Überwintern in Blackwood Castle

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Rund um unser kleines Waidlerhaus liegt mittlerweile eine Schneedecke, die noch recht dünn, aber dick genug ist, um alle Wiesen und Flächen ums Haus in Winterweiß zu tauchen.

Um so mehr glänzt der alte Hühnerstall mit seinen frisch lasierten, schwarzen Holzwänden. winterstall-von-aussen Das Weiß ums Haus wird uns eine Weile erhalten bleiben, denn der tiefe Sonnenstand, kühle Tage und frostige Nächte bringen da nicht viel zum Schmelzen.

Und so ist unser kleiner Hof nun auf Winterbetrieb eingestellt. Das heißt, z.B. jeden Morgen heißes Wasser in den Schafstall bringen, denn in sämtlichen Eimern ist das Trinkwasser morgens stets eingefroren. Für den alten Hühnerstall gilt das gleiche. Im mittlerweile renovierten, ehemalig getauften „Bröselstall“ allerdings lebt unsere zweite Hühnerschar recht komfortabel bei Temperaturen über 0 Grad.
Unsere Waldschafe sind warm angezogen, genießen die kalte, frische Luft und schlafen auch bei minus 10 Grad gerne draußen. Nasser Schneefall mit Wind könnte sie eventuell mal veranlassen, auf ihrer Heumatte indoors zu übernachten.


Auf unsere Schafe ist auch kein Verlass mehr. Gerade hatte ich den vorherigen Absatz geschrieben, da gehe ich raus, um ein paar aktuelle Fotos zu machen. Es ist Samstagvormittag, minus 10 Grad, und die Schafe liegen nach dem Heufrühstück zum Wiederkäuen und Chillen gemütlich IM Stall AUF ihrer Heumatte. Typisch. 

So, weiter im Text 😉

Die Hühner im alten Stall kennen die Kälte schon von letztem Winter, plustern sich auf, gehen früh zu Bett, stehen später auf und haushalten mit ihrer Energie.

Die Hühnerschar im Bröselstall ist, bis auf unsere Glucke, erst diesen Sommer bzw. Herbst aus dem Ei geschlüpft und sieht der kalten Jahreszeit unbedarft, aber durchaus skeptisch entgegen.


Unsere Glucke, ein wahres Bio-Allwetter-Huhn würde wildentschlossen durch jeden Schnee stapfen – Hauptsache frei und draußen. Alle anderen bleiben nun freiwillig und gerne drinnen. Und, frei nach Wowereit, das ist auch gut so. Denn zur Zeit herrscht in ganz Bayern und leider auch in unserem Landkreis Stallpflicht für alles Geflügel. Nur wenn wir die Ställe saubermachen, dürfen die beiden Hühnergruppen in den kleinen Winterauslauf. junghahn-louie-ganz-gross

Allerdings nicht gleichzeitig, denn Alt-Hahn Arnie und Jung-Hahn Louie stehen in Konkurrenz um unsere Biohenne. Da gilt es ein Zusammentreffen auf begrenztem Raum zu vermeiden.

Unser Hund bleibt dieser Tage auch bevorzugt drinnen. Nächsten April wird Hanabi 15 Jahre alt. In Hundejahren ungefähr 80. Da darf man seine Zeit im Winter schon mal überwiegend in eine warme Decke eingewickelt verbringen. Dass Hanabi dabei allerdings die Hälfte unseres neuen Küchensofas belagern würde, war so nicht geplant, aber durchaus erahnt. Und wenn nicht jetzt, wann dann dürfen wir unseren alten Wuffi so richtig von vorne bis hinten verwöhnen.

Natürlich wird beim nächsten Hund alles anders. Klar 😉

Auch wir sind vorbereitet für eventuell schneereiche, garantiert aber kalte Monate. Denn nun heißt es, stetig und überall im Haus heizen. Der Gastank ist gut gefüllt, ein Vorrat an Holzpellets vorhanden, ein zusätzlicher Vorrat an Feuerholz bestellt, der Heizöltank gefüllt und der Traktor, vorne mit Schneeschieber und hinten mit Schaufel ausgerüstet, wartet vollgetankt in der Garage auf seinen Einsatz.
Der Dieselgenerator wird diesen Winter wohl ziemlich viele Tankfüllungen verbrauchen. Schade. Wir haben eine neue Batterie und – wie üblich – wir hatten uns das alles ganz anders vorgestellt. Eine neue Batterie, juhu, erstens neu und zweitens mit mehr Kapazität, jippie. Wir würden mehr gespeicherten Strom zur Verfügung haben und den Generator nicht so oft anwerfen müssen. Pustekuchen. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ja, wir haben Strom. Immerhin. Das Wetter ist uns auch gewogen und relativ oft hat die Wintersonne so gut es ging ihren kleinen Beitrag geleistet.
Aber wir müssen wieder genauso vorsichtig den Stromverbrauch kalkulieren wie mit der alten, schwach gewordenen Batterie, denn die Kraft des Dieselgenerators lässt sich zur Zeit nur zu einem Bruchteil in die neue Batterie laden. Unser neuer Stromspeicher korrespondiert nicht so gut mit den anderen Komponenten unseres netzautarken Systems. Das Problem ist nicht leicht zu lösen. Aber wir, und das heißt vor allem Peter, bleiben dran und so ist es mal wieder null langweilig hier.

haustechnik

Apropos null langweilig 😉 Ab Januar darf man wieder jederzeit mit Nachwuchs bei den Schafen rechnen und so lautet einer unserer nächsten Blog-Beiträge vermutlich „Neues aus dem Lämmerstall“.

to be continued …

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Energieversorgung

…es half nichts – wir mussten die Batterie austauschen. Und so steht in der linken Garage eine neue Batterie fast im Wert des billigsten Kleinwagen daneben.

kleiner-traktor-kleines-auto-aber-in-der-kleinsten-garage-grosse-batterie
kleiner-traktor-kleines-auto-aber-in-der-kleinsten-garage-grosse-batterie

Die Kapazität der alten Batterie hatte stark nachgelassen und der Plus-Pol wölbte sich an einigen Modulen weit nach oben. Vor einem halben Jahr hatten wir uns im Internet auf die Suche gemacht nach einer Firma, die für unser zugegebenermaßen etwas ungewöhnliches Anliegen ein offenes Ohr hat. Normalerweise brauchen die Menschen, Firmen oder Krankenhäuser Batterien, um für den Notfall gerüstet zu sein. Wir brauchen die Batterie für den Regelfall und das bitte zuverlässig. Denn ansonsten sitzen wir in unserem Waidlerhaus in der Bergau im Dunkeln. Als dann ein netter Mitarbeiter einer Firma aus Nürnberg bei uns im Bayerischen Wald vorbei schaute, um die Lebensquelle für unsere Lampen, Fön, Waschmaschine, Kühlschrank etc. zu überprüfen, war leider klar, dass wir rund die Hälfte der Kapazität unserer alten Batterie verloren haben.

