Kategorie: Allgemein

Perspektivenwechsel

Perspektivenwechsel

Diesen Anblick hatte ich nicht erwartet. Nach warmen, sonnigen Tagen in München und Frankfurt überraschte mich der immer noch weiße Anblick zu Hause schon ein wenig. Von den 15 Grad und dem lauen Nacht-Spaziergang von der Alten Oper zum Hotel ist hier in der Bergerau nichts zu spüren. Der Boden ist an vielen Stellen immer noch gefroren und der Schnee wird wohl auch heute nicht verschwinden. Ab morgen sind ohnehin für ganz Bayern wieder winterliche Verhältnisse angesagt.

Damit haben wir also in diesem Jahr weiße Verhältnisse noch etwas früher als in den Jahren zuvor. Einen Beitrag zur Debatte um den Klimawandel spare ich mir; die Zeiträume – mögen sie für uns als Mensch durchaus lang und bedeutend erscheinen – bleiben in den langen Zyklen der Natur mit ein paar Jahrzehnten persönlichen Beobachtungszeitraum bestenfalls ein Wimpernschlag. Aber es ist nur allzu menschlich für sich und seine Zeit das Besondere reklamieren und empfinden zu wollen. Pragmatisch gesehen mussten wir dieses Jahr einfach ein paar Wochen früher mit Schneeschaufeln und -schieben beginnen als letztes Jahr, werden die Schafe ein wenig früher mit Heu bedient, um entspannt und wiederkäuend vor dem Stall in der Sonne zu liegen; Wärme im Haus ist mit oder ohne Schnee ohnehin nur mehr dort vorhanden, wo wir mit Holz oder Gas punktuell Behaglichkeit erzeugen können.

Seitdem Silke ihre Ausbildung in Teilzeit zur Altenpflegerin begonnen hat, ist die gemeinsame Zeit noch kostbarer geworden. Jeder von uns hat seine Herausforderungen, die in der Struktur und den menschlichen Komponenten viele Parallelen zeigen. Die Probleme sind im BR, der Schule oder dem Pflegeheim überraschend ähnlich. Das verbindet die Welten, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sei könnten. Meinen Vortrag zum Thema „Transit“ auf der cresc:biennale habe ich hinter mir.

Vortrag Cresc gehalten am 23.11.2017

Wer will kann ihn hier einmal nachlesen. Mir hat es trotz vieler Zweifel Freude bereitet, mal wieder an einem längeren Text zu arbeiten. Und es hat mir Spaß gemacht, meine Gedanken den Menschen in so einem Rahmen: Opern- bzw. Konzertsaal, heterogenes Publikum, zeitgenössische Musik näher zu bringen. Die Resonanz vor Ort war positiv, auch wenn die Kritik zurecht auf die Schwierigkeit hinweist, Musik und Wort zu verbinden.

http://www.allgemeine-zeitung.de/freizeit/kunst-und-kultur/musik/biennale-fuer-moderne-musik-in-frankfurt-mit-konzert-verbinden-und-abwenden-eroeffnet_18344509.htm

http://www.fr.de/kultur/musik/biennale-fuer-moderne-musik-gescheiterter-transit-zwischen-allem-moeglichen-a-1394864

Aber Kritik ist besser als gar keine Reaktion. Da geht es mir nicht anders als den eigentlichen Stars des Abends wie der Komponistin Zeynep Gedizlioglu oder dem Dirigenten Ilan Volkov. Immerhin hat mir dieser Perspektiven-Wechsel gezeigt, dass ich mich auch in so einer Welt noch wohl fühle und diese Auseinandersetzung auch nie ganz aufgeben möchte.

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Vortrag cresc:biennale

Vortrag cresc:biennale

Vortrag Cresc: Transit von Peter Kujath 23.11.2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Publikum,

Der Begriff Transit, mit dem das diesjährige Festival überschrieben ist, hat viele Facetten. Auf den Internet-Seiten von cresc sind ein paar Begriffspaare genannt, in deren Spannungsfeld sich die Gesellschaft derzeit bewegt: Konflikt und Aussöhnung, Hoffnung und Resignation, Ort und Nicht-Ort, Eigenes und Fremdes.

Als ich gefragt wurde, ob ich einen Impuls-Vortrag halten möchte, der den Begriff Transit im Hinblick auf meine Korrespondentenzeit aufgreift – ich war sechs Jahre lang als ARD-Radiokorrespondent in Ostasien unterwegs –, da fielen mir beim ersten Brainstorming zuerst die vielen Stunden in den Transitzonen der Flughäfen ein. Die Passkontrolle hat man schon hinter sich, das Land aber noch nicht verlassen. Man befindet sich in einer Zwischenwelt, die symptomatisch ist für das Leben als Korrespondent. Ich habe meine deutsche Identität zwar mit nach Japan, Korea und Taiwan genommen, durfte aber eintauchen in ganz andere Gesellschaften. Ich war auf einmal der Fremde, der Ausländer. In der Reflexion der sich mir darbietenden Sitten und Gebräuche war ich auch zurückgeworfen auf die mir selbstverständlich erscheinenden Gewohnheiten, die ich an mir kaum wahrgenommen aber die Japaner irritiert haben.

Ein banales Beispiel dafür ist der Umgang mit dem Taschentuch: der Japaner bekämpft eine laufende Nase lieber, in dem er hochzieht, weil er es für unhygienisch hält, ein voll geschneuztes Taschentuch mit all den Viren und Bakterien in die Tasche zu stecken und mit sich herumzutragen, wie wir das gerade in der Erkältungszeit tun.

Transit bedeutet für mich, nicht hier noch dort zu sein; als Gast in einem fremden Land wie Japan oder Korea musste ich nicht Sitten und Gebräuche übernehmen, aber meine deutschen bzw. europäischen Werte durchaus einmal hinten an stellen. Vielleicht geht es der türkischen Komponistin Zeynep Gedizlioglu, deren Werk wir vor der Pause gehört haben, und die in Deutschland schon lange lebt, ähnlich.

Neben den persönlichen Transit-Erfahrungen konnte ich in Ostasien das Transit-Phänomen auch in der Gesellschaft und in der Politik beobachten: gewachsene Strukturen versuchen mit den modernen Anforderungen zurechtzukommen, soziale Bindungen gehen wegen des rasanten Fortschritts verloren. Vermeintlich bereits im Niedergang respektive Übergang befindliche Regime behaupten sich: teils durch Transformation, wenn ich an die Volksrepublik China denke, oder durch Abschottung und ideologische Überhöhung wie in Nordkorea. Hier wird der Bevölkerung eingetrichtert, dass allein die religiös verehrte Familie der Kims das Überleben des nordkoreanischen Volkes angesichts der ausländischen Bedrohung sichern kann.

