Autor: PKujath

geboren 1972, seit 1995 Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, von 2007 bis 2013 ARD Hörfunkkorrespondent für Ostasien mit Sitz in Tokio, seit August 2014 langsamer Rückzug in den Bayerischen Wald
Achtung Meinung

Achtung Meinung

Demokratie erfordert Diskussion

Eine Bundeskanzlerin, die in ihrem früheren Leben Naturwissenschaftlerin war, bringt gewisse Eigenschaften mit, die für die Analyse und die nüchterne Bewertung von Fakten von Vorteil sind. So hat Angela Merkel Deutschland einigermaßen glimpflich durch die erste Corona-Welle gesteuert. Jetzt nach einem dreiviertel Jahr der Krise und der rollenden zweiten Welle hilft die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Modellrechnungen und Kausalitäten, die das  komplexe Zusammenspiel der menschlichen Psyche außer Acht lassen, nicht weiter. Jetzt ist auch vielleicht sogar vor allem Empathie gefragt. Diese emotionale Fähigkeit aber fehlt aus meiner Sicht vielen der derzeit aktiven PolitikerInnen; genauso wie Freude an Unterhaltung, Ablenkung, Spaß und Kultur in ihren vielfältigen Ausprägungen, möchte man fast meinen. Anders ist es nicht zu verstehen, warum welche Branchen für den zweiten Lockdown light ausgewählt worden sind.

An-Hedonismus und fehlende Empathie

Ein Hygiene-Konzept für eine Disko oder ein Popkonzert zu erstellen, ist sicher nicht einfach, aber möglich, wie einige Wissenschaftler nachgewiesen haben. Auf Abstand bei den Zuschauenden einer Theateraufführung oder eines klassischen Konzerts zu achten, ist hingegen nicht kompliziert, weil die potenziellen Besucherinnen und Besucher still auf ihrem Platz sitzen und sogar eine Maske tragen könnten. Warum so eine Veranstaltung gefährlicher sein sollte, als mit der U-Bahn oder dem Bus in die Arbeit zu fahren, leuchtet mir nicht ein. Auch die Hotels und Gaststätten hatten mit viel Aufwand und Kosten Hygienekonzepte umgesetzt, die wissenschaftlichen Standards entsprechen und größtmögliche Sicherheit bieten. Warum das auf einmal nicht mehr gelten soll, ist nicht nachvollziehbar, es sei denn, man muss davon ausgehen, dass die PolitikerInnen wenig Freude an einem gemütlichen Beisammensein haben, sofern sie nicht ihre Stammtisch-Parolen dort an den Mann respektive Frau bringen können.

Recht auf Privatsphäre

Ich halte das Argument für stichhaltig, dass sich das soziale Leben ins Private verlagert, wenn die öffentlichen und gesellschaftlichen Räume dafür geschlossen werden. Im Privaten kann und darf es aber keine staatlichen Kontrollen geben, das schreibt schon das Grundgesetz vor. Der Staat greift ohnehin nicht erst seit der Pandemie immer tiefer in die Freiheitsrechte seiner Bürgerinnen und Bürger ein. Wenn einzelne Politiker aktuell eine Überprüfung der Wohnungen hinsichtlich der Einhaltung der Versammlungsverordnung fordern, empfinde ich das als einen Angriff auf unsere freiheitliche Grundordnung. Die vermeintlich einschränkende Bemerkung eines Ministerpräsidenten, man werde nicht im Privaten kontrollieren, aber die Polizei werde aktiv, wenn sie Hinweise aus der Bevölkerung erhalte, dass die Regeln nicht eingehalten werden, stimmt mich keineswegs zuversichtlicher.

Langfristige Strategie notwendig

Was ich grundsätzlich vermisse, ist die Diskussion über eine längerfristige Strategie im Umgang mit dem Sars-Cov2-Virus. Immerhin gibt es in der Wissenschaftsgemeinde mittlerweile unterschiedliche Ansätze, wie man der Pandemie und der Gefahr durch Covid19 begegnen soll. Macht es mehr Sinn, die Risikogruppe zu schützen oder allgemein die Verbreitung innerhalb der Bevölkerung zu verhindern? Es ist schade, dass sich die Politik bisher nicht getraut hat, andere Ansätze wie das in Schweden praktizierte Modell offen zu diskutieren. Das Parlament wäre dafür sicher ein geeigneter Ort. Unabhängig von der persönlichen Überzeugung der Regierenden gehört es zu ihrer Aufgabe, denen, die sie gewählt haben, zu vermitteln, wie die Pandemie in den Griff zu bekommen ist oder, wenn das nicht möglich ist, wie wir damit zu leben lernen können. Denn es ist ja nicht die erste und einzige Krankheit, die die Menschen mit dem Tode bedroht und nicht ‚ausgerottet‘ werden kann. Der Hinweis auf einen möglichen Impfstoff greift mir zu kurz. Erstens wissen wir nicht, ob einer der Impfstoffe in Erprobung die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann; zweitens wissen wir nicht, ob dadurch eine langfristige Immunisierung möglich ist oder ähnlich einer Grippeimpfung dieser relative Schutz regelmäßig wiederholt werden muss.

Leben lernen mit Sars-CoV2

Geld allein löst all diese Probleme nicht. Ganz im Gegenteil: die aufgenommenen Schulden fördern nur den Generationenkonflikt. Denn die, die diese Schulden einmal zurückzahlen müssen, sind genau diejenigen, die sich ihrer Vergnügungen, ihres sozialen Lebens aber auch ihrer Zukunftsaussichten durch die Beschränkungen im Rahmen des Lockdowns beraubt sehen.

Tägliches Entscheiden über Leben und Tod

Noch ein Wort zu dem Argument, dass dieser Lockdown light notwendig ist, weil wir die ärztliche Versorgung sonst nicht sicherstellen können. Das Gesundheitssystem in Deutschland hat seine Leistungsfähigkeit während der ersten Welle bewiesen. Die Schwachstelle liegt weniger in der Ausrüstung und Technik oder den fehlenden Mitteln, sondern bei der mangelnden Attraktivität der Pflegeberufe. Mit wohlfeilem Applaus und weiteren Regulierungen kann man daran kaum etwas ändern. Auch die Anhebung der Löhne ist zwar wichtig, erreicht aber oft die Mitarbeitenden nicht, da zumindest in der Altenpflege der Grad der gewerkschaftlichen Organisation und damit flächendeckender Tarifverträge gering ist. Auch hier bedarf es einer langfristigen Strategie. Was mich an dem Argument, es dürfe nicht an der Krankenhaustür über Leben und Tod entschieden werden, ein wenig stört, ist die Scheinheiligkeit, die ich dabei empfinde. Denn letztlich entscheiden wir mit unserem Handeln tagtäglich über Leben und Tod, nur bekommen wir es in der Regel nicht mit. Je nach dem in welchem Kontext oder ordnungspolitischen Rahmen ich mich bewege, kann ich meine Verantwortung gegenüber dem Leben bzw. Sterben von anderen ausblenden. Wir haben zwar ein deutlich besseres Krankenkassensystem als in vielen anderen Ländern, aber auch bei uns besteht eine Zwei-Klassen-Medizin, die für manchen Patienten der gesetzlichen Krankenkassen den Tod bedeuten kann, während ein ähnlich gelagerten Fall mit privater Absicherung durchaus noch behandelt vielleicht sogar geheilt wird. Wenn ich meinen Blick auf Deutschland fokussiere, obwohl wir uns ja meist als glühende Europäer geben, akzeptiere ich den Tod durch Covid19 bei unseren Nachbarn Frankreich, Tschechien oder in Spanien und Italien. Die komplexe Kausalitätskette der fehlenden Touristen in beliebten Reiseländern, an dessen Ende Hunger und Tod stehen dürften, will ich gar nicht erst aufdröseln. Aber in diesem Fall ist das Ereignis weit genug von uns weg, solange die Betroffenen nicht als Flüchtlinge ihren Weg nach Europa suchen.