Alter, aber hilfreicher Dieselgenerator und die alte Batterie
Alter, aber hilfreicher Dieselgenerator und die alte Batterie

Die alte Panzerplatten-Batterie steht noch in der Garage, die mittlerweile eher eine Energie-Zentrale ist. Auch das alte Diesel-Aggregat, das uns aushilft, wenn die Sonne gerade in den Wintermonaten einmal nicht ausreichend scheint, hat hier seinen Platz.

Batterieraum
Batterieraum

Die neuen Batterie-Module sind zwar in einer Säure-resistenten Wanne aber ohne die schwere Ummantelung geliefert und aufgestellt worden. In zwei Reihen hintereinander und in leicht unterschiedlicher Höhe lässt sich die Menge an destilliertem Wasser besser ablesen – nachfüllen müssen wir noch immer alleine und in regelmäßigen Abständen. Gerade im Sommer sprudelte das Wasser angesichts der Energiemenge, die die Solarzellen vom Garagendach per Leitung in die Garage schickten, in der alten Batterie über, nahm einen Teil der Säure mit sich und entzog ihr so Lebensdauer. Wenn die Unterlagen stimmen, die uns der Vorbesitzer hinterlassen hat, dann hat die alte Batterie gerade einmal fünf Jahre gehalten. Angesichts des Preises von Batterien ist der angeblich kostenlose Sonnenstrom richtig teuer.

Energie-Verwaltungszentrum
Energie-Verwaltungszentrum

Alternativen haben wir in unserer Abgeschiedenheit allerdings keine. Ein Stromkabel durch den Nationalpark zu legen, wäre extrem teuer und wahrscheinlich ohnehin nicht gestattet. Bleibt also nur die Insellösung von erneuerbarer Energie und Unterstützung durch das stinkende Dieselaggregat. Die Insellösung baut aber auf einer leistungsfähigen Batterie auf. Leider sind wir noch weit weg von einem richtig guten Massenprodukt zur Energiespeicherung. Gabelstapler-Batterien sind die einzige Alternative, die bisher für uns in Frage kommen. Vielleicht wird das anders, wenn die Autofirmen irgendwann gezwungen sind, ihre Verbrennungsmotoren gegen einen Batterie-Antrieb einzutauschen. Von sich aus haben sie sicher kein Interesse in diese Alternative zu investieren und ihren längst amortisierten Verbrennungsmotor einzutauschen. Auch Batteriehersteller verkaufen lieber Wegwerf-Batterien, als mit guten wiederaufladbaren Batterien ihr Geschäftsmodell zu gefährde. Den Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn man verschiedene Akku-Geräte im Einsatz hat. Und auch für die Energieversorger dürfte es lukrativer sein, wenn die Kunden einfach Strom beziehen und bezahlen, aber alles andere den Energieversorgern überlassen. Wer selbst seine gewonnene Energie speichern kann, wird allzu unabhängig. Wie abhängig wir hier in unserer Alleinlage sind, ist uns in den letzten zwei Jahren deutlich geworden. Und was es alles zu lernen gibt – leider auch.

Aber zurück zu unserer Insellösung. Die Solarzellen auf unserem Dach liefern eigentlich ausreichend Energie, solange die Sonne hoch genug steht. Jetzt im Herbst funktioniert das nur noch bedingt. Die Ausbeute an Windkraft wäre in unserem Tal übrigens zu gering, um im Winter den Engpass auszugleichen. Bleibt als eine Möglichkeit nur, weitere Solarpanelen auf dem Dach so zu platzieren, dass die Herbst- und Wintersonne möglichst gut ausgenutzt werden kann – oder regelmäßig den Diesel anzuschmeißen. Um die Strahlen der Sonne, wenn sie denn scheint, möglichst gut auszunutzen, haben wir uns für eine etwas größere Batterie entschieden. Im Idealfall nutzen wir die Sonnentage so gut aus, dass wir länger durchhalten können, bevor wir den Dieselgenerator anschmeißen müssen, um den Verbrauch – vor allem der Waschmaschine – abzudecken und die Batterie wieder ein wenig aufladen zu können.

Kontroll-Instrument
Kontroll-Instrument

Nicht bedacht hatten wir, dass wir alle Geräte unserer kleinen Energiezentrale an die veränderten Parameter der Batterie anpassen müssen. Wir kennen uns zwar mittlerweile mit dem Kontrollinstrument aus und konnten die Einträge selbständig ändern…

...mit den entsprechenden Anzeigen
…mit den entsprechenden Anzeigen

…aber das reichte natürlich noch nicht. Nach einschlägiger Recherche im Internet war klar, dass wir auch dem Laderegler, Xtender xtm 4000-48, mitteilen müssten, welche Parameter unsere neue Batterie hat, um die volle Leistung nutzen zu können. Leider war auch bald klar, dass wir das nicht ohne ein entsprechendes Zusatzgerät und eigentlich auch nicht alleine machen können. Weitere Kosten, weitere Geduldsproben stehen an und die Erkenntnis, dass das mit dem Solarstrom zumindest in unserem Fall nicht ganz so einfach ist. Die Anfragen laufen, ob uns jemand den Xtender entsprechend einstellen kann. Angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen auf dem Land wünschen wir uns manchmal einfach nur eines unserer Schafe zu sein…

Schafsidyll
Schafsidyll

…oder besser doch nicht. Denn aus zehn mach sechs. Seit gut einer Woche stehen unsere Lamm-Böcke nicht mehr mit auf der Weide. Dafür ist unsere Tiefkühltruhe jetzt gut gefüllt.

Fertig!?