Wir sehen den nordkoreanischen Staat meist als etwas Anachronistisches, als etwas, das keine Zukunft hat, sich also schon in einem Transitionsprozess, in einem Übergangsstadium befindet. Die nordkoreanische Elite hat ein ganz anderes Bild von sich und ihrem Regime: nämlich das der Stabilität in einer ansonsten chaotisch, sich immer wieder ändernden Welt.

Ich konnte noch zu Lebzeiten von Kim Jong Il als Korrespondent mehrmals nach Nordkorea reisen und mir auch das Land unter seinem Sohn und aktuellem Führer, Kim Jong Un, anschauen. Wer als Journalist nach Nordkorea einreist, muss sich auf ständige Begleitung einstellen. Bei meinen Besuchen waren es zwei Personen, die sich um mich „gekümmert“ haben. Gegenseitige Kontrolle und die Gefahr der Denunzierung verhindern in der Regel, dass man irgendetwas anderes als die offizielle Parteilinie erfährt. Das Perfide an dem Überwachungsstaat Nordkorea liegt darin, dass es keine bewaffneten Posten am Hoteleingang oder auf den großen Plätzen der Hauptstadt gibt. Wer es darauf anlegt, kann verbotenerweise allein die Straße entlang laufen – zumindest ein kurzes Stück, bis man von einem der vielen zivilen Beamten aufgehalten wird. Nordkorea ist kein Abenteuer-Spielplatz, auch wenn die Tourismus-Branche als einer der wenigen Industriezweige derzeit boomt.

Nordkorea ist aber auch kein statischer Block, der von ewig Gestrigen regiert wird. Als ich 2014 einreiste und auch am Marathon in Pjöngjang teilnahm – in dem Jahr war die Veranstaltung erstmals für Amateure geöffnet worden – konnte ich von dort direkt all meine Eindrücke twittern, einen Blog schreiben und natürlich im Radio berichten. Die Mobilfunk-Verbindung in der Hauptstadt war stabil und leistungsfähig. Diese Möglichkeiten bestanden allerdings nur für ausländische Besucher und wurden bald wieder eingeschränkt. Handys, Smartphones, ja selbst ein auf Nordkorea beschränktes Internet existieren aber weiterhin. Die nordkoreanische Propaganda hatte auf Youtube einen eigenen Kanal und stellt bis heute unter uriminzokkiri.com Videos mit ihrer Version der Wahrheit ins Netz.

Auch in Nordkorea gibt es also Wandel, aber von Transit zu sprechen, ist aus meiner Sicht verfrüht. Meinen Aufpassern war am Ende meiner Besuche in Nordkorea immer die Erleichterung anzumerken, wenn sie mich an der Passkontrolle am Flughafen vor dem Transitbereich wieder absetzen konnten, ohne dass sich ein größerer Zwischenfall ereignet hatte. Bei mir fiel die Anspannung allerdings erst dann so richtig ab, wenn ich im Flugzeug saß und unter mir die karge, braune Landschaft des ausgelaugten Landes zu sehen war. Freiheit zu empfinden, frei von Angst zu leben ist ein Geschenk, das wir in der deutschen Demokratie, in unserem Rechtsstaat vielleicht manchmal als allzu selbstverständlich nehmen.

In Japan, der von außen betrachtet westlichsten Demokratie in Ostasien, hat die Staatsmacht für mich als Ausländer etwas Einschüchterndes – vielleicht wegen der jahrzehntelangen, allerdings demokratisch legitimierten Ein-Parteien-Herrschaft. Wahrscheinlich hatte dieses Gefühl auch damit zu tun, dass ich im Konfliktfall – und den gab es zum Glück nur ein paar Mal – nicht in meiner Muttersprache argumentieren konnte, sondern mich trotz meiner rudimentären Japanisch-Kenntnisse sofort in der Rolle des Unterlegen befand. Auch das ist eine Erfahrung, die ich zwar nicht jedem wünsche, die aber dazu beitragen kann, sich zurück im vertrauten Umfeld – in meinem Fall in Deutschland – besser in die Rolle eines Gastes oder Ausländers hineinversetzen zu können.

Das Wort Transit wird im Rahmen der Politischen Wissenschaften noch in einem weiteren Zusammenhang gebraucht: als System-Übergang. Südkorea ist oder war so ein Transit-Land: gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch.De jure befindet sich der Staat noch im Kriegszustand. Der Korea-Krieg 1950 bis 53 wurde lediglich durch ein Waffenstillstandsabkommen eingefroren. Die Grenzen zwischen dem Norden und dem Süden sind noch immer strittig.War Südkorea lange Zeit ein rückständiger Agrarstaat, gehört es heute als erfolgreiche Industrienation zu den G20-Staaten.

Isang Yun, der koreanische Komponist, der als Leitmotiv immer wieder auf der diesjährigen Cresc:Biennale auftaucht, hatte sich Zeit seines Lebens für die Aussöhnung auf der koreanischen Halbinsel eingesetzt. Und er musste am eigenen Leib erfahren, wie wenig so eine Haltung in den 1960er und 70er Jahren in Südkorea akzeptiert war. Im damals noch autokratisch geführten Staat galten Menschen mit Verbindungen oder gar Sympathien für den Norden als Schwerverbrecher. Bis heute muss man von Seoul aus über Peking nach Pjöngjang fliegen. Das Gesetz ist noch in Kraft, das den Besitz und die Verbreitung von nordkoreanischer Propaganda in Südkorea unter Strafe stellt. Anfang 2017 wurde nach langer Zeit wieder ein südkoreanischer Buchhändler angeklagt, weil er über das Internet nordkoreanische Publikationen verbreitete, obwohl diese auch in südkoreanischen Bibliotheken einsichtig sind.

Auch das gehört für mich zum Thema Transit: selten stellt sich eine Situation auf den zweiten Blick so eindeutig dar, wie sie zuerst erscheinen mag.