Auch in der Krise lebt die Demokratie von Diskussion und unterschiedlichen Meinungen

Dieser kleine Aufriss zeigt, wie schwierig die Lage ist. Einfache Lösungen gibt es nicht, das ist mir klar, aber das enthebt einem nicht der Verantwortung genau darüber zu diskutieren, streiten und um die richtigen Antworten zu ringen.

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Bestandsaufnahme

Bestandsaufnahme

Spätsommer in der zweiten Septemberhälfte

Wettermäßig sind das noch ein paar geschenkte Spätsommertage. Tagsüber steigt das Thermometer dank der wärmenden Sonnenstrahlen auf über 20 Grad, während sich nachts bei sternenklarem Himmel (und nur einer ganz schmalen Mondsichel) der erste Rauhreif bildet. Ab Mitte nächster Woche soll es damit vorbei sein und nasskalter Herbst das Wetter bestimmen. Dann werden die Pflanzen endgültig das Wachstum einstellen. Schon jetzt geht das bei dem verbliebenen Gemüse nur noch in Zeitlupe vonstatten. Die richtige Zeit also für eine Bestandsaufnahme der Tiere und Pflanzen auf unserer kleinen Farm und natürlich hinsichtlich unserer eigenen Ideen und Vorstellungen.

Vier Schafe und ein Lamm hatte der Schafscherer vor zwei Wochen unter seinem elektrischen Rasiermesser. Ein bisschen Fell ist wieder nachgewachsen, und so liegen die Tiere während der Nachmittagssonne am liebsten im Schatten unter dem Wagen. Dieses Jahr hat das häufige Umstellen des Weidezauns über unsere Wiesen hinweg sehr gut geklappt. Die Lämmer und Schafböcke hatten am Ende ordentlich etwas auf den Rippen, so dass Jackson und wir schweren Herzens mit der Fleischausbeute zufrieden sein können. Eine letzte Runde bis zur kleinen Ohe und zurück zum Schafstall müsste sich vor dem ersten Schnee noch ausgehen – wenn es denn dieses Jahr überhaupt einen Winter gibt. Das Heu reicht auf jeden Fall, ungeachtet ob die Schafe ein oder zwei Lämmer gebären werden. Vielleicht hat es Patrick ja auch nicht geschafft, die Damen zu begatten. Wir werden es im Dezember wissen. Seitdem die Fünf unter sich sind, ist auf jeden Fall eine entspannte Ruhe eingekehrt, die nur ab und an von wilden Bocksprüngen der Jüngeren unterbrochen wird.

Das ist auf jeden Fall ein Hahn

Unsere Hühnerschar zählt mittlerweile nur noch fünf inklusive eines Hahns. Denn der Fuchs nutzte vor kurzem die Gelegenheit, als Jackson im Haus war, um sich eines der Küken zu schnappen, während er reisaus nahm. Denn ich war ums Haus gelaufen und konnte gerade noch verhindern, dass er sich die alte, gesperberte Henne schnappt. Das junge Huhn war wohl leicht genung, um es auf der Flucht mit davon zu tragen. Jetzt werden wir niemals herausfinden, ob es sich bei dem Küken um einen Hahn oder eine Henne gehandelt hätte. Bei den verbliebenen drei Küken sind wir uns mittlerweile sicher, dass es ein Hahn und zwei Hennen sind, die sich seit dem Fuchs-Erlebnis eng mit den Alten zusammengeschlossen haben. Und auch die verbliebenen zwei alten Hennen scheinen nichts mehr gegen den Nachwuchs zu haben. Cookie, unsere braune Henne, lief schon einige Tage etwas langsamer durch die Gegend. Dann setzte sie sich eines Abends in die Legekiste, wo wir sie am nächsten Morgen in der Totenstarre fanden.

Jackson würde den Fuchs lieber jagen als nur verbellen

Jackson muss jetzt wieder häufiger am Schafstall Wache schieben. Denn dort war der Fuchs aus dem Wald gekommen. Meist ist ihm der Platz nach der Mittagsrunde zu langweilig und er wartet sehnsüchtg auf den nächsten Spaziergang. Dann kann er noch ein bisschen vor dem Haus liegen und in den Wald blicken, ehe es auf sein Kissen im Wohnzimmer geht. Ihm ist es auch zu warm (und der Schafscherer hat sich seiner Wolle nicht erbarmt;-) Umso mehr genießt Jackson den morgendlichen Spaziergang kurz vor Sonnenaufgang in der Kälte, den ich an den letzten beiden Tagen nur mit Mütze und Handschuhe absolvieren konnte.

Haru hingegen weiß gut mit Wärme und Kälte umzugehen. Um die kleine Farm möglichst für sich zu haben, wird sie erst abends aktiv, wenn Hühner und Jackson im Haus sind. Bis dahin macht sie es sich auf dem Schaffell unter dem Fenster in der Scheune gemütlich. Ich gebe zu, wir haben den grünen Sessel bewusst dorthin geschoben. Haru dankt es uns auf ihre Weise. Dieses Jahr hat sich noch keine Maus blicken lassen, was allerdings auch daran liegen könnte, das 2020 (das Jahr der Maus) einfach kein Mausejahr ist. Denn auch draußen auf den Wegen sieht man selten einen Mauskadaver. Unsere Fledermaus hat bisher (und hoffentlich auch weiterhin) die Angriffe von Haru abwehren können.

Chinakohl und letzte Anzucht im Gewächshaus

Ich glaube, ich habe keines unserer Tiere vergessen – sieht man einmal von Schmetterlingen, Hummeln, Fliegen, einigen, wenigen Wespen, Mücken und Vögeln ab. Die Kohlweißlingsraupen haben den Chinakohlpflanzen arg zugesetzt, aber zwei sind im Gewächshaus am Ende doch noch ordentlich groß geworden, nachdem ich händisch die Raupen hinausbefördert habe. Die Tomaten fangen hingegen jetzt erst an zu reifen ebenso wie die Paprika. Viel ist da nicht zu holen. Alles andere hat reichlich zur Versorgung beigetragen oder tut das noch immer. Topinambur hat nicht nur eine schöne Blüte, sondern schmeckt auch richtig gut. Es hat also am Ende ganz gut geklappt mit dem Gemüseanbau. Aber drei Felder sind zu viel – vor allem wenn ich wieder arbeiten gehen werde. Der aus den Heukartoffeln vor vier Jahren entstandene Acker (ein viel zu großes Wort für die Wiese, die sich trotz meiner gegensätzlichen Bemühungen immer wieder durchgesetzt hat) wird wieder aufgelöst. Hier kann wachsen, was will. Der Haselnussstrauch allerdings muss jetzt doch ein wenig gestutzt werden, auch wenn er dieses Jahr reichlich Früchte trägt.