…ist man zwar nie, wenn man ein Häuschen, Tiere und etwas Land drum rum hat, aber irgendwie haben wir das Gefühl, jetzt wirklich unser Waidlerhaus am Rande der Bergerau in Besitz genommen zu haben.

Nachdem wir beinahe alles einmal angefasst, umgedreht, ausgetauscht, versetzt, umfunktioniert, geputzt, aufgeräumt oder eben angemalt haben, ist der Vorgang der Aneignung oder weniger kapitalistisch ausgedrückt des Freundschaft-Schließens abgeschlossen. Heimisch fühlen wir uns schon länger hier am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald. Die Freundlichkeit der angeblich so grumeligen Waidler hat viel dazu beigetragen; die Lage zwischen zwei Orten an der verbindenden Straße ohne direkte Nachbarn sicher auch.

Altes, neues Haus 4
Altes, neues Haus 4

Wir waren lange unschlüssig, was die Farbe anging und haben es ein Stück weit auch dem fachkundigen Rat des Maler-Teams überlassen. Es hat sich gelohnt – aus unserer Sicht und auch angesichts der bisherigen Rückmeldungen. Schwarze Schindeln, schwarz lasierte Holzverschalung (die je nach Lichtverhältnissen anthrazit wirkt) mit roten (Fenster-)Elementen sieht man nicht oft in der Gegend, aber es passt. Das Weiß der Front hin zur Straße ist ebenso geblieben wie rund um den Stall, so dass die Veränderung zwar spürbar aber auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu identifizieren ist. Und auch das passt: denn wir wollen das Anfang der 1930er Jahre gebaute Haus in seiner Erscheinung auf jeden Fall erhalten, auch wenn das bedeutet, dass wir im Winter wieder mehrere Lagen Kleidung übereinander tragen müssen und das Verlassen des Wärme-Radius der einzelnen Öfen mit einem massiven Temperaturgefälle verbunden ist.

Schafe beim Chillen
Schafe beim Chillen

Als wärmendes Hilfsmittel haben sich die Schafsfelle bereits bewährt und so fällt es uns ein klein wenig leichter, die vier ausgewählten Tiere auch wirklich nächstes Wochenende dem Landmetzger mitzugeben.

Schafe machen Pause
Schafe machen Pause

Die fünf Lämmer und fünf Schafe machen einen ganz zufriedenen Eindruck, wenn sie sich über das für Mitte Oktober immer noch satte Grün hermachen. Wir haben sie gestern bewusst einmal frei über die Wiesen laufen lassen, damit sie sich selbst die besten Stellen heraussuchen können. Schafs-like wurde zunächst das nähere Umfeld abgegrast, immer wieder wurde lange überlegt, um dann plötzlich doch in geballter Mannschaft und schubsend das Gras in unmittelbarer Nähe zum Haus abzumähen. Ein paar Minuten später standen dann alle im Hühnerstall und guckten aus dem Fenster bzw. machten sich über die verbliebenen Hühnerpellets her, bis kein Krümmel mehr in der Schüssel war. Mit kugelrunden Bäuchen ließen sie sich gut zurück in ein abgezäuntes Areal direkt am Heustadl treiben, um erst einmal ausführlich wiederzukäuen und sich von den Abenteuern zu erholen.

Schafe machen Pause 2
Schafe machen Pause 2

Die Hühner haben sich derweil im angrenzenden Wäldchen versteckt – noch immer beeindruckt von ihrem Erlebnis mit dem Falken. Dieser hatte es zwar weniger auf unsere großen Australorps abgesehen als auf die Küken, versetzte aber die ganze Population in Aufregung.

Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass allein die Glucke mit ausgebreiteten Schwingen die Verteidigung übernommen hat (erfolgreich übrigens, wenn auch mit Unterstützung von Silke, die gerade rechtzeitig aus der Tür herausgeeilt war). Arnie, unser Macho-Hahn, hat sich verdrückt. Eier legt derzeit übrigens keines unserer Hühner; die einen sind wohl schon zu alt, die anderen noch zu jung – und außerdem ist jetzt eh Herbstmauser angesagt. Unsere landwirtschaftlichen Geräte sind bereits für den Winter gerüstet.

Winterfest
Winterfest

Dann üben wir uns mal wieder in Geduld.

Letzter Akt der Aneignung

…gelb, grün und braun leuchtete uns das Waidlerhaus vor gut zwei Jahren im Internet entgegen. Schnell war klar, dass dieser kleine Bauernhof am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald unser neues Zuhause werden sollte. Zwei Jahre nach Abschluss des Kaufvertrags ist mit dem neuen Anstrich die endgültige Aneignung vollzogen.

 

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Eine Woche wird das Gerüst wohl noch den Ausblick einschränken und die Benutzung der Türen erschweren. Dann hat sich das Waidlerhaus vom Blueberry Cottage zum Blackwood Castle gewandelt. Die Auswahl der zweiten Farbe (rot für die Giebel und Fenster) fiel nicht leicht und noch bedarf es einer gewissen Gewöhnungsphase. Denn auch wenn wir die ursprüngliche Farbmischung nicht unbedingt mochten, hatten wir uns doch irgendwie daran gewöhnt.

Deshalb heißt es auch in diesem Fall: abwarten und den neuen Eindruck wirken lassen.

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Thomas Wegerbauer und sein Team sind überzeugt und geben ihr Bestes. Der Spengler hat uns die Abtropfbleche neu gemacht und wird den Kamin neu einfassen. Es gibt unendlich viele Kleinigkeiten, die an einem Haus zu machen sind oder die man machen könnte. Aber auch das haben wir ja freiwillig gewählt. Wahrscheinlich streichen wir die Garagen irgendwann selbst, aber das Holz am „Haupthaus“ hatte die Farbe dringend nötig und saugte begierig die schwarze Lasur auf.

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Jetzt glänzen die Schindeln und Bretter. Übringens, als wir die grünen Fensterläden, die nur noch zur Zierde neben den Fenstern angebracht waren, entfernten, flogen zwei Fledermäuse dahinter hervor. Dem Kot nach zu urteilen, waren sie dort bzw. hinter den Fensterläden an anderer Stelle häufiger Gast. Jetzt müssen sie sich in der Scheune einen neuen Schlafplatz suchen. Das dürfte ihnen angesichts der vielen Hohlräume und Ritzen aber nicht schwer fallen.

