenig auszumachen scheint. Sie liegen noch immer nachts am liebsten draußen. Nur zum Fressen geht es in den Stall, wenn wir ausreichend Heu nachgelegt haben und hoffentlich wenn die Lämmer kommen. Denn vor allem Aiko sieht so aus, also ob bald Zwillinge herausplumpsen werden.

Zeit die Panels freizuschieben

Der Schnee hat auch die Solarpanels zugedeckt. Aber die lange Sonnenperiode davor hat unsere Batterie gut aufgeladen. Ich denke, ich kann auf das warme Wetter warten, das morgen angeblich den Schnee schon wieder zum Schmelzen bringen soll. Es werden noch genügend Gelegenheiten kommen, den Schnee von den Solarpanelen zu schieben. Angesichts der eiskalten Temperaturen in den vergangenen Nächten und Tageshöchstwerten von null Grad muss ich eher schon wieder Holz hacken. Denn wir kommen mit dem Einheizen im Haus kaum hinterher.

Das Praktikum in der psychsomatischen Klinik ist Ende November zu Ende gegangen. Es war sehr angenehm mit den KollegInnen dort, und ich habe extrem viel mitnehmen dürfen. Das hat meine Entscheidung gefestigt, es mit der Psychotherapie als mögliches zweites Standbein einmal zu versuchen: praxisimwald.de

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Achtung Meinung

Achtung Meinung

Demokratie erfordert Diskussion

Eine Bundeskanzlerin, die in ihrem früheren Leben Naturwissenschaftlerin war, bringt gewisse Eigenschaften mit, die für die Analyse und die nüchterne Bewertung von Fakten von Vorteil sind. So hat Angela Merkel Deutschland einigermaßen glimpflich durch die erste Corona-Welle gesteuert. Jetzt nach einem dreiviertel Jahr der Krise und der rollenden zweiten Welle hilft die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Modellrechnungen und Kausalitäten, die das  komplexe Zusammenspiel der menschlichen Psyche außer Acht lassen, nicht weiter. Jetzt ist auch vielleicht sogar vor allem Empathie gefragt. Diese emotionale Fähigkeit aber fehlt aus meiner Sicht vielen der derzeit aktiven PolitikerInnen; genauso wie Freude an Unterhaltung, Ablenkung, Spaß und Kultur in ihren vielfältigen Ausprägungen, möchte man fast meinen. Anders ist es nicht zu verstehen, warum welche Branchen für den zweiten Lockdown light ausgewählt worden sind.

An-Hedonismus und fehlende Empathie

Ein Hygiene-Konzept für eine Disko oder ein Popkonzert zu erstellen, ist sicher nicht einfach, aber möglich, wie einige Wissenschaftler nachgewiesen haben. Auf Abstand bei den Zuschauenden einer Theateraufführung oder eines klassischen Konzerts zu achten, ist hingegen nicht kompliziert, weil die potenziellen Besucherinnen und Besucher still auf ihrem Platz sitzen und sogar eine Maske tragen könnten. Warum so eine Veranstaltung gefährlicher sein sollte, als mit der U-Bahn oder dem Bus in die Arbeit zu fahren, leuchtet mir nicht ein. Auch die Hotels und Gaststätten hatten mit viel Aufwand und Kosten Hygienekonzepte umgesetzt, die wissenschaftlichen Standards entsprechen und größtmögliche Sicherheit bieten. Warum das auf einmal nicht mehr gelten soll, ist nicht nachvollziehbar, es sei denn, man muss davon ausgehen, dass die PolitikerInnen wenig Freude an einem gemütlichen Beisammensein haben, sofern sie nicht ihre Stammtisch-Parolen dort an den Mann respektive Frau bringen können.