Neben dem Gemüse sind auch die Blumen ums Haus zahlreicher geworden. Noch blüht es an einigen Stellen gelb, während sich die Astern mit ihrem blau-lila etwas Zeit lassen. Diese kleinen dichten Blüten dürften der letzte Gruß des Herbstes sein. Höchste Zeit das Holz weiterzuverarbeiten, damit wir unsere Räume ordentlich heizen können. Die Stämme aus dem letzten Jahr sind gut getrocknet und ich bin nicht traurig, dass bisher von den enervierenden Waldarbeiten in der Randzone des Nationalparks nichts für uns abgefallen ist. Das war und ist eine nette Herausforderung, die ich aber nicht jedes Jahr voll ausleben muss. Ebenso wenig wie den Gemüseanbau. Gerade in der biologisch-natürlichen Art und Weise hat das seinen Reiz, ist aber für mich nicht erfüllend genug, um allein damit meine Zeit verbringen zu wollen. Folglich bin ich ganz froh, derzeit durch mein Praktikum in der psychosomatischen Klinik wieder mit einem anderen Leben konfrontiert zu sein.

Ich hatte eingangs von den wettermäßig geschenkten Tagen geschrieben. Denn bezogen auf die politische und gesundheitliche Lage würde ich die Tage nicht unbedingt als geschenkt bezeichnen. Ich habe am 26. September und 14. Oktober zwei Tests zu absolvieren (wieder müsste ich eigentlich schreiben, denn einmal wurde die Klausur bereits wegen der Pandemie abgesagt). Angesichts der steigenden Infektionszahlen, die eigentlich niemanden überraschen dürften, wächst meine Sorge, dass ich diese Prüfungen nicht ablegen darf. Das motiviert nicht gerade zum Lernen. Im Vergleich zu vielen anderen, vor allem Selbstständigen, geht es mir vergleichsweise gut, aber die Ungewissheit zerrt an den Nerven. Deutschland ist bisher gut durch die Pandemie gekommen sicher auch dank der Maßnahmen (die dankenswerterweise auch weitgehend eingehalten wurden) und dem guten Gesundheitssystem. Mittlerweile haben sich zumindest die öffentlich-rechtlichen Medien auch von ihrem hysterischen Ton in der Berichterstattung verabschiedet und vergleichen die Lage bei uns mit der in anderen Ländern, was durchaus beruhigen kann. Aber von der Politik fehlt mir noch immer der Ausblick, die Strategie im Umgang mit Sars Cov 2. Wir werden mit dem Virus leben müssen, so viel ist klar, wenn diese Tatsache auch nur ungern laut ausgesprochen wird. Deshalb müsssen wir einen „normaleren“ Umgang mit Covid entwickeln. Die Todesrate in Deutschland (übrigens auch in Indien) ist nicht allzu viel höher als bei einer schweren Grippe. Ob sich das Virus ähnlich schnell verändern wird wie eine Grippe und damit die Impfung erschwert, ist zum jetztigen Zeitpunkt ebensowenig klar wie all die vielen Wechselwirkungen, die Covid auslösen kann. Dafür braucht es mehr Erfahrungen, die leider auch mit Krankheit und Tod einher gehen. Das ist aber bei vielen Krankheiten so – und sollte deshalb kein Grund für Angst und Panik sein. Beide Empfindungen werden ebenso wie Misstrauen und Wut geschürt, wenn man nicht über mögliche Zukunftsszenarien diskutiert. Wenn wir Glück haben, bringt uns ein Impfstoff noch in diesem Jahr ein echtes Heilmitteln wie bei den Masern. Damit wäre die Bedrohung durch Sars Cov 2 gebannt. Wenn wir nicht so viel Glück haben, hilft die Impfung ebenso viel oder wenig wie bei einer Grippe, weil das Virus schnell mutiert. Für beide Möglichkeiten sollten wir eine Antwort haben. Zeit zum Nachdenken hatten wir eigentlich genug.

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Herbstanfang

Herbstanfang

Kurze Regenpause

Es ist zwar erst der 30. August und damit noch zwei Tage hin bis zum meteorologischen Herbstanfang, aber das Wetter stimmt einen schon auf die nächste Jahreszeit ein. Die Temperaturen ändern sich von der Nacht zum Tag kaum und liegen bei 13 Grad. Die meiste Zeit ist es dunkel und wolkenverhangen mit heftigen Regengüssen. Die Wärme des Sommers war bereits durch die sehr kalten, da klaren Nächte mit fünf bzw. sechs Grad aus dem Haus entschwunden. Noch reichen die elektrisch betriebenen Radiatoren, um es an einigen Stellen ausreichend warm zu bekommen. Und noch reicht dafür die Kapazität der Batterie, die über viele Wochen einen Ladezustand von 100 Prozent angezeigt hat. Jetzt geht es wieder los mit den Überlegungen, welcher Stromverbrauch unbedingt von Nöten ist angesichts unserer Abhängigkeit von der Solaranlage.

Unser Jagdhund – gerade erst eine Maus erwischt und sieht so aus als wäre nichts

Die Ernte fiel trotz der Wühlmaus und den zahlreichen Regentagen am Ende überraschend gut aus. Die Kartoffelsäcke und -kisten sind gefüllt. Allerdings hat der Drahtwurm kaum eine Knolle unversehrt gelassen, so dass die Lagerfähigkeit unserer schmackhaften Kartoffeln leider eingeschränkt ist. Erbsen und Bohnen entschieden sich angesichts des kühlen und nassen Sommers erst spät reichlich Früchte zu tragen und die eine Kühltruhe ist gut gefüllt. Dabei steht heute der Abschied von weiteren vier Schafen (zwei Lämmer und zwei Böcke) an. Der Metzger fährt heute Abend vor und die Schafe sind nach ihrer Rasen-Tour rund ums Haus wieder am Schafstall angekommen. Der Abschied fällt uns wie üblich schwer. Patrick und Buddy hatten noch einmal ein schöne Zeit und haben voraussichtlich ihre Aufgabe zum zweiten Mal erfüllt. Wir haben uns vorgenommen, dass es das jetzt erst einmal mit der Nachzucht gewesen sein soll. D.h. einmal noch Lämmer, dann bleibt es bei der kleinen Schafherde. Wir werden uns nach der kurzen Trauerphase über Lammhackfleisch und Lammbraten vor allem im Winter freuen. Jackson bekommt seine Schafsfleisch-Ernährung ausgezeichnet, und es scheint ihm auch besonders gut zu schmecken. Auf diese Weise ist immerhin alles gut genutzt.

Der Herbst bringt auch sonst Veränderungen mit sich. Ich werde für drei Monate ein Praktium in der psychosomatischen Klinik in Freyung absolvieren. Das ist im Rahmen meines Psychologie-Studiums empfohlen und es gibt mir eine gute Möglichkeit tiefer in die Materie einzutauchen, die mich die letzten anderthalb Jahre begleitet hat. Dann steht am Ende noch die Bachelor-Arbeit aus, um auch dieses Kapitel abzuschließen. Mal sehen, was sich bis dahin beim BR so getan hat…

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Reisen trotz Corona

Reisen trotz Corona

Meine Einstellung zum Thema „Reisen“ war bis zum Frühjahr dieses Jahres ambivalent. Nach der vorübergehenden Schließung der Grenzen (zum zweiten Mal nach der sogenannten Flüchtlingskrise) kann ich aber das Reisen über Grenzen hinweg uneingeschränkt begrüßen, auch wenn die Mobilität zur Umweltverschmutzung beiträgt. Es ist gerade innerhalb Europas so wichtig zu erleben, dass die oft zufällig und von Männern gemachten Grenzen nichts Unüberwindliches haben, dass das Leben auf der anderen Seite genauso schön oder noch schöner sein kann, dass egal in welcher Sprache jemand spricht, wir alle Menschen sind, und dass der Wunsch, einem Lebensgefühl nachzugehen, Energie und Zuversicht freisetzen kann.