2008 wurde in Südkorea Lee Myung-bak Nachfolger von Präsident Roh Moon-hyon, dem letzten Verfechter der sogenannten Sonnenscheinpolitik. Lee war ein konservativer Politiker, unter dessen Amtszeit sich der Zustand der friedlichen Koexistenz zwischen Nord- und Südkorea wieder in einen kalten Krieg verwandelte. Mit seiner Nachfolgerin, der ersten Präsidentin Südkoreas und der ersten Präsidentin, die auf Grund eines Amtsenthebungsverfahrens vorzeitig aus dem blauen Haus ausziehen musste, verschlechterte sich das Verhältnis zum totalitären Nachbarn weiter. Seit kurzem ist wieder ein eher links-liberaler Präsident in Südkorea an der Macht, der durchaus an der Sonnenschein-Politik anknüpfen wollen würde, wenn denn der engste militärische Partner Südkoreas damit einverstanden wäre. Die Rede ist vom Irrlichternden US-Präsidenten. Zuerst behauptete Donald Trump, dass er sich durchaus „geehrt“ fühlen würde, Kim Jong Un zu treffen. Dann drohte er wörtlich „…with fire and fury like the world has never seen before.“ Mit Feuer und Zorn, wie sie die Welt noch nie vorher gesehen hat. Auf seiner Asienreise vor zwei Wochen schlug Donald Trump dann wieder versöhnliche Töne gegenüber dem nordkoreanischen Diktator an. Eine nachhaltige Strategie hinsichtlich eines mit Atomwaffen und Langstreckenraketen ausgestatteten Landes scheint der US-Präsident noch nicht gefunden zu haben. Ich hoffe aber sehr, dass mit Hilfe der diplomatischen Kanäle über die UNO in New York trotz all des Säbelrasselns am Ende Schlimmeres verhindert werden kann.

Was hat dieser kleine, geschichtliche Exkurs mit Transit zu tun, mögen Sie sich fragen. Transit bedeutet für mich auch Perskeptiv-Wechsel. Versucht man einmal die Haltung der anderen Seite einzunehmen, in dem Fall von Nordkorea, dann ist die einzige Konstante bei den ständigen, politischen Richtungsänderungen in den USA oder Südkorea das eigene System.Und geht man davon aus, dass Kim Jong Un ein rationaler, wenn auch extrem grausam handelnder Akteur ist, dann stellt die nordkoreanische Politik mit ihren klar definierten Zielen derzeit den einzig berechenbaren Faktor dar.

Die Vermittlung der anderen Sichtweise, ohne diese zunächst als richtig oder falsch darzustellen, war mir ein Anliegen in meiner sechsjährigen Korrespondentenzeit. Dafür habe ich mich gerne immer wieder in die Transit-Zone begeben. Die Einordnung, meine persönliche Einschätzung konnten dann im Gespräch oder in Form eines Kommentars erfolgen.

Der Hauptsitz des ARD-Korrespondenten für Ostasien ist Tokio. Auf den ersten Blick wirkt Japan westlich, vertraut. Je länger man dort lebt, desto deutlicher treten aber die Unterschiede zu Tage. Es ist das Privileg eines Auslandskorrespondenten, mit dem Blick von außen und zeitlich befristet auf die Gesellschaft, die Gewohnheiten und das System des Gastlandes blicken zu dürfen. Man darf alle Fragen stellen, auch wenn man nicht immer Antworten erhält; sich über manche Eigenheit wundern und wird in der  Auseinandersetzung mit dem anderen im Idealfall mit den eigenen, bisher nicht-hinterfragten Grundsätzen konfrontiert. Dabei bleibt man immer Beobachter.

Meine Frau und ich haben Japan: das Land, die Menschen und ihre Kultur, sehr zu schätzen gelernt. Wir haben kurzzeitig überlegt trotz oder gerade wegen der 3fachen Katastrophe vom 11. März 2011 mit dem schweren Erdbeben, dem Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima, uns dort niederzulassen. Aber uns war klar, dass wir dann bis ans Ende unserer Tage Außenseiter bleiben würden. Vielleicht liegt es an der Insellage, aber die japanische Gesellschaft ist sehr auf sich bezogen und mit sich beschäftigt. Auch dort fordert unsere Transit-Zeit ihre Antworten. Dem Fachkräftemangel bzw. der demographischen Entwicklung wird in Japan mit großem Erfindungsreichtum und technischer Raffinesse begegnet, aber kaum in Erwägung gezogen, das Land für mehr Zuwanderung zu öffnen.

Die Korrespondentzeit ist in der Regel befristet. Das heißt, es geht irgendwann zurück in die alte Welt. Transit wird auf die Zeit bezogen als endlich, eine Spanne von Wochen, Monaten vielleicht Jahren verstanden. Die Transit-Zeit erfordert besondere Anstrengungen, bietet aber auch große Chancen. Für uns war am Ende klar, dass wir nach der Zeit in der Fremde, in der Millionenmetropole Tokio, jetzt die Heimat auf dem Land erleben wollen. Deshalb haben wir uns einen kleinen Bauernhof im Bayerischen Wald gesucht und leben dort seit drei Jahren mit Schafen, Hühnern, Hund und Katze. Dank Internet und der richtigen Infrastruktur müssen wir aber nicht ganz auf die große, weite Welt verzichten. Ob damit das Transit-Leben für uns zu Ende gegangen ist oder nur eine neue Übergangsphase begonnen hat, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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Wintereinbruch im November

Wintereinbruch im November

Wir hatten es ohnehin vor – die Schafe von ihrem letzten Weidegrund oben am Waldrand herunterzuholen. Der heutige Wintereinbruch hat uns heute einen weiteren Grund geliefert. Nasser Schnee, der wohl nicht lange liegen bleiben wird, aber dem mittlerweile an einigen Stellen schon recht gelben Gras endgültig den Winterlook verpasst.

So ganz wohl war uns ohnehin nicht angesichts des ersten Wolfsrudels im Bayerischen Wald und der aus dem Tierfreigelände entkommenen bzw. herausgelassenen Wölfe, aber das Gras sah noch zu verführerisch aus. Also durften unsere sechs Schafe auf der zum Waldrand hinter dem Haus nach oben führenden Wiese die letzten grünen Halme abfressen. Besonders viel Strom auf dem Elektrozaun konnte die Sorge in der Nacht zumindest ein wenig abschwächen.

 

Jetzt stehen unsere Woll- und Fleischlieferanten wieder hinter dem Schafstall und können die Nacht über in Sicherheit gebracht werden. Das Heu türmt sich daneben zwar ordentlich auf, wir sind aber trotzdem skeptisch, ob es wohl den langen Winter über reicht. Das hängt auch davon ab, wann die Schafe ihre Lämmer bekommen. So dick wie drei von ihnen aussehen, dürfte es nicht mehr allzu lange dauern. Dann sind mehr Mäuler zu stopfen und wir werden wohl ein paar Rundballen irgendwo kaufen müssen.