Verarbeitete Gartengeschenke
Verarbeitete Gartengeschenke

Im Gemüsegarten wächst der Salat noch langsam vor sich hin, die Kürbisse auf dem Misthaufen sind schon orange und fest, während die Tomaten wohl das Ende ihrer Lebenskraft erreicht haben. Es wird Herbst. Unsere Waldschafe dürften darüber eher erfreut sein. Denn die letzten Wochen Sonne mit spätsommerlichen Temperaturen verleiteten sie nicht allzu oft, den Schatten ihres kleinen Unterstands zu verlassen.

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Immerhin werfen die Bäume morgens und nachmittags mittlerweile einen langen Schatten, weil die Sonne nicht mehr so hoch steht. Auf dem hinteren Teil des Hangs gibt es noch viel abzufressen. Dann geht es zurück zum Schafsstall, dessen Umgebung ebenfalls noch reichlich Gras und Halme bietet. Mal sehen, ab wann wir von unserem gemähten Heu etwas dazu füttern müssen.

Noch in der Schönwetterperiode ist die nächste Generation Hühner geschlüpft, die unter den strengen Augen ihrer Glucke vorsichtig beginnen die Umgebung zu erkunden.

Aus den zehn Eiern sind sechs Küken lebendig geschlüpft, zwei haben es nicht geschafft und zwei Eier waren von der Glucke schon vorher aussortiert worden. Jetzt hoffen wir natürlich, dass die sechs Kleinen es allesamt schaffen. Die Glucke ist auf jeden Fall schon dabei, ihr Wissen an die Küken weiterzugeben.

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Unser Waidlerhaus oder besser Blackwood Castle mit all seinen Bewohnern wächst und gedeiht. Noch sind es zehn Schafe, die sich derzeit den kleinen Hang hinauffressen. Im November werden drei uns als Nahrung dienen und ihr Fell Wärme liefern. Auf zwei Stühlen liegt bereits ein Fell. Seit letzter Woche ist auch ein Sofa dazugekommen, das Küche noch wohnlicher macht – zumindest in unseren Augen.

unser-neues-sofa-von-vornUnd wer hat als erster darauf Platz genommen? Unschwer an den großen Ohren zu erkennen.

unser-neues-sofa-von-hinten

Drei Wochen Hobby-Landwirt

…drei Wochen die Hühner morgens und abends versorgen, den Schafen frische Wiese abstecken, den Hühnerstall ausmisten, Heu einfahren, Feuerholz vorbereiten, Gemüse ernten, Beete vorbereiten und natürlich mit dem Hund morgens durch den Wald spazierengehen. Es gibt unendlich viele Kleinigkeiten, die den Tag auf dem Land viel zu schnell vergehen lassen. Am Abend steht dann wieder die Frage im Raum, warum ich denn schon so früh so müde bin.

Blick in unser Tal
Blick in unser Tal

Mittlerweile heißt es, vor dem Sonnenaufgang aufzustehen. In den drei Wochen konnten wir verfolgen, wie die Sonne immer später hinter den Bäumen emporstieg und früher in der Senke der Bergerau wieder verschwand. Die Solarlampen sind aufgestellt und bilden Lichtpunkte rund ums Haus, das ansonsten kurz vor dem Schlafengehen in völliger Dunkelheit auf unsere Wiese steht. Mir ist die Zeit nicht lang geworden, und es ist gut, dass auch nach dem Ende des Urlaubs drei Tage in der Woche unserem Waidler-Leben im Bayerischen Wald gehören.

Der Beruf des Landwirts ist nichts, was man so einfach nebenbei ausleben kann, das ist mir erneut klar geworden. Du brauchst Erfahrung und viel Geduld, um genau diese Erfahrungen machen zu können, wenn Du nicht ohnehin als Kind bei Deinen Eltern mit dabei gewesen bist. Wir mussten uns genauso an den Traktor gewöhnen wie an den Ladewagen, der in der vergangenen Woche endlich bei uns ankam. Baujahr 1974 und für moderne Verhältnisse winzig reicht er für unsere Wiesen definitiv aus, solange das Wetter es zulässt, dass wir trockenes Heu einfahren können. Das war in diesem Jahr kaum möglich – zumindest nicht, wenn man per Hand das Gras wenden, in Reihen aufhäufen und auf einen Holzwagen befördern muss. Immerhin einen Arbeitsgang können wir jetzt mit dem Ladewagen automatisiert bewerkstelligen.

Raupe am Apfelbaum
Raupe am Apfelbaum

Drei Wochen sind eine kurze Zeit, wenn ich mir das Wachstum der Karotten oder selbst des Salates anschaue. Zwei Wochen gab es kein Grünfutter (dafür aber kleine, rote Tomaten aus dem Gewächshaus). Die erste Karotte, die in Form und Umfang als solche durchgehen konnte, habe ich gestern aus dem Betonring herausgeholt. Geduld braucht es auch für unsere Bäume. Der Ahorn wirkt mehr wie ein grüner Stamm, nachdem die Äste all ihrer Blätter verloren gegangen sind. Der Apfelbaum hat nach den Wühlmaus-Attacken jetzt gefrässige Raupen zu überleben und die Kirsche scheint die scharrenden Hühner auch nur bedingt leiden zu können. Eine Aussage darüber zu treffen, ob aus den genannten Kandidaten dauerhafte Bewohner unseres kleinen Anwesens werden, ist aber erst nach mehreren Jahren möglich. Also heißt es abwarten.

Glucke
Glucke

Rund zehn Tage müssen wir noch warten, um herauszufinden, ob unser jüngster Neuzugang dem Waidlerhaus weitern Zuwachs verschafft. Die Glucke liegt platt wie eine Flunder in ihrer Obstkiste und wärmt die Eier. Einmal am Tag vertritt sie sich die Beine, frisst und trinkt etwas und hinterlässt vor allem überdimensionierte, stinkende Haufen, ehe sie sich wieder auf ihr Nest setzt. Unsere vier Küken aus der Brutmaschine laufen mittlerweile als Teenager-Hühner wie die Großen ums Haus herum. Es sind wohl zwei Hähne und zwei Hühner, wobei der eine Hahn ziemlich zurückgeblieben ist.