Die Cinque Terre sind dafür ein gutes Beispiel. Vielleicht wegen der Corona-Krise sind es vor allem jüngere Menschen, die es dorthin zieht: Italiener ebenso wie Deutsche, Schweizer, Franzosen, Holländer, Dänen und Engländer. Sie alle wollen die Küstenlinie und die pittoresken Dörfer erkunden, im Meer schwimmen und die Wärme genießen. Die Internationaliät ist akzeptiert, gewollt und durch den wirtschaftlichen Nutzen auch sehr willkommen. Welchen Schaden das Corona-Virus angerichtet hat bei den Menschen, die in nahen oder fernen Ländern vom Tourismus leben, werden wir erst in ein paar Monaten in seinem ganzen Ausmaß feststellen können. Angesichts der kargen Monate kann man sich als Tourist im Moment an einer großen Zuvorkommenheit erfreuen – so erging es mir zumindest in La Spezia und den Cinque Terre.

Den Norden Italiens hat die Covid-19-Pandemie den veröffentlichten Zahlen zufolge am schlimmsten getroffen. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Statistiken aber immer nur einen Teil abbilden und die Einzelschicksale komplett außer Acht lassen. Angeblich sind viel mehr Menschen mit dem Virus in Berührung gekommen, ohne Symptome zu zeigen, als angenommen. Das würde die hohen Todeszahlen ebenfalls relativieren. In La Spezia gehören die Masken auch ein halbes Jahr danach noch immer zum Alltag. Aber man kann wieder einen Espresso trinken, am Strand liegen, im Restaurant essen oder am Hafen entlang bummeln. Dieses Lebensgeühl ist nicht nur für die Touristen anziehend sondern für die Einheimischen essentiell. Das quirrlige Gewusel setzt Energie frei, die zur Lebensfreude und Zuversicht der jungen Menschen beiträgt, die sich für ihre Reise genau dieses Ziel ausgesucht haben.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass es mir in La Spezia und den Cinque Terre auch deshalb so gut gefallen hat, weil es zwar voll aber im Vergleich zu normalen Sommermonaten verhältnismäßig angenehm war, was die Touristendichte angeht. Die Kreuzfahrtschiffe sind noch in Zwangspause und so dümpelte lediglich ein allein von der Besatzung bevölkertes Schiff im Hafen anstatt der vielen Dampfer, die sonst für einen Tag ihre Heerscharen in die Innenstadt einfallen lassen. Viele Einwohner haben sich aber auf diese Kundschaft eingestellt und leben davon. In diesen Sommermonaten blieben viele Lokale deshalb halbleer trotz der jungen Besucher. Immerhin konnten so die geforderten Abstandregeln eingehalten werden.

Noch ein paar Gedanken zum Sars-CoV-2, das bekanntlich vor keinen Grenzen Halt macht und offensichtlich auch die geschlossenen Grenzen einer Insel wie Neuseeland im gekühlten Laderaum überwinden kann. Vielleicht wäre es an der Zeit, etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit diesem Virus an den Tag zu legen.

Covid-19 ist nicht die Pest

Covid-19 mag bei manchen Menschen schlimmer verlaufen als eine Grippe, hat zum Glück aber nicht die Pandemie-Qualitäten wie die Pest. Die Fortschritte bei der Herstellung eines Impfstoffes sind deutlich (ob man Russland mit seiner Sputnik-2-Ankündigung nun glauben mag oder nicht) und unser Gesundheitssystem ist fern vom Zusammenbrechen. Schwieriger ist, dass trotz der versprochenen Testkapazitäten viele Menschen noch immer lange auf ihr Testergebnis warten müssen und damit wertvolle Zeit verloren geht, wenn es um die Verfolgung des Übetragungsweges geht. Auch die Gesundheitsämter haben längst nicht die personellen Kapapzitäten zur Verfügung, die nötig wären, um die vollmundigen Ankündigungen der Politik im wirklichen Leben umsetzen zu können.

Vollmundige Ankündigungen der Politik

Ganz zu schweigen von den sogenannten System-relevanten Personen an der Kasse oder in der Pflege, die weder Lohnerhöhungen noch sicherere Arbeitsplätze noch gesellschaftliche Anerkennung erfahren, nachdem die erste Welle abgeebbt ist. Auch hier hat die Politik zwar eine Menge Maßnahmen in Aussicht und sicher auch einige Regeln auf-gestellt, die in der Praxis aber kaum Wirkung zeigen. Die Schere in der Gesellschaft zwischen arm und reich geht weiter auseinander. Schlimmer noch: die Kluft zwischen den politischen Korrektheitsvorstellung, die sich zum Teil im Gesetzgebungsprozess niederschlagen, und der Lebenswirklichkeit der Menschen wird immer tiefer.

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Heuernte

Heuernte

Abendstimmung mit viel Heu

Die letzten beiden Juli-Tage waren dann doch noch von beständig schönem Wetter. Deshalb quillen Scheune und Schafstall auch über vor Heu. Der Ertrag von einer Wiese muss noch eingefahren werden, aber es sieht so aus als ob bei uns im Osten die Gewitter erst am Ende des ersten Augusttages ankommen werden. Die Reihen haben also noch Zeit zu trocknen. Die verbliebenen Grasflächen können die Schafe abweiden, ebenso wie die gemähten Flächen, die längst nicht so ordentlich von mir gemäht wurden, wie es hätte sein können. Was soll’s. Die Schafe freuen sich.

Die Sonne steht schon wieder tiefer. Die Sonnenwende liegt fast anderthalb Monate zurück. Deshalb erreichen ihre wärmenden und vor allem Wasser entziehenden Strahlen die Wiesen am Waldrand erst ab Mittag. Ich muss die Reihen dort also lange zum Trocknen liegen lassen. Es bleiben gerade einmal fünf Stunden volle Strahlung, ehe die Kraft der Sonne auch schon wieder nachlässt, obwohl das Licht noch bis abends um acht auf die Halme fällt. Immerhin wissen die Schafe den kühlen Schatten am Waldrand zu schätzen, – jetzt da das Thermometer tatsächlich einmal auch bei uns an die 30 Grad Marke heranreicht.

Auch die Wiese hinter dem Haus den Hügel hinauf ist abgemäht und lädt ein, barfuß über das kurzgeschnittene Gras zu wandern. Allerdings sind die Stümpfe der zahlreichen Diesteln durch den Kreiselmäher keineswegs unschädlich gemacht worden, so dass die Wanderung zum Mental-Training werden kann. Nach der langen, meditativen Arbeit des Heu-Rechens ist der Dornenweg allerdings leicht zu bewerkstelligen. Ich bin aber mehr als froh über den Ladewagen. Denn die Heuernte per Hand ist für mich zu anstrengende. Respekt denjenigen in früheren Zeiten, die das zu stemmen hatten. Das Gefühl, die wogenden Wiesen-Meere zurückgedrängt zu haben, bleibt aber auch in halb-handwerklicher Tätigkeit ein Schönes.

Morgen geht es weiter

Wenn Patrick, unser Schafsbock, seine Arbeit schon gemacht bzw. bis zum 30. August abgeschlossen hat, kann das geerntete Heu neben den voraussichtlich fünf verbleibenden Schafen auch wieder einige Lämmer ernähren. Schauen wir mal, wann und ob dieses Jahr Nachwuchs kommt. Der Hühner-Nachwuchs gedeiht und benimmt sich in Bezug auf das Fressen schon wie die alten Hennen. Wir wissen immer noch nicht, wie viele Hennen und Hähne uns der Zufall beschert hat, aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die männlichen Exemplare durch die ersten Kräh-Versuche zu erkennen geben werden.