 

Der erste Schnee hat unsere Schafe zurück ans Haus gebracht, die Hühner wollten auch ohne Schnee aber angesichts der kalten Temperaturen am Tag zuvor am liebsten uns auf die Couch: zumindest machte es den Anschein, als sie sich vor der Terrassentür postierten. Glücklicherweise ist Hanabi schon so alt, dass sie das alles nicht mehr zu stören scheint.

Wintereinbruch Mitte November

Der Gemüsegarten ist abgeerntet, aber die Schafsmatte aus dem vorletzten Jahr noch nicht aufgetragen. Auch der Abfluss unserer Quelle bräuchte wohl eine Reinigung und die Solaranlage mag derzeit ihren spärlich fließenden Strom nicht an die Hausleitung oder die Batterie weitergeben. Es ist also noch viel zu tun, ob der Schnee nun liegen bleibt oder nicht.

Und dann gibt es da ja noch das andere Leben: Silke macht die Ausbildung zur Altenpflegerin nach gut drei Monaten immer noch Spaß. Das gilt für die Schule wie die Arbeit mit den alten Menschen. Ich pendele zwischen der BR-Welt und unserem Landleben – mal mehr mal weniger enthusiastisch.

https://www.cresc-biennale.de/de/programm/2017-11-23/verbinden-und-abwenden-eroeffnungskonzert

Am 23.11. kann ich mich übrigens wieder einmal einer ganz anderen Herausforderung stellen. Ich darf über unsere Korrespondenten-Zeit im Rahmen der Cresc:Biennale in der Frankfurter Oper einen Impuls-Vortrag halten. Der Umgang mit Sprache bleibt ein wichtiger Bestandteil und die Erinnerung an Japan, Korea oder Taiwan sind auch nach vier Jahren nicht verblasst.

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Sommer-Aufgaben erledigt

Sommer-Aufgaben erledigt

Es ist angeblich der letzte, heiße Tag in diesem Jahr: durchaus angemessen für einen 31. August. Die knallige Sonne zwingt uns, Strom zu verbrauchen, damit die Batterie nicht überlädt. Also wird alles gewaschen, was geht. Im Winter heißt es dann wieder: Strom sparen. Der Wetterwechsel ist am aufkommenden Wind und den aufziehenden Schleierwolken bereits zu erkennen. Aber das letzte Heu haben wir bereits gestern eingefahren.

Wir haben wieder einmal Bauarbeiten vor unserer Haustür. Die Kreisstraße zwischen St. Oswald, Altschönau und der Nationalparkstraße soll neu asphaltiert werden. In diesem Herbst ist das Teilstück zwischen unserer Bergerbrücke und Altschönau dran. Da lebt man nun mitten im Nationalpark…

 

Trotz der Laster und der Fräsmaschine bleibt es idyllisch hier – vor allem morgens und abends, wenn die erste und letzte Runde ums Haus mit dem Hund fällig ist, die Hühner versorgt werden wollen und unsere Katze entweder von uns etwas zu fressen bekommt oder gerade in Stimmung kommt, sich in der Abenddämmerung selbst etwas zu essen zu fangen.

Der ausklingende Sommer hat noch einmal für ordentlich Arbeit gesorgt. Die Wiesen wollten abschließend gemäht werden, und es galt, einen Teil als Heu auch einzufahren. Mähen und Laden erfolgen zum Glück maschinell. Dazwischen muss aber per Hand das Gras gewendet und dann zu Reihen gerecht werden. Auch ohne flirrende Hitze eine schweißtreibende Tätigkeit.

Damit dürften wir ausreichend Grünfutter für unsere Schafe im kommenden Winter haben. Am Samstag befreit der Schafscherer die Alttiere von ihrer Wolle, während die Lämmer ihren Pelz behalten müssen. Denn ihnen droht Anfang November der Metzger. Allerdings sind die Diskussionen noch im Gange, wie viele Schafe wir über den Winter bringen wollen: fünf, sechs oder sieben. Ich würde sagen, das Heu reicht in jedem Fall.

Auch die Kartoffelernte ist heute Vormittag in die entscheidende Phase getreten. Wie die letzten Jahre auch mussten wir die Knollen wieder mit der Wühlmaus teilen. Dabei ist Haru wirklich fleißig, was das Mäuse-Fangen angeht. Von riesengroß bis klein ist alles dabei. Drei verschiedene Sorten hatten wir eingepflanzt. Eine späte Variante darf noch die kommenden Herbsttage nutzen, ehe auch hier der Boden per Hand umgegraben wird. Ich hätte nicht gedacht, dass das alles so anstrengend ist.

Weniger körperlich aber mental enorm anstrengend war die Aktion, die Menge unserer Hähne zu reduzieren. Jetzt ist nur mehr Louie bei elf Hühnern der Hahn im Korb. Die restlichen drei Hähne hat – mit unserer Mithilfe – das Zeitliche gesegnet. Keine schöne Arbeit, die wir nur mit Mühe durchziehen konnten. Immerhin ist jetzt wieder Ruhe rund ums Haus: kein Gegockel, kein Wettkrähen, keine Hahnenkämpfe mehr. Dafür Hühnerfond und Hähnchenbrust, nachdem gerupft und ausgenommen werden musste.

Urlaub auf dem Bauernhof – nichts für schwache Nerven aber mit integriertem Fitness-Programm.

 

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Heu Ernte die Zweite

Heu Ernte die Zweite

Unsere mittlere Wiese sieht von oben so klein aus, wenn man mit dem Rechen darauf steht, aber ziemlich groß

Auch wenn der Tau das gemähte Gras ordentlich benetzt hatte und die Sonnenstrahlen am Vormittag einen Dunstschleier durchbrechen mussten, war das Heu nach eineinhalb Tagen bereit zum Einholen.

Wir hatten am Abend den Kreiselmäher noch angeworfen, um die trockenen Halme auf der mittleren Wiese vor dem Haus und die dicken Büschel verblühten Gilbweiderich hinter dem Haus im Feuchtgebiet des Nationalparks umzulegen. Die Hoffnung war, dass am nächsten Tag die Sonnenstrahlen leichteres Spiel haben würden. Vorhergesagt waren zwei Tage Sonnen-Sommer-Wetter. Am Vormittag lies noch ein leichter Schleier das Blau des Himmels Pastellfarben erscheinen, dann setzte sich das Sommerwetter für eineinhalb Tage durch. Vor vier Wochen habe ich einen Sensen-Kurs absolviert, um danach erst recht die technischen Errungenschaften schätzen zu wissen. Ohne unseren kleinen Kreiselmäher wäre die Hobby-Landwirtschaft nicht zu betreiben. Und so kommt die alte Sense der Vorvorgänger nur für die Böschung zur Straße und die Runde um den Klärteich zum Einsatz. Das Heu mit dem Rechen zu wenden und in Reihen aufzuschichten, ist und bleibt Handarbeit; eine durchaus meditative Tätigkeit. Dann kommt der kleine Ladewagen zum Einsatz. Ehe am Ende per Hand und mit Hilfe einer Plane das Heu in der Scheune oder mit Hilfe des Seilzugs auf dem Bretterboden des Schafstalls landet.