Recht auf Privatsphäre

Ich halte das Argument für stichhaltig, dass sich das soziale Leben ins Private verlagert, wenn die öffentlichen und gesellschaftlichen Räume dafür geschlossen werden. Im Privaten kann und darf es aber keine staatlichen Kontrollen geben, das schreibt schon das Grundgesetz vor. Der Staat greift ohnehin nicht erst seit der Pandemie immer tiefer in die Freiheitsrechte seiner Bürgerinnen und Bürger ein. Wenn einzelne Politiker aktuell eine Überprüfung der Wohnungen hinsichtlich der Einhaltung der Versammlungsverordnung fordern, empfinde ich das als einen Angriff auf unsere freiheitliche Grundordnung. Die vermeintlich einschränkende Bemerkung eines Ministerpräsidenten, man werde nicht im Privaten kontrollieren, aber die Polizei werde aktiv, wenn sie Hinweise aus der Bevölkerung erhalte, dass die Regeln nicht eingehalten werden, stimmt mich keineswegs zuversichtlicher.

Langfristige Strategie notwendig

Was ich grundsätzlich vermisse, ist die Diskussion über eine längerfristige Strategie im Umgang mit dem Sars-Cov2-Virus. Immerhin gibt es in der Wissenschaftsgemeinde mittlerweile unterschiedliche Ansätze, wie man der Pandemie und der Gefahr durch Covid19 begegnen soll. Macht es mehr Sinn, die Risikogruppe zu schützen oder allgemein die Verbreitung innerhalb der Bevölkerung zu verhindern? Es ist schade, dass sich die Politik bisher nicht getraut hat, andere Ansätze wie das in Schweden praktizierte Modell offen zu diskutieren. Das Parlament wäre dafür sicher ein geeigneter Ort. Unabhängig von der persönlichen Überzeugung der Regierenden gehört es zu ihrer Aufgabe, denen, die sie gewählt haben, zu vermitteln, wie die Pandemie in den Griff zu bekommen ist oder, wenn das nicht möglich ist, wie wir damit zu leben lernen können. Denn es ist ja nicht die erste und einzige Krankheit, die die Menschen mit dem Tode bedroht und nicht ‚ausgerottet‘ werden kann. Der Hinweis auf einen möglichen Impfstoff greift mir zu kurz. Erstens wissen wir nicht, ob einer der Impfstoffe in Erprobung die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann; zweitens wissen wir nicht, ob dadurch eine langfristige Immunisierung möglich ist oder ähnlich einer Grippeimpfung dieser relative Schutz regelmäßig wiederholt werden muss.

Leben lernen mit Sars-CoV2

Geld allein löst all diese Probleme nicht. Ganz im Gegenteil: die aufgenommenen Schulden fördern nur den Generationenkonflikt. Denn die, die diese Schulden einmal zurückzahlen müssen, sind genau diejenigen, die sich ihrer Vergnügungen, ihres sozialen Lebens aber auch ihrer Zukunftsaussichten durch die Beschränkungen im Rahmen des Lockdowns beraubt sehen.

Tägliches Entscheiden über Leben und Tod

Noch ein Wort zu dem Argument, dass dieser Lockdown light notwendig ist, weil wir die ärztliche Versorgung sonst nicht sicherstellen können. Das Gesundheitssystem in Deutschland hat seine Leistungsfähigkeit während der ersten Welle bewiesen. Die Schwachstelle liegt weniger in der Ausrüstung und Technik oder den fehlenden Mitteln, sondern bei der mangelnden Attraktivität der Pflegeberufe. Mit wohlfeilem Applaus und weiteren Regulierungen kann man daran kaum etwas ändern. Auch die Anhebung der Löhne ist zwar wichtig, erreicht aber oft die Mitarbeitenden nicht, da zumindest in der Altenpflege der Grad der gewerkschaftlichen Organisation und damit flächendeckender Tarifverträge gering ist. Auch hier bedarf es einer langfristigen Strategie. Was mich an dem Argument, es dürfe nicht an der Krankenhaustür über Leben und Tod entschieden werden, ein wenig stört, ist die Scheinheiligkeit, die ich dabei empfinde. Denn letztlich entscheiden wir mit unserem Handeln tagtäglich über Leben und Tod, nur bekommen wir es in der Regel nicht mit. Je nach dem in welchem Kontext oder ordnungspolitischen Rahmen ich mich bewege, kann ich meine Verantwortung gegenüber dem Leben bzw. Sterben von anderen ausblenden. Wir haben zwar ein deutlich besseres Krankenkassensystem als in vielen anderen Ländern, aber auch bei uns besteht eine Zwei-Klassen-Medizin, die für manchen Patienten der gesetzlichen Krankenkassen den Tod bedeuten kann, während ein ähnlich gelagerten Fall mit privater Absicherung durchaus noch behandelt vielleicht sogar geheilt wird. Wenn ich meinen Blick auf Deutschland fokussiere, obwohl wir uns ja meist als glühende Europäer geben, akzeptiere ich den Tod durch Covid19 bei unseren Nachbarn Frankreich, Tschechien oder in Spanien und Italien. Die komplexe Kausalitätskette der fehlenden Touristen in beliebten Reiseländern, an dessen Ende Hunger und Tod stehen dürften, will ich gar nicht erst aufdröseln. Aber in diesem Fall ist das Ereignis weit genug von uns weg, solange die Betroffenen nicht als Flüchtlinge ihren Weg nach Europa suchen.