Jackson würde mit den oftmals wild herumfliegenden Chicklingen so gerne auf seine Art spielen, aber sein ehemaliges Prison ist jetzt ein sicherer Hühner-Hort und die von ihm verschmähte Hundehütte beherbert über Nacht die vier kleinen Hühner, nachdem wir eine Schlafstange eingebaut haben. So erfüllt das Haus doch noch einen Zweck.

Die Entenküken haben übrigens nicht überlebt. Genauso wenig wie unser Hahn, dem wir allerdings eigenhändig seinem erfüllten Leben ein Ende gesetzt hatten. Am 30. August kommt dann auch wieder Biebl, unser ruhiger Landmetzger, und holt die restlichen Lämmer sowie unsere zwei Böcke. Bleibt noch die Ernte von Erbsen, Bohnen, Kohlrabi und den Kartoffeln im Boden, nachdem ich die Pflanzen bereits wegen der Kartoffelfäule entfernen musste. Dann ist der Sommer und wieder ein Jahreszyklus vorbei.

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Unbeständiges Wetter

Unbeständiges Wetter

Jackson schläft nach dem Morgenspaziergang noch eine Runde

Es ist Mitte Juli und von Sommer kann noch keine Rede sein. Gestern und heute hatte es gerade einmal fünf Grad, als ich gegen halb sieben die morgendliche Runde drehte. Da hilft nur eine Weste mit Kapuze. Unseren Waldschafen ist die Kälte mehr als willkommen, verschafft sie ihnen doch eine Pause im täglichen Kampf mit den Mücken und Bremsen. Den Wespen scheinen die Gegebenheiten dieses Jahr hingegen nicht zugutezukommen. Es gibt kaum Nester am Haus und nur wenige Tiere fliegen auf der Suche nach Nahrung an die Fenster.

Drei von vier Chicklingen

Die Chicklinge habe ihr Revier voll in Beschlag genommen. Die Hundehütte speichert genug Wärme, so dass wir sie trotz der Temperaturen draußen schlafen lassen können. Der Zaun hält den Fuchs ab und der Habicht oder Falke hat die Beute bisher noch nicht entdeckt. Noch passen die Küken durch die Gitterstäbe und so ist schon zweimal eines oberhalb des Maschendrahts nach draußen entwischt. Ich nehme an, es war auf jeden Fall ein Hahn. Ansonsten schwanken unsere Geschlechtsschätzungen zwischen 3 zu 1 respektive 1 zu 3 und hälftig Hennen bzw. Hähne. Noch ein paar Wochen dann werden uns die ersten Kräh-Versuche zeigen, wer wer ist.

Das wird wohl nicht trocknen

Bisher hatten wir nur an zwei Tagen über 25 Grad und kaum zwei Tage hintereinander ausschließlich Sonne. Deshalb ist das Heuen zum Glücksspiel mutiert. Die erste Wiese war zwar einigermaßen trocken. Dann hat es aber in der Nacht doch geregnet und am Ende mussten wir das Heu auf dem Zwischenboden des Schafstalls mühsam aufschütteln, um die Restfeuchte aus den Halmen zu bekommen. Die andere Wiese jenseits der Straße blieb für zwei Tage von Regen verschont, aber die trockene Hitze fehlte und der Schatten der Bäume angesichts der bereits wieder kürzer werdenden Tage verhindert, dass das Gras vollständig zu Heu werden konnte. Auch hier galt es, die Ladung in der Scheune noch einmal zu wenden. Ich denke aber, die Hilfsmaßnahmen waren erfolgreich und so haben wir immerhin schon ein bisschen Futter für den Winter ansammeln können.

Der Schafstall ist mittlerweile ausgemistet und bereit für die nächste Saison. Nachdem wir unsere beiden Böcke zurück aus dem Winterquartier geholt haben, tummeln sich wieder neun Schafe rund um den Wagen. Das sind definitiv zu viele. Also kommt wohl bald wieder unser Landmetzger. Wir sind vor allem über das Lammhackfleisch happy und Jackson frisst mit großer Begeisterung Schaf in jeder Variante. Damit schließt sich der Kreislauf. Bei Jackson bin ich mir immer noch nicht sicher, ob es sich bei ihm nicht doch um ein Schaf im Wolfspelz handelt. Denn wenn er sich nicht in die Enge gedrängt fühlt, nimmt er lieber Reißaus und hat noch immer vor vielen Dingen Angst. Ansonsten scheint er sich aber recht wohl zu fühlen.

Hausrotschwanz-Nachwuchs

Das gilt auch für die Entenmutter, die sich unseren Klärteich als Brut- und Aufzuchtstation ausgesucht hat. Es ist das erste Mal, dass sich geschützt vom hohen Gras rund um den Teich und dem schon etwas ramponierten Zaun bei uns niedergelassen hat. Zwei Küken schwammen auf einmal in der Mitte des Teichs. Life is going on. Das gilt auch für die Hausrotschwänze, die bereits zum zweiten Mal Junge aufziehen. Offentlich sind die Kleinen Nestflüchter, da sie mit ihrem breiten Schnabel und reichlich Flaum auf dem Holzstapel, dem Gewächshaus oder dem Zaum rund um das Gemüstebeet sitzen und sich füttern lassen. Wir haben das Gefühl, die Eltern werden immer knochiger.

Haru hat die Küken genau im Blick

Haru hat sich bisher bei den Küken zurückgehalten, Jackson würde so gerne mit ihnen spielen und scheint auch ein wenig eifersüchtig zu sein, nachdem sie in sein ehemaligen Gehege eingezogen sind. Aber seine Hundehütte wollte er ja nie benutzen. An einer langen Leine kann er hinter dem Haus oder am Schafstall Wache schieben. Der Fuchs war natürlich wieder da, als Jackson gerade woanders weilte. Allerdings stieben die Hühner so wild auseinander, dass er verwirrt und erfolglos zurückblieb. Da ich gerade auf dem Weg zum Kompost war, konnte ich die Szene zufällig beobachten. Es war sicher nicht der letzte Versuch des Fuchses.

Ein nachgewachsenes Blatt bei der Buche gegenüber unserem Haus

Das unbeständige Wetter bisher muss nicht als Zeichen gesehen werden, dass der Klimawandel ausfällt, aber es macht mir wieder deutlich, dass Durchschnittswerte und statistische Angaben keine Aussagekraft hinsichtlich des Einzelfalls haben. Da wir aber jeder in seiner eigenen aktuellen Welt leben, sind die großen Zahlen oft nicht mit dem persönlichen Erleben in Einklang zu bringen. Die „Wunden“, die Eisheiligen dieses Jahr hinterlassen haben, sind übrigens kaum verheilt. Oberhalb von Waldhäuser haben die Buchen nur vereinzelt leuchtend grüne Blättchen nachproduziert. Viele Äste tragen noch die braunen, vertrockneten Blättter. Wollen wir hoffen, dass die Bäume einfach nur ein Jahr aussetzen.

Unsere Ahornbäume direkt vor dem Haus und auf der Wiese hingegen haben einen Wachstumsschub hingelegt, wie noch in keinem Jahr zuvor. Vor allem der Bergahorn scheint endlich Wurzeln geschlagen zu haben. Seitdem wir ihn vor fünf Jahren als Sichtschutz für die überdimensionierten Leitplanken bei der Brücke gepflanzt haben, wurde er kleiner statt größer. Jetzt haben die frischen Äste die vertrockneten verschwinden lassen und bieten den Hausrotschwanz-Eltern einen günstigen Stützpunkt, um Insekten für den Nachwuchs heranzuschaffen. Die Kartoffelpflanzen zeigen sich ebenfalls von der vielen Feuchtigkeit begeistert und erreichen vor allem auf der ehemaligen Schafsmatte eine ungeahnte Höhe. Ein paar habe ich mir bereits aus dem Erdreich stipitzt, und sie schmeckten köstlich.