Glucke bei ihrem Ausflug
Glucke bei ihrem Ausflug

Sollten weitere Küken schlüpfen, übernimmt die Glucke alles Notwendige, und wir können mit der Heizlampe nur für eine einigermaßen angenehme Raumtemperatur sorgen. Denn der Winter kommt bestimmt und angesichts der Höhe der Ameisenhaufen und ihrer emsigen Aktivität könnte es ein früher und strenger Winter werden. Den Hühnerstall haben wir zwar so gut es geht Mauswiesel-sicher gemacht, aber gegen die Kälte müssen wir wohl wieder Folien und Dämmmaterial zwischen die Bretter packen.

Drei Wochen Urlaub bedeuten am Ende auch, dass wir wieder für drei Nächte Abschied nehmen müssen von einander. Ich weiß schon jetzt, wie sehr ich Dich in dieser Zeit vermissen werde.

Silke und Hanabi beim morgendlichen Ritual
Silke und Hanabi beim morgendlichen Ritual

 

Oh wie niedlich…

…dachten wir uns, als gestern Nachmittag dieses possierliche Tierchen im Hühnerstall herumlief. Wahrscheinlich ist das der Dieb, der über die letzten Wochen all die Eier gestohlen hat, und wir haben unseren Hennen zu unrecht unterstellt, dass sie gar keine mehr legen.  Die Recherche im Internet ergab, dass es sich wohl um einen Iltis handeln müsste oder um ein Frettchen, das jemanden weggelaufen ist oder von jemanden ausgesetzt wurde. Für letztere Variante sprach, dass es wenig Scheu vor uns Menschen hatte und kurz neugierig auf Silke zulief.

Angesichts seiner Größe konnten wir uns nicht vorstellen, dass unseren großen, schweren Hühner ernsthaftes Unheil drohen könnte – und außerdem gibt es ja noch Arnie, unseren Hahn. Im Internet war allerdings zu lesen, dass es die Tiere auch mit doppelt so großen Gegner aufnehmen. Die Eier-Diebstahl-Variante erschien uns dennoch einleuchtender. Also unternahmen wir nichts weiter, als das Tier unter der Zwischentür hindurch in den anderen Teil des Stalls entwischte.

Der Hahn "Arnie" in voller Pracht
Der Hahn „Arnie“ in voller Pracht

Heute Morgen sah die Welt ganz anders aus. Auf dem Boden des Hühnerstalls lagen „Humpel-Huhn“ und ein weiteres Huhn langgestreckt und reglos. Dem einen fehlte der Kopf, dem anderen war das Haupt blutig gebissen und ein Stück Kamm verspeist worden. Die restlichen fünf Hühner und der Hahn saßen auf der oberen Stange und sagten nichts weiter. Wir haben die zwei schon steifgewordenen Körper in den Wald getragen. Rupfen und als Suppenhuhn verwenden wollten wir sie auch nicht mehr. Damit ist unser Schlachtauftrag, was Humpelhuhn betraf, erst einmal verschoben.

Als wir zurück in den Stall kamen, war das Gegackere bei den Überlebenden groß. Zurecht, denn der Iltis oder das Frettchen befand sich noch im Stall. Was also tun? Einfangen erwies sich als schwierig; und Anstalten aus dem Stall zu verschwinden, machte das Tier auch nicht. Am Ende versteckte es sich in unserer Mülltonne und wir konnten schnell den Deckel zu machen, dann alles ins Auto verladen und zu einem abgelegenen Parkplatz weit genug weg im Nationalpark fahren.

Es dauerte ein bisschen, bis wir das Tier in der Wildnis losgeworden sind, und wahrscheinlich wird es angesichts der fehlenden Eier, Hühner und Küken nur geringe Überlebenschancen haben, aber unser Mitleid hält sich angesichts des toten Geflügels in Grenzen.

Niedlich bleibt das Tierchen, aber unser Lehrgeld haben wir oder besser unsere Hühner bezahlt. Die Kulleraugen und das rosa Näschen machen die Zähne nicht weniger spitz. Und auch unser Hahn scheint in Sorge um seine Damen zu sein und begleitet das eine Huhn, das eventuell ein Ei legen will, vorsorglich bis in den Legekasten. Möge jetzt erst einmal bitte wieder Ruhe einkehren…

 

Kreislauf zur Selbstversorgung

… soweit wollen und werden wir es nicht treiben. Selbstversorgung ist angesichts unserer Feuchtwiesen kaum möglich. Aber morgens den etwas langweiligen Vanille-Joghurt aufpeppen zu können, indem Silke aus dem Garten ein paar Erdbeeren holt (und das Mitte August!), ist eine feine Sache. Das Mittagessen besteht in der Regel aus selbst angebauten Kartoffeln, die deutlich besser schmecken als die Gekauften. Dafür müssen wir auch in Kauf nehmen, dass der Drahtwurm das ein oder andere Loch in die Knolle getrieben und die feuchte Witterung die Kartoffelfäule begünstigt hat. Als Beilage gibt es Kohlrabi, sobald dieser im Gewächshaus reif geworden ist und Erbsen, die im Kartoffelbrei aber höchstens für ein paar Farbtupfer sorgen angesichts der geringen Ausbeute. Salatköpfe konnten wir bereits früh im Jahr ernten, aber jetzt wachsen die Pflanzen trotz der Sonne und regelmäßigem Gießen nur ganz langsam.

Wenig Wachstum im Sommergarten
Wenig Wachstum im Sommergarten

Das gilt auch für Mizuna, Radieschen oder dem Stielmus, die angeblich auch noch im August eingepflanzt werden können. Aber wir lernen ja neben Geduld auch die Relativität der Gartentipps zu akzeptieren. Schauen endlich ein paar Blättchen aus dem Boden, werden sie von wem auch immer punktiert und verlieren an Kraft. Es ist ein zäher Kampf, zu dem wir uns entschlossen haben, gegen Insekten, Schnecken, Pilze oder Bakterien, die alle etwas von unserem Anbau abhaben wollen. Das kennt letztlich jeder Hobby-Gärtner, und der Einsatz von chemischen Hilfsmitteln wirkt auf einmal extrem verführerisch.