Auch in der Krise lebt die Demokratie von Diskussion und unterschiedlichen Meinungen

Dieser kleine Aufriss zeigt, wie schwierig die Lage ist. Einfache Lösungen gibt es nicht, das ist mir klar, aber das enthebt einem nicht der Verantwortung genau darüber zu diskutieren, streiten und um die richtigen Antworten zu ringen.

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Bestandsaufnahme

Bestandsaufnahme

Spätsommer in der zweiten Septemberhälfte

Wettermäßig sind das noch ein paar geschenkte Spätsommertage. Tagsüber steigt das Thermometer dank der wärmenden Sonnenstrahlen auf über 20 Grad, während sich nachts bei sternenklarem Himmel (und nur einer ganz schmalen Mondsichel) der erste Rauhreif bildet. Ab Mitte nächster Woche soll es damit vorbei sein und nasskalter Herbst das Wetter bestimmen. Dann werden die Pflanzen endgültig das Wachstum einstellen. Schon jetzt geht das bei dem verbliebenen Gemüse nur noch in Zeitlupe vonstatten. Die richtige Zeit also für eine Bestandsaufnahme der Tiere und Pflanzen auf unserer kleinen Farm und natürlich hinsichtlich unserer eigenen Ideen und Vorstellungen.

Vier Schafe und ein Lamm hatte der Schafscherer vor zwei Wochen unter seinem elektrischen Rasiermesser. Ein bisschen Fell ist wieder nachgewachsen, und so liegen die Tiere während der Nachmittagssonne am liebsten im Schatten unter dem Wagen. Dieses Jahr hat das häufige Umstellen des Weidezauns über unsere Wiesen hinweg sehr gut geklappt. Die Lämmer und Schafböcke hatten am Ende ordentlich etwas auf den Rippen, so dass Jackson und wir schweren Herzens mit der Fleischausbeute zufrieden sein können. Eine letzte Runde bis zur kleinen Ohe und zurück zum Schafstall müsste sich vor dem ersten Schnee noch ausgehen – wenn es denn dieses Jahr überhaupt einen Winter gibt. Das Heu reicht auf jeden Fall, ungeachtet ob die Schafe ein oder zwei Lämmer gebären werden. Vielleicht hat es Patrick ja auch nicht geschafft, die Damen zu begatten. Wir werden es im Dezember wissen. Seitdem die Fünf unter sich sind, ist auf jeden Fall eine entspannte Ruhe eingekehrt, die nur ab und an von wilden Bocksprüngen der Jüngeren unterbrochen wird.

Das ist auf jeden Fall ein Hahn

Unsere Hühnerschar zählt mittlerweile nur noch fünf inklusive eines Hahns. Denn der Fuchs nutzte vor kurzem die Gelegenheit, als Jackson im Haus war, um sich eines der Küken zu schnappen, während er reisaus nahm. Denn ich war ums Haus gelaufen und konnte gerade noch verhindern, dass er sich die alte, gesperberte Henne schnappt. Das junge Huhn war wohl leicht genung, um es auf der Flucht mit davon zu tragen. Jetzt werden wir niemals herausfinden, ob es sich bei dem Küken um einen Hahn oder eine Henne gehandelt hätte. Bei den verbliebenen drei Küken sind wir uns mittlerweile sicher, dass es ein Hahn und zwei Hennen sind, die sich seit dem Fuchs-Erlebnis eng mit den Alten zusammengeschlossen haben. Und auch die verbliebenen zwei alten Hennen scheinen nichts mehr gegen den Nachwuchs zu haben. Cookie, unsere braune Henne, lief schon einige Tage etwas langsamer durch die Gegend. Dann setzte sie sich eines Abends in die Legekiste, wo wir sie am nächsten Morgen in der Totenstarre fanden.