Vor dem Haus mussten wir erst drei Wühlmäuse unschädlich machen, ehe sich die Kartoffelpflanzen auch hier ungehindert entfalten können – ungehindert insofern als per Hand dem Unkraut seine Grenzen aufgezeigt werden müssen. Das gilt auch für den Boden rund um die Erbsen, Bohnen, Salalte, Karotten, Mangold, Kohlrabi, Topinambur und noch sehr zurückhaltend den Maispflänzchen. Mal sehen wer mit dem unbständigen Wetter wie zurechtkommen wird.

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Circle of Life

Circle of Life

Beim dritten Mal hat es geklappt. Nachdem unsere Eier trotz unseres stolzen Hahns offenbar nicht befruchtet sind, haben wir bei Bekannten Brutei-Anleihe genommen. Die ersten beiden Küken sind gestern im Brutapparat geschlüpft, Nummer 3 kam heute hinterher und es piepst noch immer laut und vernehmlich aus wenigstens einem weiteren Ei. Lautstärke und Schnäbelgröße lassen vermuten, dass es sich um Hähne handeln könnte. Das würde bedeuten, dass sich der Kreislauf des Lebens bald noch ein Stück weiter drehen muss.

Aber vielleicht sind es ja auch alles Hennen und wir haben ab Herbst noch mehr Eier. Denn unsere verbliebende Hühnerschar legt gerade fleißig. Den besonderen Geschmack der Eier können wir uns nur erklären mit ihrem Auslauf. Denn sie dürfen weiterhin ihre Kreise ums Haus und über die Wiesen ziehen. Das ergibt eine abwechslungsreiche Kost aus Grünzeug, Insekten und manchmal auch etwas Tierischem, das Haru übriggelassen hat.

Haru on the move

Während die braune und schwarze Henne brav in der Nähe des Hahns bleibt, geht die Gesperberte gerne ihrer eigenen Weg. Keiner der Hühner traute sich allerdings mehr in den Wald und ist beim ersten Anzeichen eines Raubvogels unter dem nächsten Busch. Folglich haben sie die letzten zwei Monate alle auch gut überstanden. Allerdings ist die Wachsamkeit des Hahns vor Fuchs, Marder oder Habicht manchmal schon etwas nervig. Denn sein ohrenbetäubender Warnschrei gellt schon beim leisesten Anzeichen einer möglichen Gefahr über die Bergerau. Gut, dass wir keine Nachbarn haben. Am Abend ist die kleine Schar dann rechtschaffen müde und gerne gemeinsam auf der Stange.

Die Küken können sich gleich an den Lärm gewöhnen. Denn sie haben ihr Quartier aus dem Brutapparat mit Hilfe einer Transportkiste in den neuen Hühnerstall unter der Wärme des Rotlichts bezogen. Getrennt sind sie tagsüber nur durch Gitter von der Außenwelt. Der Hahn bringt seine Damen zum Sandbaden gerne in die Ecke daneben und so kann zumindest schon Kommunikation stattfinden. Jackson haben wir vorsichtshalber hinter dem Fliegengitter im Wohnzimmer gelassen. Er ist zwar vorsichtig mit seinem Maul (wenn es sich nicht um einen Mann handelt und der von uns nicht entsprechend eingeführt wurde), aber so ein Küken wäre vielleicht doch ein willkommener Snack am Abend.

Jackson am Abend hinter dem Fliegengitter

Nach dem ausführlichen Regen ist es Zeit, die Schafe auch wieder die Wiese vor und hinter dem Haus abweiden zu lassen. Nur einen schmalen Streifen mähe ich selbst, damit wir ohne allzu nasse Füße am besten barfuß ums Haus gehen können. Für einen Tag war es eine echte Sommeridylle. Heute regnet es schon wieder. Das Wetter entspricht dami unserer Stimmung. Denn heute Abend kommt der Metzger.

Schafe im Schatten unter dem Wagen

Bei den gestrigen 25 Grad und strahlender Sonne haben sich die Schafe deshalb in den Schatten des Wagens zurückgezogen und träumen wiederkäuend vielleicht vom nächsten Winter. Den werden allerdings nicht alle erleben. Denn während die Küken schlüpfen, gehen einige der Lämmer (und auch ein älteres Schaf) den Weg allen Irdischen. Elf Tiere sind einfach zu viel und die Tiefkühltruhe ist leer. Außerdem fangen die beiden Böcke an, sich allzu sehr für die weiblichen Tiere zu interessieren. Also haben wir heute Vormittag die Bande zurück in den Schafstall gebracht und den jungen Tieren ihre Ohr- bzw. Schlachtmarken verpasst. Das geht wie beim Ohrlochstecken auch ganz ohne Blut und Schmerzen vonstatten (sofern man denn die richtige Stelle trifft – was, das sei vorausgeschickt, geklappt hat). Aber der Vorgang gepaart mit dem nahenden Abschied bleibt aufregend.

Ganz auf Gemüseanbau umzusatteln, ist für uns aber auch keine Alternative. So gut der Rhabarber oder Kohlrabi, die Radieschen, Salate und Karotten auch geschmeckt haben. Es ist eine mühsame Angelegenheit. Das Wetter diktiert den Ablauf. Dieses Jahr machten die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre. Erbsen und Bohnen war es im Feld beim Holzstapel bisher zu kalt und allein das Unkraut gedeiht prächtig. Über die Kartoffelpflanzen im Gemüsegarten hat sich die Wühlmaus schon wieder her gemacht. Gut, dass es mittlerweile einen weiteren Kartoffelacker oberhalb des Schafstalls gibt und im Gewächshaus der Drahtwurm die Zucchini nicht anrührt. Manchmal kann Gift ganz schön verführerisch sein. Oder aber man akzeptiert, dass die Ausbeute einfach deutlich unter den Möglichkeiten bleibt, übt sich in Gelassenheit und lässt einfach alle teilhaben. Ein lohnenswertes Ziel, aber noch ein weiter Weg.

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Das Erbe der Eisheiligen

Das Erbe der Eisheiligen

Nein, das ist kein Herbstbild vom Parkplatz Waldhausreibe unterhalb des Lusen. Die Eisheiligen sind zwar vorüber, aber ihre Hinterlassenschaften werden uns wohl noch eine zeitlang (wenn nicht den ganzen Sommer) erhalten bleiben. Während es bei uns im Tal in den Nächten der Eisheiligen mit einem Grad knapp oberhalb des Gefrierpunktes geblieben ist, erstarrte das Wasser in den jungen, frischen Buchentrieben ab 1100 Meter Höhe zu Eis. Ein paar Tage später sieht der Buchenwald unterhalb des Lusen-Gipfels aus wie im Herbst. Viele Buchen haben komplett ihr Laub an den Frost verloren. Bei anderen sind es nur einzelne Äste, deren Blätter braun geworden sind und sich zu Staub zerkrümmeln lassen. Manchmal sind auch nur die Spitzen der Buchenblättchen braun geworden und der Rest erinnert noch neongrün daran, wie es eigentlich aussehen müsste.

Der Weg von Waldhäuser zur Waldhausreibe ist zwar immer noch schön, aber es erinnert wenig an Frühling. Seitdem wir hier wohnen, hat es das schon ein-, zweimal gegeben, aber die Frostschäden waren lokal. Einige Bäume haben im Laufe des Sommers neue Blätter gebildet, andere mussten mit dem spärlichen Laub auskommen. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr angesichts der flächendeckenen Erfrierungen ausgehen wird.