Suchbild mit roten Tomaten im Gewächshaus
Suchbild mit roten Tomaten im Gewächshaus

Da wir aber nicht auf Selbstversorgung setzen bzw. vom Verkauf des landwirtschaftlichen Ertrags leben müssen, können wir uns den Luxus leisten, ohne Pestizide oder Fungizide aus zu kommen. Also sammelten wir die Kartoffelkäfer ebenso per Hand ab wie die Raupen des Kohlweißlings. Am Ende steht das Bewusstsein, wie viel Aufwand diese Art des Anbau bedeutet gepaart mit dem doppelten Genuss beim Verspeisen angesichts des Geschmacks und der eigenen Mühe – auch das eine Binse für alle, die selbst schon einmal Gemüse angebaut haben.  Mittlerweile beginnen endlich auch einige Tomaten im Gewächshaus sich rot zu verfärben, und so gab es zum Abendessen Tomatensalat mit Zwiebeln, die hinter dem Gastank in einem Betonring gewachsen sind, während die Karotten trotz des Schutzwalls wieder der Wühlmaus zum Opfer gefallen sind.

Jede Pflanze ist Leben, und wenn der Ahornbaum auf der Wiese oder die Obstbäume vorm Haus keine tiefen Wurzeln schlagen wollen, so trifft uns das.  Noch schmerzlicher wird es, wenn das Leben laufen kann (ob Hund, Hahn oder Schaf). Mit jedem Schritt wächst die Sorge. Wer über Selbstversorgung nachdenkt, kommt aber an Eiern bzw. den Hühnern nicht vorbei. Seit dem April 2015 haben wir unsere sieben Hühner und den einen Hahn jetzt schon. Selbst im Winter waren vier, fünf Eier keine Seltenheit. Seit ein paar Wochen liegt aber bestenfalls ein Ei im Legekasten. Welche Krankheit könnte die Tiere befallen haben? Regelmäßiges Stallausmisten ist ohnehin obligatorisch, aber vorsichtshalber haben wir die Ecken auch noch desinfiziert. Doch eine Veränderung war nicht festzustellen und krank wirkten die Tiere, wenn sie so durch die Wiesen streifen auch nicht.

Schafe im Ziegenlook
Ausflug der Küken

Also haben wir das Futter umgestellt und die Hühner auf Diät gesetzt, damit sie sich teilweise  wieder selbst die richtige Nahrung suchen. Auch das änderte nichts und zu den Sorgen mischte sich Verzweiflung, die sich emotional ihre Bahn brach, als wieder eine der Hennen auf einer anderen ordentlich herumhackte. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass die Ei-Produktion ihr natürliches Ende erreicht hat. Die Hühner waren knapp ein Jahr, als sie zu uns gekommen sind, und Australorps gelten nicht als ausgeprägte Legehennen. Es dauerte aber, bis wir überhaupt auf den Gedanken kamen, dass auch hier der Kreislauf des Lebens den Takt vorgibt. Wir hatten gerade noch rechtzeitig, 12 Eier zusammensammeln können, um wohl drei Hennen und einen Hahn mit Hilfe der Brutmaschine zum Schlüpfen zu bringen.

Die Küken gleichen mittlerweile in Form und Gestalt den Alten, sind aber noch um die Hälfte kleiner. Eier legen werden sie wohl erst im Frühling, wenn sie ein halbes Jahr alt sind. Bis dahin muss uns unsere Nachbarin aushelfen, und wir müssen uns klar werden, dass die Zeit ständig voranschreitet und der Augenblick, der gerade ein angenehmes Gleichgewicht erreicht hat, eben nicht verweilt. Wir müssen also  immer schon an die nächste Generation denken und werden folglich die Brutmaschine wieder anwerfen und auf gut Glück Eier vom Fleckenhof ausbrüten lassen.

Der Hahn "Arnie" in voller Pracht
Der Hahn „Arnie“ in voller Pracht

Trockenes Heu in den Stall einlagern zu können, war in diesem Jahr eine kaum lösbare Aufgabe. Immer wieder hat es geregnet, oder der Tau durchtränkte angesichts der tiefen Temperaturen nachts die Halme und Gräser.  Dank zwei hintereinander folgende Sonnentage haben wir gemäht, gerecht und eingefahren. Dennoch mussten wir das Heu im Stall bestimmt fünf Mal wenden, ehe es einigermaßen nachgetrocknet ist und hoffentlich den Schafen im Winter munden wird.

Zehn Schafe werden wir nicht über den Winter bringen. Die drei Böcke haben ihre Aufgabe bereits erfüllt, obwohl sie noch kein halbes Jahr alt sind. Nacheinander wurden die weiblichen Tiere unbeirrbar verfolgt, umrundet und wann immer möglich besprungen, obwohl die Böcke noch ziemlich klein wirkten. Mal hielten die Damen still, mal nahmen sie angenervt Reißaus. Dabei haben sich zwei der Schafe ein Bein vertreten. Zehn Tage machten wir uns im ersten Fall Sorgen; überlegten hin und her, ob wir etwas unternehmen müssen oder nicht; verfluchten die Testosteron geschwängerte, männliche Jugend; dann hatte die Zeit ihre Wirkung getan und das Problem für uns gelöst.

Gestern war der Schafscherer da und hat den drei Böcken auch die Schlachtmarken verpasst. Im Herbst wird ihr Schicksal besiegelt sein. Das aufdringliche Verhalten der Jungböcke macht die Entscheidung etwas leichter, aber wer ist schon gern Richter über Leben und Tod. Dementsprechend schwer tun wir uns mit der Frage, welches weibliche Tier ebenfalls zerlegt in die Tiefkühltruhe wandert. Entweder wir ringen uns bald durch, bevor die ungeborenen Lämmer größer werden, oder es bleibt bei einer Herde von sieben. Dann ist die Entscheidung aufs nächste Jahr verschoben, wenn im Januar oder Februar wohl wieder Nachwuchs die Anzahl erhöht und die Auswahl zum Schlachten keinen Aufschub mehr erlaubt.