Jackson würde den Fuchs lieber jagen als nur verbellen

Jackson muss jetzt wieder häufiger am Schafstall Wache schieben. Denn dort war der Fuchs aus dem Wald gekommen. Meist ist ihm der Platz nach der Mittagsrunde zu langweilig und er wartet sehnsüchtg auf den nächsten Spaziergang. Dann kann er noch ein bisschen vor dem Haus liegen und in den Wald blicken, ehe es auf sein Kissen im Wohnzimmer geht. Ihm ist es auch zu warm (und der Schafscherer hat sich seiner Wolle nicht erbarmt;-) Umso mehr genießt Jackson den morgendlichen Spaziergang kurz vor Sonnenaufgang in der Kälte, den ich an den letzten beiden Tagen nur mit Mütze und Handschuhe absolvieren konnte.

Haru hingegen weiß gut mit Wärme und Kälte umzugehen. Um die kleine Farm möglichst für sich zu haben, wird sie erst abends aktiv, wenn Hühner und Jackson im Haus sind. Bis dahin macht sie es sich auf dem Schaffell unter dem Fenster in der Scheune gemütlich. Ich gebe zu, wir haben den grünen Sessel bewusst dorthin geschoben. Haru dankt es uns auf ihre Weise. Dieses Jahr hat sich noch keine Maus blicken lassen, was allerdings auch daran liegen könnte, das 2020 (das Jahr der Maus) einfach kein Mausejahr ist. Denn auch draußen auf den Wegen sieht man selten einen Mauskadaver. Unsere Fledermaus hat bisher (und hoffentlich auch weiterhin) die Angriffe von Haru abwehren können.

Chinakohl und letzte Anzucht im Gewächshaus

Ich glaube, ich habe keines unserer Tiere vergessen – sieht man einmal von Schmetterlingen, Hummeln, Fliegen, einigen, wenigen Wespen, Mücken und Vögeln ab. Die Kohlweißlingsraupen haben den Chinakohlpflanzen arg zugesetzt, aber zwei sind im Gewächshaus am Ende doch noch ordentlich groß geworden, nachdem ich händisch die Raupen hinausbefördert habe. Die Tomaten fangen hingegen jetzt erst an zu reifen ebenso wie die Paprika. Viel ist da nicht zu holen. Alles andere hat reichlich zur Versorgung beigetragen oder tut das noch immer. Topinambur hat nicht nur eine schöne Blüte, sondern schmeckt auch richtig gut. Es hat also am Ende ganz gut geklappt mit dem Gemüseanbau. Aber drei Felder sind zu viel – vor allem wenn ich wieder arbeiten gehen werde. Der aus den Heukartoffeln vor vier Jahren entstandene Acker (ein viel zu großes Wort für die Wiese, die sich trotz meiner gegensätzlichen Bemühungen immer wieder durchgesetzt hat) wird wieder aufgelöst. Hier kann wachsen, was will. Der Haselnussstrauch allerdings muss jetzt doch ein wenig gestutzt werden, auch wenn er dieses Jahr reichlich Früchte trägt.