Bei uns in der Bergerau beginnt hingegen so langsam das große Wachsen. Die Kartoffelpflanzen haben ihre Frostschäden von vor zwei Wochen überstanden und Blätter nachgeschossen. Allerdings ist es unterhalb der Rasenschicht noch immer viel zu trocken.

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Herdentrieb im Kleinen und Großen

Herdentrieb im Kleinen und Großen

Maßnahmen zu Covid19 – eine Glaubensfrage?

Ich halte nichts von Verschwörungstheorien, auch wenn sich die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus für deren Entwicklung hervorragend eignet. Aber der politische Umgang mit der Krise und die mannigfaltigen Informationen, die nur selektiv wahrgenommen werden (können), animieren zum Gedanken-Treiben-Lassen. Es ist interessant, dass das Prinzip des Herdentriebs nicht nur auf Menschen, sondern offensichtlich auch auf Staaten angewandt werden kann. Während wir Klopapier, Wein oder Kondome horteten, überboten sich die wiedererwachten Nationalstaaten mit ihren Ausgangsbeschränkungen und Verboten.

Wiedererwachte Nationalstaaten

Einer machte den Anfang (ich glaube, es war der österreichische Kanzler Kurz) und wie die Dominosteine fielen die anderen nacheinander um und verpassten ihrem Land eine ähnliche Abschottung und (Teil-)Schließung. Die, die sich wie die schwedische oder zu Beginn die niederländische Regierung dagegenstemmten, wurden argwöhnisch beäugt, und je weiter die Krise fortschritt, desto größer wurde der mediale und (im Sinn einer Staatengemeinschaft) öffentliche Druck, den Sonderweg zu beenden beziehungsweise als Irrweg zu verteufeln.

Frage der Alternative

Ich will damit nicht sagen, dass die Einschränkung des sozialen Lebens z.B. in Italien falsch gewesen ist. Angesichts der Situation des Gesundheitssystems dort musste gehandelt werden. Die ersten Erfolge im Kampf gegen die Pandemie lassen vermuten, dass die Maßnahmen etwas gebracht haben. Ob es auch anders gegangen wäre, wird sich – wenn überhaupt – erst später herausstellen.

Wie eine Herde bestärken sich die Nationalstaaten weltweit in ihrer Stampede. Nur durch äußere Faktoren kann so ein Galopp in seiner Richtung geändert oder zum Stehen gebracht werden. Aber die äußeren Faktoren sind abhängig vom Blickwinkel und Schwerpunkt, den man setzt. Wenn man einmal den Weg der Beschränkungen eingeschlagen hat, ist es schwer bis unmöglich, die Richtung zu wechseln. Denn dann müsste man eingestehen, dass die eingeforderten und von der Bevölkerung auch erbrachten Entbehrungen umsonst waren.

Öffnungsdiskussionsorgien sind nötig

In der Konsequenz sind die Regierungen auch wenig geneigt, zum jetzigen Zeitpunkt Diskussionen über Alternativen zuzulassen. So kann ich mir zumindest die merkwürdige Haltung der deutschen Bundeskanzlerin hinsichtlich der von ihr titulierten „Öffnungsdiskussionsorgien“ erklären. Da alle Parteien im Bundestag – warum auch immer – sich hinter den Corona-Krisen-Kurs der Regierung gestellt haben, kommt im Parlament keine echte Debatte über andere Krisen-Modelle zustande, wird medial kein ehrlicher Vergleich mit Ländern wie Schweden und ihrem Krisenmanagement gezogen. Da passt es ins Bild, dass über die KoCo2019-Studie in München seit dem Beginn nichts mehr zu lesen ist.

KoCo2019-Studie in München

Am 5. April startete die Befragung von 3000 Haushalten in den Münchner Stadtteilen, um unter anderem die Dunkelziffer der mit SARS-CoV-2 infizierten Menschen zu ermitteln. Auch wenn die Studie als Langzeitprojekt angelegt und angekündigt worden war (die Befragungen sollen in einem Jahr mehrfach wiederholt werden), sollten erste Erkenntnisse bereits nach zwei bis drei Wochen vorliegen. In der Pressemitteilung des verantwortlichen Tropeninstituts der LMU heißt es:

Die Ergebnisse der Studie werden regelmäßig in einem Beratungsgremium, bestehend aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Helmholtz Zentrum München diskutiert.

Pressemitteilung Tropeninstitut der LMU Stand 24.04.2020

Man ist versucht hinzuzufügen: und je nach Ergebnis der Öffentlichkeit mitgeteilt oder auch nicht. Denn, wenn erste Ergebnisse nicht ins Bild passen, ist es besser zu warten, um den eingeschlagenen Weg nicht in Frage zu stellen.

Die Angst vor einer falschen Entscheidung und der dadurch entfesselte Herdentrieb ist nachvollziehbar. Es geht nicht nur um Menschenleben, sondern auch um Millionen von Existenzen, die vernichtet oder zumindest ihrer Grundlage beraubt worden sind oder noch werden. Da will man als Politikerin oder Politiker keinen Fehler machen und schon gar keinen Fehler zugeben. Und von Fehlern zu sprechen, dafür ist es in der Tat noch viel zu früh.

Einordnung in 50 Jahren möglich

Was man hätte anders tun können, wird sich erst nach 50 Jahren herausstellen, wenn die HistorikerInnen all die Langzeitfolgen untersucht und diskutiert haben. Mich stört, die bewusste oder durch den Herdentrieb unbewusst verursachte Einengung der Perspektive verbunden mit dem Ausblenden von anderen Möglichkeiten und Hinweisen. Noch einmal: die getroffenen Maßnahmen haben für Deutschland ihre Wirksamkeit bewiesen: viele Intensivbetten sind leer, die Krankenhäuser auf einmal nicht mehr voll ausgelastet und die Rehabilitationskliniken müssen wie viele andere Unternehmen große Einkommensverluste verkraften und fordern staatliche Unterstützung.

Vergleich mit der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre

Auch hier gilt das Herdenprinzip in Kombination mit der Logik der Pendelbewegung. Viele erinnern sich an die im Nachhinein als kontraproduktiv ausgewiesenen Maßnahmen zur Behebung der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren. Deshalb versucht man dieses Mal der selbst herbeigeführten, weltweiten Wirtschaftskrise mit großen Hilfspaketen zu begegnen. Am Ende muss auch diese der Steuerzahlende begleichen. Wieder überbieten sich die erwachten Nationalstaaten mit ihren Maßnahmen, und es gelingt kaum ein abgestimmtes Vorgehen in einem multilateralen Organismus wie der EU zu vereinbaren. In 50 Jahren werden wir mehr wissen und uns gegebenenfalls wundern, warum man damals (heute) nur so kurzsichtig war.

Der richtige Umgang mit den Zahlen

Interessant ist, dass in der Krise die Macht der Zahlen noch einmal gewachsen ist. Dabei ist eine Null oder Eins nichts ohne den Zusammenhang. Jedes Medium präsentiert den neusten Stand der Infizierten und der Toten. Der monoton vorgetragenen Beipackzettel zu den Zahlen wird ausgeblendet, weil er ohnehin nur Verwirrung stiftet. Welche Zahl ist jetzt noch einmal entscheidend? Die Fallzahl oder die Reproduktionszahl? Und was ist mit der Übersterblichkeitsrate? Jeden Tag werden die Todeszahlen „in Verbindung mit Covid19“ – wie es mittlerweile heißt – vorgetragen, aber nicht eingeordnet. Denn wer weiß schon, wie viele Menschen täglich in Deutschland sterben, und ob die Covid19-Toten dazugezählt werden müssen oder bereits ein Teil davon sind.