Fressen im Gleichklang mit der gleichen Frisur
Fressen im Gleichklang mit der gleichen Frisur

Mit der Hobby-Landwirtschaft geht also auch die Entscheidung über über Leben und Tod einher. Das war uns theoretisch zwar klar, aber in der Praxis sieht es wie so oft wieder anders aus. Da wir das Lammfleisch auch selbst essen, fällt die Entscheidung nicht ganz so schwer – zumal der Metzger den blutigen Teil der Arbeit übernimmt. Im Falle der Hühner sieht das anders aus. Hier liegen Entscheidung und Durchführung bei uns. Eines der Hühner kann nicht mehr richtig laufen. Wir nehmen an, dass es sich den Fuß gebrochen hat, als der Hahn sich mal wieder auf sie setzte. Da „Humpel-Huhn“ bisher aber noch ganz zufrieden aussieht, haben wir das Schlachten aufgeschoben oder ehrlicherweise noch nicht getraut. Es muss aber sein, wenn wir am Prinzip des Kreislaufs festhalten wollen. Dann ist die nächste Bestimmung unserer nicht mehr Eier-legenden Hühnerschar die Form des Suppenhuhns im Kochtopf.

Geschorene Schafe am Ort des Geschehens
Geschorene Schafe am Ort des Geschehens

Jenseits der Tier- und Pflanzenwelt haben wir uns angesichts des urlaubsbedingten Mehrs an freier Zeit auch wieder mit dem Innenleben des Hauses beschäftigt. Ein Zimmer stand noch aus. Dort hatten wir bisher weder geweisselt noch den Boden ausgetauscht. Das stand letzte Woche auf dem Programm. Die zahlreichen Löcher in den Wänden verschwanden, das Grau der Vorbesitzer wich einem strahlenden Weiß und zuletzt musste noch der PVC-Boden dran glauben. Nachdem wir mit Laminat ausreichend Erfahrung gesammelt haben, war klar, dass wir dieses Mal Holzparkett verlegen wollen.

Damit ist der Raum am Ende des unteren bewohnbaren Teils des Hauses deutlich aufgewertet und unsere Fantasie angeregt, was wir daraus alles machen wollen, auch wenn das Zimmer erst einmal wie bisher als Abstell- und Arbeitsraum genutzt werden wird. Es ist wohl so, dass der Mensch oder zumindest wir mit Vollendung der einen Sache schon wieder über die nächste nachdenken…

Anstrengung und Entspannung

Der Muskelkater zieht sich langsam zurück. Ich denke, das war das letzte Mal, dass wir auf die ganz altmodische Weise eine Wiese abgeerntet haben. Gemäht wurde am Samstag, dann folgte ein regnerischer Sonntag, der uns nach Hauzenberg führte, damit wir uns dort einen kleinen Ladewagen Baujahr 1974 anschauen konnten, der zum Verkauf stand. Äußerlich tiptop führt Pauli noch eine Inspektion durch, ehe wir uns zumindest das kraftraubende Beladen des Heuwagens sparen können. An das Heu in Reihen Rechen halten wir wohl noch eine Saison fest, ehe vielleicht auch noch ein Schwader angeschafft werden muss.

Das ehemalige Kartoffelbeet
Das ehemalige Kartoffelbeet

Am Montag konnten wir dann den bisher einzigen komplett regenfreien Tag nutzen, um die restlichen Kartoffeln zu ernten, den Schafen ein neues Stück Wiese abzustecken und das Heu reinzuholen. So richtig trocken war es zwar noch nicht, aber wir müssen es im mittlerweile überfüllten Schafsstall ohnehin noch einmal „bewegen“ und der angefüllte Wagen steht im Trockenen in der Garage, während unser Traktor draußen mit der Witterung zurande kommen muss.

Unsere Kartoffelernte
Unsere Kartoffelernte

Anstelle der Kartoffeln sind jetzt Salatköpfe, Feldsalat, Mizuna, Radischen, Wilde Rauke und Lauchzwiebeln gesäät. Mal sehen, was noch kommt angesichts des launischen Wetters. Immerhin gab es bis jetzt Erdbeeren und die ersten zwei kleinen Tomaten konnten wir auch schon ernten. Es bleibt ein Ausprobieren, das uns in diesem Jahr immerhin so viele Kartoffeln beschert hat, dass wir als Selbstversorger immerhin bis Anfang des Winters aushalten würden. Es bleibt also praktisch einen Supermarkt in der Nähe zu haben.

Auch die Eierproduktion unser zugegebenermaßen ziemlich dekorativen Hühner lässt derzeit sehr zu wünschen übrig. Immerhin entwickeln sich die vier Nachkommen ordentlich und haben keine Berührungsängste mit der ausgewachsenen Hühnerschar. Es bleibt aber abzuwarten, wie viele Hennen schlußendlich dabei sind.

Hühner groß und klein
Hühner groß und klein

Als Ausgleich zu Muskelkater und Aufregung rund um das Getier sind die Momente auf der Bank vor dem Haus unersetzlich, wenn die Schafe laut mampfend dem Gras zu Leibe rücken und die Hühner (Küken wie Hennen) einfach ihr Ding machen – und wir dabei zuschauen können.

 

Ernte im Juli

verrottete Kartoffelpflanzen
verrottete Kartoffelpflanzen

Zuerst waren wir entsetzt und hatten die Wühlmaus im Verdacht. Denn unsere Kartoffelpflanzen begannen sich gelb zu verfärben. Nachdem wir unter den sich auflösenden Stengeln angefangen hatten zu ernten, war klar, dass wir die Wühlmaus zu unrecht verdächtigt hatten. (Was übrigens nicht für unseren Salat und unseren Kohl gilt). Die Kartoffelkäfer, die wir vom Grün abgepflückt und ins Jenseits befördert haben, waren wohl auch noch nicht die Auslöser (zum Glück – im nächsten Jahr wird auf jeden Fall der Standort gewechselt).

Gemüsegarten nach erster Kartoffelernte
Gemüsegarten nach erster Kartoffelernte

Die Kartoffeln gehörten wie von uns gewünscht einfach zur Kategorie der Frühkartoffeln. Und die erste Ernte ausgebreitet auf der blauen Plane zum Trocknen stimmt uns hoffungsvoll. Die Heukartoffeln im letzten Jahr füllten gerade eine kleine Schüssel. In diesem Jahr ist mit der ersten Ernte eine Kartoffelkiste gut gefüllt.

Das war am letzten Sonntag. Seitdem regnet es und so verrotten die Pflanzen im Gemüsegarten, während die gelb-grünen auf dem Kartoffelacker beim Gastank auf diese Weise hoffentlich noch etwas Stärke in den Knollen in der Erde anreichern.