Hier kann und musste das Heu noch etwas nachtrocknen. Haru, unsere Katze, fühlte sich zwar kurz gestört, um sich dann aber im Heu ihr Plätzchen zu suchen. Die Halme sind nicht besonders lang und die Ernte füllte noch nicht einmal den Ladewagen komplett aus. Aber der Geruch lässt hoffen, dass die Schafe in den kommenden Monaten gerne davon essen werden – etwas anderes gibt es dann auch nicht mehr.

Jetzt dürfen sich sich noch rund ums Haus fressen. Und die Wiese vor bzw. links und rechts vom Gemüsegarten war noch unberührt. D.h., bis vor kurzem lag dort noch keine Schafsdung. Das hat sich mittlerweile geändert. Die Johannisbeer-Büsche haben zudem eine Kurzhaar-Frisur verpasst bekommen; denn für Schafe scheinen auch die Blätter schmackhaft zu sein, wenn man denn an sie heran kommt. Ohne Schatten findet die August-Hitze jedes Waldschaf doof, vor allem wenn der Schafscherer noch auf sich warten lässt. Angesichts der Wolfsgeschichten hier im Bayerischen Wald ist es uns derzeit ganz recht, wenn die Schafe im Moment so nah am Haus sind. Und im Winter wird die Stalltür zu gemacht – das ist sicher.

 

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Sommer Ausklang

Sommer Ausklang

Die erste Kartoffel-Ernte in diesem Jahr liegt bereits in unserer Speisekammer

Dieses Jahr sind die Kartoffeln aus unserem Garten vor dem Haus besonders groß. Vielleicht hat die lockere Erde und das Häufeln dazu beigetragen. Pro Pflanze waren dafür bisher aber nur wenige, große Knollen aus der Erde zu holen. Immerhin sind die ersten Säcke in der Speisekammer bereits gefüllt.

Die Bohnen und der Mangold wachsen fröhlich vor sich hin; auch der Salat-Anbau funktioniert gut. Ausgewachsene, erntereife Karotten hingegen konnte ich auch in diesem Jahr an einer Hand abzählen. Irgendwie will dieses Wurzelgemüse in unserem Garten nicht. Das gilt ebenfalls für diverse Kohlsorten, deren Blätter von Löchern durchsetzt sind, bevor sich die Pflanze richtig entwickeln kann. Die Erbsen-Stauden haben zwar für drei, vier Mahlzeiten gereicht, sind dann aber immer gleich gelb geworden. Und die Wühlmaus hat bei vielen Pflanzen den Stengel ohnehin gleich zu Beginn gekappt.

Blick in den Garten vor dem Haus Mitte August

Es regnet mittlerweile wieder häufiger. In den Monaten Mai, Juni, Juli ist bei uns in der Bergerau nur wenig Wasser aus dem Himmel getropft, so dass sich unsere Feuchtwiese zwischenzeitlich in einen Magerrasen verwandelt hat. Die Schafe fraßen auch dieses Grün, waren aber von den vielen Sonnentagen wenig angetan.

Letztes Wochenende haben wir den Gasofen angeworfen. Mit zwölf Grad am Samstag kühlte es sich auch im Haus schnell auf 18 Grad ab. Reichlich Tau am Morgen erinnert ebenfalls an den kommenden Herbst, und die Sonne braucht länger, die Halme zu trocken. Zudem hat sie Mitte August dafür nur mehr so viele Stunden wie Ende April.

Wenn es noch einmal zwei, drei Tage hintereinander trockenes Wetter gibt, werden wir einige unserer Wiesen erneut mähen. Dann dürfte das Heu für die derzeit zehn Schafe reichen. Wahrscheinlich reduzieren wir den Tierbestand aber vor Einsetzen des Winters noch. Unser verbliebener Bock ist dabei, all seine Damen zu beglücken, so dass Anfang nächsten Jahres wahrscheinlich wieder mit Nachwuchs zu rechnen ist.

Auch wenn wir uns hier sehr wohl fühlen und immer noch viel entdecken und ausprobieren wollen, kommen dennoch die Erinnerungen an Japan in regelmäßigen Abständen hoch – gepaart mit etwas Wehmut und dem Gefühl, dass wir irgendwann dorthin zurück gehen werden. Das Essen, die Gemeinschaft (die nur auszuhalten ist, wenn man wie als Ausländer nicht dazugehört), die Landschaft sind einfach großartig. Auch das Meer fehlt hier.

Während einer unserer morgendlichen Hunde-Spaziergänge entdeckte ich die Lamellen eines Pilzes, die sich weiß aus der dunklen Erde schoben. Noch etwas schlaftrunken musste ich an die Barten eines Wals denken, die das Meerwasser bis zur Oberfläche nach Plankton durchpflügen. Pilze und im Wasser lebende Säugetiere haben wenig gemein. Das gilt auch für den trockenen Boden am Rand einer Straße durch den Nationalpark Bayerischer Wald im Hinblick auf die Weiten der Ozeane. Aber irgendwie konnte ich mich den ganzen Vormittag nicht von diesem aberwitzigen Vergleich befreien. Ungeachtet dessen ist der Pilz, der es schafft mit seiner Kappe (oder wie in diesem Fall mit den Lamellen) durch beinahe jeden Untergrund zum Tageslicht zu gelangen und mit seinem Myzel-Wurzelwerk zu den größten Lebenwesen der Erde zählt, ein faszinierendes Lebenwesen.

 

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Streichelzoo

Streichelzoo

Vielleicht sollten wir umsatteln. Der Streichelzoo für gestresste Städter wäre eine nachgefragte und weniger blutrünstige Alternative. Und da Hühner derzeit gerade schwer IN sind, gibt es sicher mehr Menschen, die einmal eine Henne (am besten sogar einen Hahn) auf dem Arm halten wollen.

Unsere Küken sind mittlerweile 2 1/2 Monate alt und eigentlich keine Küken mehr. Glücklicherweise ist es bei der geschlechtlichen Verteilung von zwei Hähnen zu drei Hennen geblieben. Damit dürfte die Eier-Produktion gesichert sein. Die drei alten Australorps-Hennen haben die Ei-Produktion nach drei Jahren endgültig eingestellt.