Neben dem Gemüse sind auch die Blumen ums Haus zahlreicher geworden. Noch blüht es an einigen Stellen gelb, während sich die Astern mit ihrem blau-lila etwas Zeit lassen. Diese kleinen dichten Blüten dürften der letzte Gruß des Herbstes sein. Höchste Zeit das Holz weiterzuverarbeiten, damit wir unsere Räume ordentlich heizen können. Die Stämme aus dem letzten Jahr sind gut getrocknet und ich bin nicht traurig, dass bisher von den enervierenden Waldarbeiten in der Randzone des Nationalparks nichts für uns abgefallen ist. Das war und ist eine nette Herausforderung, die ich aber nicht jedes Jahr voll ausleben muss. Ebenso wenig wie den Gemüseanbau. Gerade in der biologisch-natürlichen Art und Weise hat das seinen Reiz, ist aber für mich nicht erfüllend genug, um allein damit meine Zeit verbringen zu wollen. Folglich bin ich ganz froh, derzeit durch mein Praktikum in der psychosomatischen Klinik wieder mit einem anderen Leben konfrontiert zu sein.

Ich hatte eingangs von den wettermäßig geschenkten Tagen geschrieben. Denn bezogen auf die politische und gesundheitliche Lage würde ich die Tage nicht unbedingt als geschenkt bezeichnen. Ich habe am 26. September und 14. Oktober zwei Tests zu absolvieren (wieder müsste ich eigentlich schreiben, denn einmal wurde die Klausur bereits wegen der Pandemie abgesagt). Angesichts der steigenden Infektionszahlen, die eigentlich niemanden überraschen dürften, wächst meine Sorge, dass ich diese Prüfungen nicht ablegen darf. Das motiviert nicht gerade zum Lernen. Im Vergleich zu vielen anderen, vor allem Selbstständigen, geht es mir vergleichsweise gut, aber die Ungewissheit zerrt an den Nerven. Deutschland ist bisher gut durch die Pandemie gekommen sicher auch dank der Maßnahmen (die dankenswerterweise auch weitgehend eingehalten wurden) und dem guten Gesundheitssystem. Mittlerweile haben sich zumindest die öffentlich-rechtlichen Medien auch von ihrem hysterischen Ton in der Berichterstattung verabschiedet und vergleichen die Lage bei uns mit der in anderen Ländern, was durchaus beruhigen kann. Aber von der Politik fehlt mir noch immer der Ausblick, die Strategie im Umgang mit Sars Cov 2. Wir werden mit dem Virus leben müssen, so viel ist klar, wenn diese Tatsache auch nur ungern laut ausgesprochen wird. Deshalb müsssen wir einen „normaleren“ Umgang mit Covid entwickeln. Die Todesrate in Deutschland (übrigens auch in Indien) ist nicht allzu viel höher als bei einer schweren Grippe. Ob sich das Virus ähnlich schnell verändern wird wie eine Grippe und damit die Impfung erschwert, ist zum jetztigen Zeitpunkt ebensowenig klar wie all die vielen Wechselwirkungen, die Covid auslösen kann. Dafür braucht es mehr Erfahrungen, die leider auch mit Krankheit und Tod einher gehen. Das ist aber bei vielen Krankheiten so – und sollte deshalb kein Grund für Angst und Panik sein. Beide Empfindungen werden ebenso wie Misstrauen und Wut geschürt, wenn man nicht über mögliche Zukunftsszenarien diskutiert. Wenn wir Glück haben, bringt uns ein Impfstoff noch in diesem Jahr ein echtes Heilmitteln wie bei den Masern. Damit wäre die Bedrohung durch Sars Cov 2 gebannt. Wenn wir nicht so viel Glück haben, hilft die Impfung ebenso viel oder wenig wie bei einer Grippe, weil das Virus schnell mutiert. Für beide Möglichkeiten sollten wir eine Antwort haben. Zeit zum Nachdenken hatten wir eigentlich genug.

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Herbstanfang

Herbstanfang

Kurze Regenpause

Es ist zwar erst der 30. August und damit noch zwei Tage hin bis zum meteorologischen Herbstanfang, aber das Wetter stimmt einen schon auf die nächste Jahreszeit ein. Die Temperaturen ändern sich von der Nacht zum Tag kaum und liegen bei 13 Grad. Die meiste Zeit ist es dunkel und wolkenverhangen mit heftigen Regengüssen. Die Wärme des Sommers war bereits durch die sehr kalten, da klaren Nächte mit fünf bzw. sechs Grad aus dem Haus entschwunden. Noch reichen die elektrisch betriebenen Radiatoren, um es an einigen Stellen ausreichend warm zu bekommen. Und noch reicht dafür die Kapazität der Batterie, die über viele Wochen einen Ladezustand von 100 Prozent angezeigt hat. Jetzt geht es wieder los mit den Überlegungen, welcher Stromverbrauch unbedingt von Nöten ist angesichts unserer Abhängigkeit von der Solaranlage.