Morgen soll die Sonne endlich wieder länger scheinen, so dass auch die Küken aus dem Stall in den Laufstall bzw. angesichts ihrer Größe ins Freie wechseln können.

Mal sehen, was die Großen und vor allem Arnie dazu sagen wird. Auf unserem selbst aufgeschütteten Aufgang zum Stall hat sich übrigens selbst eine Kartoffel angepflanzt und grünt noch friedlich vor sich hin.

Auffahrt mit Kartoffelpflanze und Küken im Laufstall
Auffahrt mit Kartoffelpflanze und Küken im Laufstall

 

Ein Tagwerk

Nimmt man die Beschreibung des altertümlichen Begriffs Tagwerk, dann umfasst unser Grundstück wohl drei Tagwerke – wenn das Wetter mitspielt. Angesichts der Wettervorhersage: viel Sonne am Freitag und kaum Regen über das Wochenende haben wir beschlossen, die Wiesen zu mähen, die noch nicht von unseren Schafen „bearbeitet“ wurden. So sah es noch aus beim Morgenspaziergang gegen 6 Uhr aus.

Dann haben wir den Kreiselmäher an unseren Traktor angebracht, was uns durchaus Zeit gekostet hat.

Kreiselmäher vor der Inbetrieb-Nahme
Kreiselmäher vor der Inbetrieb-Nahme

Denn das richtige Heranfahren an die Aufhängung und dann die Anbringung der entsprechenden Kabel und Metallteile ist nicht ganz einfach, wenn man es so selten macht. Nach einer Stunde konnte es aber losgehen mit dem Mähen. Die Wiese vor dem Haus war als erstes dran. Hier hatte noch kein Schaf kosten dürfen, aber unsere Erfahrung aus dem letzten Winter besagte, dass die lebendigen Rasenmäher die Mischung der Wiese vor dem Haus am liebsten mochten. Mal sehen ob das dieses Jahr wieder so sein wird. Das war mein Part in Sachen Auf-dem-Traktor-sitzen-und-Kreiselmäherbahnen-ziehen. Eine durchaus vergnügliche Aufgabe, die wie noch mehr genossen hätten, wenn wir uns an die anstrengenden Teilschritte danach erinnert hätten;-)

Silke beim Mähen der hinteren Wiesen
Silke beim Mähen der hinteren Wiesen

Silke mähte dann die hinteren Wiesen. Auch hier waren die Schafe noch nicht am Werk. Waren wir letztes Jahr bei unserer Premiere durchaus zurückhaltend, was den Gebrauch des Traktors und des Mähwerks angeht, so sah das dieses Jahr wesentlich souveräner aus. Und – wen wundert’s – unsere Feuchtwiese überlebt durchaus die Behandlung mit unserem kleinen, landwirtschaftlichen Gespann.

Währenddessen oblag es mir für das leibliche Wohl am Mittag zu sorgen. Fleisch, Kartoffeln, Spiegelei und ein paar Erbsen aus dem Garten standen auf dem Speiseplan eingenommen auf der Wiese ganz in der Nähe unseres Hühnernachwuchs.

Dann ging es weiter.

Auf gehts zur 2. Runde
Auf gehts zur 2. Runde

Und die anstehenden Aufgaben waren weit weniger gemütlich als die maschinelle Arbeit des Mähens. Von jetzt an ist Handarbeit gefragt.

Die gemähte Wiese vor dem Haus nach dem ersten Teil der Arbeit
Die gemähte Wiese vor dem Haus nach dem ersten Teil der Arbeit

Das Heu muss mit dem Rechen zu Reihen zusammengeschoben werden. Das hat durchaus etwas kontemplatives, wenn man den richtigen Rhythmus findet, aber führt angesichts der ungewohnten Betätigung unweigerlich zu Blasen.

Unsere Nachbarn nutzen die Kraft der Maschinen 2
Unsere Nachbarn nutzen die Kraft der Maschinen 2

Da ging der Blick durchaus neidisch zur Nachbarwiese jenseits der kleinen Ohe, wo der Pachtbauer mit dem nötigen Equipment ruckzuck die Heuballen zusammen und abtransportiert hatte. Immerhin schien die Sonne nicht mehr ganz so stark und die Luft war angenehm frisch.

Das Heu der Wiese vor dem Haus in Reihen zu rechen hat vielleicht zwei Stunden gedauert und wir waren guten Mutes, dass wir die Ernte rechtzeitig in den Stall bringen würden, nachdem sich die ein oder andere Wolke bereits am Himmel gezeigt hatte. Die Wettervorhersage erzählte etwas von Regen in der Nacht (und sollte recht behalten).

Aber wieder hatten wir unterschätzt, was als Aufgabe noch folgen wird. Denn die letzten Stunden des Tages waren ganz dem Aufladen auf den Heuwagen gewidmet.

Eine durchaus schweißtreibende Arbeit, die vielleicht in der nächsten Saison besser von einer kleinen Maschine verrichtet werden sollte.

Um nicht allzu oft fahren zu müssen, besteht ein Teil der Aufgabe darin, im Heuwagen die Ladung platt zu treten, damit so viel wie möglich transportiert werden kann.

...und was gegen den Heuschnupfen tun
…und was gegen den Heuschnupfen tun

Angesichts meines Heuschnupfens, dem ich vergeblich versucht habe mit einer Atemschutzmaske zu begegnen, hat diese Aufgabe dankenswerterweise Silke übernommen. Doch auch dann reicht die Kapazität gerade für ein Fünftel des Heus, ehe wir zum Schafstall fahren müssen, um dort das Heu in die obere Luke hinein zu hieven, auf dem Bretterverschlag im Zwischenboden zu verteilen und mit dem leeren Anhänger wieder zur Wiese zurückzukehren.

Am Ende haben wir nur ein Drittel der Wiese vor dem Haus geschafft und müssen heute weiterarbeiten. Unser Tagwerk war gegen 20 Uhr vollbracht oder besser zu mehr reichten die Kräfte nicht aus.

Nur ein Teil des Heus konnten wir am Abend noch einholen
Nur ein Teil des Heus konnten wir am Abend noch einholen

In der Nacht hat es tatsächlich geregnet. Das heißt, wieder einmal warten. Denn einigermaßen trocken sollte das Heu schon sein für unsere lebendigen Rasenmäher, die im Winter auf den Ertrag unserer Tagewerke angewiesen sind.