Einer der beiden Hähne kommt gleich nach Krawall-Susi nicht nur wegen der Federn an den Füßen. Er fixiert seine Umwelt und geht dann unbeirrt seinen Weg. Von Angst oder Zurückhaltung keine Spur. Da er schon jetzt ziemlich groß ist im Vergleich zu seinen Altersgenossen, dürfte das ein stattlicher Hahn werden. Vielleicht hätte er eine Überlebenschance, wenn er sich streichen lassen würde. So aber ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er als Hähnchenbrust endet.

Genau umgekehrt zum „Krawall-Susi-Hahn“ verhält sich der gesperberten Hahn, der lieber ausweicht und sich versteckt, als in eine Konfrontation zu geraten. So etwas brauchen wir (und nicht unsere beiden Australorps-Streithähne, die sich noch immer im Krähen übertreffen wollen).

Wahrscheinlich werden wir dem Testosteron-Wettkampf ein Ende bereiten, wenn ich ab Mitte August Urlaub habe. Zumal die beiden mittlerweile angefangen haben, auch uns zu hüten bzw. in ihre Hühnerschar eingemeinden zu wollen. Dem ist zwar leicht Abhilfe zu schaffen, wenn man einen Besen oder Stecken in die Hand nimmt. Im Winter auf engerem Raum muss dieser Machtkampf aber definitiv nicht mehr sein. Statt Streicheln steht dann Ausnehmen und Rupfen auf dem Urlaubsplan.

Bis dahin geht die alte, schon stark geschrumpfte Hühnerschar in den alten Stall, während die junge Mischung in dem ehemaligen Bröselstall Quartier bezogen hat. Die Küken oder besser Junghühner haben ebenfalls auf einer der von uns kontruierten Stangen Platz genommen.

 

Und die Schafe? Die haben weiterhin ihren Platz unter ihrem Wagen, wenn die Sonne sticht. Ansonsten fressen sie sich über unsere Wiesen, verschmähen aber die Stellen, die zwar üppig grün anmuten (Schafskot ist ein guter Dünger), aber für die Schafsnase wohl noch zu stark an ihre eigenen Hinterlassenschaften erinnern. Übrigens lassen sich auch die Schafe kraulen (jedoch nicht auf den Arm nehmen), wenn man ein wenig Brot oder Pellets bei sich hat. Ein Lammbock ist noch Teil der Herde, den zweiten Bock haben wir zusammen mit seiner Mutter vor zwei Wochen in den Kreislauf des Lebens zurückgeführt.

 

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Schafe auf Wanderschaft

Schafe auf Wanderschaft

Schafe stehen ja im Ruf, eher dumme Tiere zu sein. Ich glaube, das ist nicht gerechtfertigt. Ihre Verhaltensmuster mögen eingeschränkt sein und der Herdentrieb für den Schafshalter eine Herausforderung, wenn die Tiere sich mal wieder erschreckt haben (wovor auch immer) und von einem Tier verleitet alle in die gleiche Panik verfallen. Genauso können sie aber auch von einem mit Neugier angesteckt werden. Wenn wir unseren Schafe etwas frisches Grün abstecken, wird zuerst immer das komplette Areal inspiziert, ehe es richtig mit dem Rasenmähen los gehen kann. Man gibt sich auch als Schaf nicht einfach mit dem erst besten Stück Wiese zufrieden. In der Konsequenz bedeutet das leider auch, dass sie ihre Möglichkeiten mit etwas Verzögerung durchaus auszunutzen verstehen.

Auf den Bildern sieht alles wieder friedlich aus. Die Schafe ließen sich am Morgen das frische Grün vor unserem Haus schmecken und verzogen sich den Tag über – geplagt von Mücken und Bremsen – in den Schatten des Wagens. Als wir gestern Abend jedoch kurz vor dem Schlafengehen noch einmal zur Schafsweide blickten, die damals am anderen Ende unseres Grundstücks lag, konnten wir mit ansehen, wie ein Schaf den Anfang machte und über den Graben in das dahinterliegende Waldstück hüpfte. Ganz so wie man das aus den Schafs-Comics kennt: mit allen vieren abspringen und aufkommen. Offensichtlich waren die Blätter der Blaubeerbüsche auf der anderen Seite verführerischer als das bereits abgeweidete Gras. Dem ersten Schaf – wir glauben es war eines der Lämmer – folgten die anderen: eines nach dem anderen, bis alle aufgereiht und nebeneinander jenseits des Graben an den Blättchen knabberten. Schwierig wurde es erst, als das erste zurück in die vertraute Umgebung hüpfte und wiederum alle folgten – bedauerlicherweise jedoch an der Stelle, wo sie gerade standen. So landete der Lammbock, Kirk, zwar wieder auf unserem Grundstück, aber auf der anderen Seite des Weide-Zauns. Diese Umstand wurde von Kirk mit einem lauten Bäh quittiert, was wiederum die anderen zu eben solchen Äußerungen animierte. Uns blieb also nichts anderes übrig, als noch einmal zu für uns Nachtschlafender Zeit über die Wiesen zu den Schafen zu gehen und Kirk an den Hörnern zu packen, um ihn unsanft, aber schnell und effektiv über den Zaun zu befördern. Unsere Hoffnung war, dass der nächste Ausflug in den Wald noch auf sich warten lassen würde oder sie zumindest zurück auf das umzäunte Stück Gras hüpfen würden.

Als ich mich am nächsten Morgen in aller Frühe auf den Weg machte, die Hühner zu versorgen, stand vor dem Hühnerstall eine Herde Schafe. Offensichtlich hatten sie sich in der Nacht über den Umweg des Waldrands auf den Weg zum Haus gemacht. (Schlaftrunken wie ich war, habe ich nicht den Fotoapparat gezückt, deswegen sind auf den Bildern nur unsere Küken, die später einen Ausflug in die Sonne vor den Hühnerstall machen durften.) Immerhin blieben die Schafe zusammen und folgten uns sogar neugierig, als wir einen Zaun vom anderen Ende der Wiese holten, um ihnen ein neues Stück Gras vor unserem Haus abzuzäunen.

Dann haben wir den früheren Heuwagen mit den restlichen Zäunen, Wassereimern, Salz- und Mineralleckstein, Weidezaun-Batterie und Heringen (zum Sichern der Weidezäune) beladen und zum neuen Weidegrund vor unserem Haus gezogen bzw. vom Traktor ziehen lassen;-)

Soweit wirkt für heute alles friedlich. Haru folgte unserem Treiben interessiert und war es dann wirklich, als wir den Küken Auslauf gewährten. Allein mit den Küken wollten wir Haru dann aber doch lieber nicht lassen, das hätte dem Frieden wohl schnell ein Ende bereitet. Und so haben wir alle unsere Hühner zurück in den Stall befördert.