Unser Jagdhund – gerade erst eine Maus erwischt und sieht so aus als wäre nichts

Die Ernte fiel trotz der Wühlmaus und den zahlreichen Regentagen am Ende überraschend gut aus. Die Kartoffelsäcke und -kisten sind gefüllt. Allerdings hat der Drahtwurm kaum eine Knolle unversehrt gelassen, so dass die Lagerfähigkeit unserer schmackhaften Kartoffeln leider eingeschränkt ist. Erbsen und Bohnen entschieden sich angesichts des kühlen und nassen Sommers erst spät reichlich Früchte zu tragen und die eine Kühltruhe ist gut gefüllt. Dabei steht heute der Abschied von weiteren vier Schafen (zwei Lämmer und zwei Böcke) an. Der Metzger fährt heute Abend vor und die Schafe sind nach ihrer Rasen-Tour rund ums Haus wieder am Schafstall angekommen. Der Abschied fällt uns wie üblich schwer. Patrick und Buddy hatten noch einmal ein schöne Zeit und haben voraussichtlich ihre Aufgabe zum zweiten Mal erfüllt. Wir haben uns vorgenommen, dass es das jetzt erst einmal mit der Nachzucht gewesen sein soll. D.h. einmal noch Lämmer, dann bleibt es bei der kleinen Schafherde. Wir werden uns nach der kurzen Trauerphase über Lammhackfleisch und Lammbraten vor allem im Winter freuen. Jackson bekommt seine Schafsfleisch-Ernährung ausgezeichnet, und es scheint ihm auch besonders gut zu schmecken. Auf diese Weise ist immerhin alles gut genutzt.

Der Herbst bringt auch sonst Veränderungen mit sich. Ich werde für drei Monate ein Praktium in der psychosomatischen Klinik in Freyung absolvieren. Das ist im Rahmen meines Psychologie-Studiums empfohlen und es gibt mir eine gute Möglichkeit tiefer in die Materie einzutauchen, die mich die letzten anderthalb Jahre begleitet hat. Dann steht am Ende noch die Bachelor-Arbeit aus, um auch dieses Kapitel abzuschließen. Mal sehen, was sich bis dahin beim BR so getan hat…

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Reisen trotz Corona

Reisen trotz Corona

Meine Einstellung zum Thema „Reisen“ war bis zum Frühjahr dieses Jahres ambivalent. Nach der vorübergehenden Schließung der Grenzen (zum zweiten Mal nach der sogenannten Flüchtlingskrise) kann ich aber das Reisen über Grenzen hinweg uneingeschränkt begrüßen, auch wenn die Mobilität zur Umweltverschmutzung beiträgt. Es ist gerade innerhalb Europas so wichtig zu erleben, dass die oft zufällig und von Männern gemachten Grenzen nichts Unüberwindliches haben, dass das Leben auf der anderen Seite genauso schön oder noch schöner sein kann, dass egal in welcher Sprache jemand spricht, wir alle Menschen sind, und dass der Wunsch, einem Lebensgefühl nachzugehen, Energie und Zuversicht freisetzen kann.

Die Cinque Terre sind dafür ein gutes Beispiel. Vielleicht wegen der Corona-Krise sind es vor allem jüngere Menschen, die es dorthin zieht: Italiener ebenso wie Deutsche, Schweizer, Franzosen, Holländer, Dänen und Engländer. Sie alle wollen die Küstenlinie und die pittoresken Dörfer erkunden, im Meer schwimmen und die Wärme genießen. Die Internationaliät ist akzeptiert, gewollt und durch den wirtschaftlichen Nutzen auch sehr willkommen. Welchen Schaden das Corona-Virus angerichtet hat bei den Menschen, die in nahen oder fernen Ländern vom Tourismus leben, werden wir erst in ein paar Monaten in seinem ganzen Ausmaß feststellen können. Angesichts der kargen Monate kann man sich als Tourist im Moment an einer großen Zuvorkommenheit erfreuen – so erging es mir zumindest in La Spezia und den Cinque Terre.