Wie hoch ist die Sterblichkeit wirklich

Vielleicht ist die Gesamtzahl der Toten gar nicht viel höher als in den Monaten vor der Krise. Für Deutschland scheint das zumindest der Fall zu sein. Normalerweise sterben hierzulande auf Grund verschiedener Ursachen täglich rund 2.500 Menschen. Im März sind in NRW die täglichen Todeszahlen trotz des Corona-Ausbruchs in Heinsberg nicht angestiegen. Angeblich zeichnet sich auch für den April keine deutliche Erhöhung ab. Es könnte sein, dass viele der Menschen, die an Covid19 gestorben sind, unter normalen Umständen an einer anderen Krankheit gestorben wären. Vielleicht führen die Ausgangsbeschränkungen zu weniger Verkehrstoten oder tödlichen Arbeitsunfällen. All dies und noch vieles mehr muss bei der Interpretation von Statistiken berücksichtigt werden.

Die Macht der WissenschaftlerInnen

Dass uns noch viele wesentliche Daten fehlen, räumen auch die WissenschaftlerInnen ein, die (un)freiwillig einen Teil der Macht in diesem Land übernommen haben. Und das ist ein weiteres Problem. Denn die gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertreter repräsentieren zumindest ein breiteres Bild der Bevölkerung und haben verschiedene Interessen wie Sichtweisen. Die Epidemiologen und Virologen haben als Spezialisten naheliegenderweise den Fokus auf ihrem Fachgebiet. Die Politik hat die zugegebenermaßen schwierige Aufgabe, den Fokus zu öffnen und dabei nicht nur auf die effektivsten Lobby-Vertretenden zu hören. Denn Kinder oder Opfer von häuslicher Gewalt haben keine Lobbyisten in unmittelbarer Nähe zu den Schaltstellen der Macht.

Kommen wir noch einmal zurück zur Sterblichkeitsrate. Die kann nur seriös bestimmt werden, wenn ich die „wahre Zahl“ der Infizierten und nicht nur der positiv Getesteten kenne. Deshalb führt das Tropeninstitut der LMU ja auch die Studie in München durch. Die Standford-University in den USA hat sich ebenfalls bemüht, die tatsächliche Zahl der Infizierten zu bestimmen und über Facebook 3300 Teilnehmende im Landkreis Santa Clara in Kalifornien rekrutiert. Im Ergebnis der Untersuchung kamen die Wissenschaftler auf eine Sterblichkeitsrate von 0,12 bis 0,2 Prozent durch Covid19, was der einer Influenza-Welle entspräche.

Eine Studie für jeden Zweck

Wie bei vielen Studien, die unter Zeitdruck erstellt werden müssen, sind auch bei der Standford-Studie nicht alle wissenschaftlichen Gütekriterien eingehalten worden. Aber da das Ergebnis nicht zu den vom Herdentrieb ausgelösten Maßnahmen passt, wird dieses Manko besonders betont. Und damit wird der Umgang mit der Corona-Krise zu einer Glaubensfrage, die wir bewusst als solche akzeptieren sollten.

Bitte vergessen Sie die gerade in Glaubensfragen so wichtige Toleranz gegenüber Andersgläubigen nicht.

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Blattwachstum

Blattwachstum

Mittwoch 29. April nah

Nach zwei Wochen ist es genug der täglichen Bilder. Die Buchen haben ihre Blätter (und Blüten) wieder auch dank des Regens heute. Hurra!

Mittwoch, 15.4. Nach einer kalten Nacht mit minus sechs Grad am Morgen ist es gut, dass die Buchenblättchen sich noch nicht aus ihrer schützenden Hülle herausgewagt haben. An ein, zwei Stellen schimmert es allerdings schon zart grün.

Jenseits unseres Kältlochs in der Bergerau sind die Buchenblätter schon ein bisschen weiter. Bisher ist es in diesem Jahr ähnlich trocken wie im letzten Frühjahr. Dann wollen wir mal sehen, wann die Blättchen zu Blättern werden. Aufnahmen von 12 Uhr mittags mit Beginn am 15. April. Allerdings nicht ganz aus dem gleichen Blickwinkel, denn ich brauche mein Smartphone auch noch für andere Dinge;-)

Trotz Sonne sind die Veränderungen kaum auszumachen. Vielleicht geht es etwas schneller mit dem Wachstum, wenn es am Wochenende tatsächlich mehr als zwei Tropfen Regen geben sollte.

Es hat übrigens nur wenig geregnet am Samstag. Aber die Buchen haben mit ihren tiefen Wurzeln noch ausreichend Nahrung und das Nass reichte um den Staub der letzten Monaten wegzuwischen. Deshalb leuchten die zarten Triebe jetzt im reinen Hell-Grün. Jenseits unseres Kälte-Tals sind die Buchenblätter übrigens schon viel weiter. Und wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich diese Nahaufnahme als Blüte titulieren. Dabei sind es nur die eng zusammengepackten, haarigen Buchenblättchen.

Viel verändert hat sich in den letzten Tagen nicht, wenn ich mir die Reihe der Wochentage so anschaue. Es ist wohl einfach zu trocken, als dass es mit dem Wachstum rasch von statten gehen würde.

In der Nacht vom 23. auf den 24. April fiel das Thermometer noch einmal auf minus zwei Grad. Das Wasser im Eimer der Schafe auf der Weide war fest gefroren. Die Pflanzen haben es wohl alle überlebt, aber die Buchenblättchen wissen schon, warum sie sich so viel Zeit lassen. Die Äste oberhalb meiner Beobachtungsknospen sind übrigens schon weiter. Und die Bäume an den Hängen nach St. Oswald oder Waldhäuser sind auch schon alle neon-grün. Nur wir hier im Tal, in der Bergerau…

Blätter und tatsächlich eine Blüte

Die Tage vergehen, aber vom Wachstum der Blätter merkt man nur wenig. Immerhin ist die Blüte noch ein wenig größer geworden. Ich kann mich erinnern, dass es auch im letzten Jahr bis Anfang Mai gedauert hat, ehe die Blätter der Buchen ihre endgültige Größe erreicht hatten. Und geregnet hat es ja in diesem Jahr auch noch nicht viel. Also Geduld und weitere Bilder einstellen.

Es gibt wieder Pfützen!

Nach zwei Wochen hat es endlich geregnet (und es regnet immer noch). Das Wasser reicht zwar nicht, um dem Boden die notwendige Feuchte zurückzugeben, aber es hilft den Blättern der Buche, sich richtig zu öffnen. Nach zwei Wochen Beobachtungszeit ist es jetzt aber auch genug. Ich habe mal wieder Geduld gelernt und neben den Blätern auch auf die Blüten der Buche zu achten.

Jetzt gibt es wieder eine grüne Wand am Waldrand

Die Buchenblüten haben durch den Regen etwas gelitten. Aber es ist bald wieder Sonne angesagt… Unseren Schafen macht der Regen nicht viel aus. Die Wolle ist bei den Muttertieren schon wieder nachgewachsen und das Wollfett hält verlässlich die Nässe ab. Nur gegen die Gnitzen und Mücken haben die Schafe kein Rezept. Bisher brachten die kalten Nächte mit Minusgraden ein wenig Erholung, aber damit ist es wohl erst einmal vorbei.

Die Schafe haben sich übrigens nach dem Ende der Stallsaison von der Kleinen Ohe am einen Ende unseres Grundstücks, wo das Gras am schnellsten gewachsen ist, schon einmal zurück zum Haus gefressen. Jetzt geht es als nächstes in die Sumpflandschaft auf der anderen Seite.

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