Genug für heute. Morgen muss die große Wiese entlang der Straße nicht von den Schafen sondern von uns gemäht werden. Das Heu der beiden anderen Teilstücke haben wir letztes Wochenende eingeholt.

Der Kreiselmäher hängt schon am Traktor und steht bereit. Das Heu zu wenden und zu Reihen zusammenzurechen, bleibt jedoch Handarbeit. Aufgesammelt wird dann mit dem alten Ladewagen, den wir im Herbst letzten Jahres gekauft haben. Das hat vor einer Woche gut geklappt und war eine deutliche Erleichterung. Vielleicht sollte ich aber vor dem Schlafengehen noch einen Blick zu den Schafen werfen…

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Ein bisschen Routine

Ein bisschen Routine

Trotz der zwischenzeitlichen Hitze ist es in den vergangenen Tagen bei uns am Morgen durchaus wieder kühl geworden. Pfingstmontag zeigte das Thermometer um halb sieben gerade einmal drei Grad an.

Auf zum Morgenspaziergang

Zum Glück ist der Schal noch nicht in der Winterkiste in der Scheune verschwunden. Viel geändert hat sich in der Scheune übrigens nicht, seitdem wir die zwei Tonnen Glaswolle und Rigips-Platten zum Sperrmüll gebracht haben. Mit Hilfe eines freundlichen Nachbarn wollen wir in den nächsten Wochen die unnötigen Balken entfernen (ziemlich große Teile), die die Vor-Vorgängen einmal eingebaut hatten, um die Scheune in kleine Zimmer unterteilen zu können. Aus unserer Sicht reicht weder die Drei-Kammer-Klärgrube noch die Energie-Gewinnung für Gäste – geschweige denn, dass wir das wollen würden. Wir neigen in einem ersten Schritt zur großen Freiheit. Und das bedeutet, dass alles hinaus muss, was nicht als Grundkonstrukt für die Stabilität der Scheune dient. Haru nahm übrigens die Unruhe gelassen hin, als wir die Scheunen-Besichtigung vorgenommen haben. Unser kleiner Mäuse-(Vögel)-Töter hat sich offensichtlich gut eingewöhnt. Hanabi hat einmal die Katze zurück in die Scheune gejagt (und das sichtlich genossen), übt sich ansonsten aber darin, die neue Mitbewohnerin zu ignorieren.

Also geht es wie jeden Morgen mit dem Hund am Haus vorbei, die Straße hinauf bis zum Fahrradweg, um dann durch den Wald eine Runde beschreibend zurück zum Haus zu gehen. Ob links oder rechts herum entscheidet die morgendliche Laune. Der Ablauf ist ansonsten immer gleich – zum Glück. Denn Routine können wir noch immer gut gebrauchen.

Zur morgendlichen Routine gehört auch, dass ich nach dem Kaffee und der Zeitungslektüre in die Hühnerställe Licht hineinlasse und das Futter sowie das Wasser auffülle. Nach dem Hundespaziergang darf das „liebe Federvieh“, das angesichts der Rivalität der beiden Hähne nervig laut sein kann, hinaus ins Grün ums Haus.

Dann gilt es je nach Wetterlage zu gießen: im Gewächshaus, wo die Tomaten sich selbst ausgesät haben und selten auch im Gemüsegarten vor dem Haus.

Die Kartoffelpflanzen sind mächtig gewachsen. Wir sind gespannt, wie groß die Ausbeute in diesem Jahr sein wird. Auch die Zwiebeln haben früh ihre Triebe in die Luft gestreckt. Alles andere gedeiht nur zögerlich. Nächsten Freitag gibt es einen Kurs übers Gärtnern ohne Unkraut-Zupfen von Martina Kirchpfening. Da müssen wir unbedingt hin. Immerhin hat uns die kurze Zeit, die wir mittlerweile mit Pflanzen und Tieren verbracht haben, schon etwas gelehrt. Vieles läuft in diesem Jahr schon ein Stück entspannter als in den letzten zwei Jahren. Das heißt nicht, dass uns die Dinge bereits leicht von der Hand gehen oder wir endlich ausreichend Geduld aufbringen, wenn die Zucchini- und Kürbis-Pflanzen nach einer Woche noch nicht gekeimt haben wollen, aber es ist keine unlösbare Aufgabe mehr, den Kreiselmäher mal eben an den Traktor anzuschließen, um das von den Schafen abgeweidete Stück Wiese nachzumähen.

Wir haben die Schafe in diesem Jahr schon früh hinaus gelassen. Das passte gut zum trockenen Wetter. Denn die Wiesen am Waldrand sind in den letzten beiden Jahren ziemlich feucht gewesen. Dieses Jahr konnten die Schafe sich dort satt fressen, ohne nasse Füße zu bekommen. Und das Mähen im Anschluss mit dem Traktor hinterließ keine tiefen Furchen.

Auch der Heu-Wagen hat sich bewährt – zumindest als Schattenspender. Denn bei dem bisschen Regen, das wir bisher hatten, gingen die Schafe lieber dem Grasen nach, um für kurze Zeit einmal nicht von den lästigen Gnitzen gepiesakt zu werden. Das Zäune-Umstecken klappt ebenfalls wesentlich besser als im letzten Jahr. Zu zweit versuchen wir ein Areal zu erschließen, das Silke dann, wenn ich in München beim Arbeiten bin, alleine ohne Probleme erweitern kann. Gegebenenfalls kann sie aber auch alleine die Weidefläche vergrößern. Zusammen macht es aber mehr Spaß und gehört zu den Routinen, die wir am Wochenende meist nach dem Hunde-Spaziergang durchführen.

Es sind übrigens fünf Küken geschlüpft. Und damit haben sich die morgendlichen Pflichten etwas erweitert. Denn neben Wasser und Trockenfutter wollen wir ihnen auch bei Sonne etwas Auslauf bieten.