Den Norden Italiens hat die Covid-19-Pandemie den veröffentlichten Zahlen zufolge am schlimmsten getroffen. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Statistiken aber immer nur einen Teil abbilden und die Einzelschicksale komplett außer Acht lassen. Angeblich sind viel mehr Menschen mit dem Virus in Berührung gekommen, ohne Symptome zu zeigen, als angenommen. Das würde die hohen Todeszahlen ebenfalls relativieren. In La Spezia gehören die Masken auch ein halbes Jahr danach noch immer zum Alltag. Aber man kann wieder einen Espresso trinken, am Strand liegen, im Restaurant essen oder am Hafen entlang bummeln. Dieses Lebensgeühl ist nicht nur für die Touristen anziehend sondern für die Einheimischen essentiell. Das quirrlige Gewusel setzt Energie frei, die zur Lebensfreude und Zuversicht der jungen Menschen beiträgt, die sich für ihre Reise genau dieses Ziel ausgesucht haben.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass es mir in La Spezia und den Cinque Terre auch deshalb so gut gefallen hat, weil es zwar voll aber im Vergleich zu normalen Sommermonaten verhältnismäßig angenehm war, was die Touristendichte angeht. Die Kreuzfahrtschiffe sind noch in Zwangspause und so dümpelte lediglich ein allein von der Besatzung bevölkertes Schiff im Hafen anstatt der vielen Dampfer, die sonst für einen Tag ihre Heerscharen in die Innenstadt einfallen lassen. Viele Einwohner haben sich aber auf diese Kundschaft eingestellt und leben davon. In diesen Sommermonaten blieben viele Lokale deshalb halbleer trotz der jungen Besucher. Immerhin konnten so die geforderten Abstandregeln eingehalten werden.

Noch ein paar Gedanken zum Sars-CoV-2, das bekanntlich vor keinen Grenzen Halt macht und offensichtlich auch die geschlossenen Grenzen einer Insel wie Neuseeland im gekühlten Laderaum überwinden kann. Vielleicht wäre es an der Zeit, etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit diesem Virus an den Tag zu legen.

Covid-19 ist nicht die Pest

Covid-19 mag bei manchen Menschen schlimmer verlaufen als eine Grippe, hat zum Glück aber nicht die Pandemie-Qualitäten wie die Pest. Die Fortschritte bei der Herstellung eines Impfstoffes sind deutlich (ob man Russland mit seiner Sputnik-2-Ankündigung nun glauben mag oder nicht) und unser Gesundheitssystem ist fern vom Zusammenbrechen. Schwieriger ist, dass trotz der versprochenen Testkapazitäten viele Menschen noch immer lange auf ihr Testergebnis warten müssen und damit wertvolle Zeit verloren geht, wenn es um die Verfolgung des Übetragungsweges geht. Auch die Gesundheitsämter haben längst nicht die personellen Kapapzitäten zur Verfügung, die nötig wären, um die vollmundigen Ankündigungen der Politik im wirklichen Leben umsetzen zu können.

Vollmundige Ankündigungen der Politik

Ganz zu schweigen von den sogenannten System-relevanten Personen an der Kasse oder in der Pflege, die weder Lohnerhöhungen noch sicherere Arbeitsplätze noch gesellschaftliche Anerkennung erfahren, nachdem die erste Welle abgeebbt ist. Auch hier hat die Politik zwar eine Menge Maßnahmen in Aussicht und sicher auch einige Regeln auf-gestellt, die in der Praxis aber kaum Wirkung zeigen. Die Schere in der Gesellschaft zwischen arm und reich geht weiter auseinander. Schlimmer noch: die Kluft zwischen den politischen Korrektheitsvorstellung, die sich zum Teil im Gesetzgebungsprozess niederschlagen, und der Lebenswirklichkeit der Menschen wird immer tiefer.

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