Mal sehen, welche Rasse sich da durchgesetzt hat – und vor allem, wie viele Hähne dabei sind. Bisher lässt sich das nicht wirklich sagen. Der Kreislauf des Lebens wird sich im Falle der Lämmer und der Hähne weiter drehen müssen. Aber bis dahin ist zum Glück noch Zeit. Die ersten zwei Wochen verbrachten die Küken in einem Umzugskarton in unserem hinterem Raum im Haus. Aber schon nach zwei Woche wirkte dieser zu klein. Also durften sie am Freitag umziehen zu ihren Verwandten in den Hühnerstall. Ohne den Schutz einer Glucke blieb uns allerdings nichts anderes übrig, als einen geliehenen Kaninchenstall als Schutzvorrichtung zu nutzen. Es wären nicht die ersten Küken, die ansonsten vom Allesfresser Huhn ins Jenseits befördert worden wären.

Auch Haru sucht sich ihr Futter lieber selbst. Die Katze ist bis jetzt überraschend pflegeleicht, sucht aber durchaus die Nähe zu uns, wenn wir draußen sind. Die täglichen bzw. nächtlichen Streifzüge haben ihrer Figur gut getan und unserem Rasen auch. Denn die Wühlmaushügel in den Wiesen sind fast ganz verschwunden und in der Scheune haben wir auch schon lange keine Maus mehr gesehen.

 

 

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Immer Arbeit mit den Tieren – und viel Freude

Immer Arbeit mit den Tieren – und viel Freude

Wir wollten ja Schafe – also müssen wir auch am Ende eines langen Winters den Schafstall ausmisten. Und das ist angesichts der über die Monate auf gut vierzig Zentimeter angewachsenen Schafsmatte keine leichte Aufgabe.

Immerhin haben wir maschinelle Verstärkung. An unserem (kleinen) Traktor ist eine Erdschaufel, die exakt dem Abstand der beiden Hinterräder entspricht. Das Fassungsvermögen ist okay angesichts der Größe des Schafstalls, aber für den Traktor genau richtig. Und es macht einfach Spaß damit herumzufahren.

Schwierig wird es immer dann, wenn einer von uns (meistens ich) kluge Ratschläge abgibt, die sich dann in der Realität nicht umsetzen lassen. Wie lässt sich die Last am besten wieder abladen? Ist die Handbremse noch angezogen? 😉 Zum Glück gibt es immer die Möglichkeit, einfach den Platz bzw. Fahrersitz zu wechseln. Letztlich haben wir es aber gemeinsam geschafft, die rund 20 Quadratmeter auszuräumen. Überraschenderweise gewöhnt man sich an (fast) alles – auch an den Gestank, den die Mischung aus zusammentrampelten Heu vermischt mit Schafskot und Schafspipi ausdampft.

Und wir haben uns nach eineinhalb Tagen Schufterei ein ordentliches Abendbrot verdient. Salat aus dem Gewächshaus mit Sauerampfer-Blätter aus unserem kleinen Kräutergarten. Die ersten Kartoffelpflanzen trauen sich mittlerweile auch aus dem Boden. Viel mehr ist es allerdings noch nicht. Es war einfach zu lange kalt und viel geregnet hat es auch nicht in den letzten Tagen – zumindest nicht bei uns am Waidlerhaus in der Bergerau.

Seit gut zwei Wochen haben wir die Schafe schon auf der Weide; zuerst direkt an der kleine Ohe – jetzt arbeiten sich unsere lebenden Rasenmäher wieder zurück Richtung Haus auf dem Teil der Weide, den wir nicht mähen wollen. Rund ums Haus haben sie schon alles abgegrast. Hier wächst es aber am schnellsten wieder nach, so dass die sechs Lämmer und sechs Schafe sich bald direkt vor unserem Küchenfenster die Bäuche vollschlagen dürfen. Bis dahin müssen wir aber Stück für Stück die Zäune umstecken und bei jeder dritten Aktion auch den Holzwagen umziehen (zum Glück mit dem Traktor), den wir zu einem Schafsunterstand umfunktioniert haben. Damit haben die Schafe Schatten und wir einen Lift für all die Zäune und sonstigen Utensilien, die wir mit auf die Weide nehmen müssen. Am Ende sind wir beide ganz zufrieden wie man sieht.

Währenddessen kann der Schafstall trocknen und für die nächste Wintersaison vorbereitet werden.

Doch jetzt genug der Schafe. Wir haben schließlich Zuwachs bekommen. Und ich spreche (noch) nicht von Haru, unserem Mäusefänger. Gestern Nacht schlüpften zwei Küken.

Vor 21 Tagen haben wir 12 Eier in die Brutmaschine gelegt. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass dies jetzt sein muss. Schließlich müssen wir auf unserer kleinen Farm, das Wiesel, den Habicht und irgendwann auch den Fuchs mit versorgen. Und die Eierproduktion läuft zwar gerade auf Hochtouren, aber im Spätherbst droht wahrscheinlich wieder ein Engpass. Es war zwar nicht leicht, die passenden Eier auszusuchen, da vor allem die alten Australorps derzeit nicht zu den saubersten Hühnern gehören, aber wir hatten 12 zusammenbekommen. Beim Schieren fielen drei weg; bleiben also neun. Zwei Küken haben die Schale durchbrochen und sich in die Welt da draußen getraut: zuerst geht es unter die Wärmelampe.

Mal sehen wie viele noch schlüpfen: aktueller Stand Sonntag, 18.40 Uhr ein erster Knacks in einem weiteren Ei. Die Entscheidung für weitere Küken wird aller Voraussicht auch wieder bedeuten, dass wir die überzähligen Hähne schlachten müssen. Aber wir hatten uns ja dazu entschlossen, auch wenn es schwer fällt. Unser Alt-Hahn Arnie dominiert noch immer die Schar. Louie versucht zwar hin und wieder ihm die Herrschaft streitig zu machen, aber meistens einigen sie sich mittlerweile ohne großen Kampf. Jeder hat seine kleine Schar mit wechselnder Hennen-Zugehörigkeit. Dann schauen wir mal, wie das weiter geht, wenn der Nachwuchs größer wird.

Wenn schon das Beitragsbild unsere Katze (die neue Mitbewohnerin aus dem Tierheim) darstellt, gebührt Haru auch der Schluss dieses Beitrags. Es ist unsere erste Katze und dementsprechend begeistert sind wir – was sich in viel zu vielen Fotos niederschlägt.

Haru hat uns schon einige Mäuse oder besser deren Überreste präsentiert. Und so langsam erobert sie sich die Umgebung rund ums Waidlerhaus.

Mit Hanabi können wir erst einmal nur noch mit Leine aus dem Haus. Denn trotz ihrer 15 Jahre, würde sie gerne dieser Konkurrentin an den Kragen. Aber das legt sich hoffentlich noch. Denn drinnen benimmt sich Hanabi äußerst friedlich – solange die Katze nicht aus der Scheune in die Wohnräume kommt.

 

 

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