Der Winter lässt auf sich warten

Der Winter lässt auf sich warten

…es wirkt ein wenig merkwürdig, wenn man derzeit durch unsere Gemeinden im Nationalpark Bayerischen Wald läuft und all die Vorbereitungen für den Winter sieht. An den Straßenrändern stecken die Markierungsstecken für den hohen Schnee, die Büsche und Blumen haben in vielen Vorgärten eine Holzgerüst erhalten oder sind zumindest gegen mögliche Schneemassen zusammengebunden. Das Holz ist aufgestapelt und die Felder abgeerntet. Allein der Winter oder zumindest der Herbst lässt sich auf sich warten. Wir hatten bereits im September in der Nacht Minus-Temperaturen und auch in dieser Nacht fiel das Thermometer immerhin auf 0,5 Grad minus, aber tagsüber wird und wurde es selbst in unserem Kältetal der kleine Ohe mit bis zu 15 Grad für diese Jahreszeit zu warm – wie es bei den Meteorologen so schön schlicht heißt.

Da die Sonne aber schon ziemlich flach am Himmel steht, haben die Schafe auf den Wiesen am oder in der Nähe des Waldrandes fast den ganzen Tag Schatten. Insofern kommen sie mit den warmen Temperaturen zurecht und finden sogar noch immer etwas Grün auf den Wiesen zum Weiden. Dem Gras fehlt der Regen, um weiter wachsen zu können. Unsere Quelle hält sich zwar tapfer, aber mehr als ein kleines Rinnsal kommt nicht mehr zusammen. Sollte es in den nächsten Wochen kalt werden und statt Regen gleich Schnee fallen, dürfte das fehlende Wasser im nächsten Jahr zu einem echten Problem werden. Denn der gefrorene Boden könnte unter diesen Bedingungen wieder kein Wasser aufnehmen und die Nässe des Schnees dürfte im Extremfall einfach abfließen, ohne die Vorräte in der Erde aufzufüllen.

Die nächsten Tage sind bei der Wettervorhersage so wie in den letzten Wochen beziehungsweise Monaten mit dem Sonnensymbol gekennzeichnet. Dabei gäbe es so viel im Haus zu tun – ganz abgesehen von dem Lernstoff, der wesentlich besser bearbeitet werden kann, wenn es draußen regnet und stürmt. Bei Silke haben sich mittlerweile die Aufgaben aus Schule und Uni angesammelt. Referate, Hausarbeiten, Lernen. Und da ich zum 1. November ernsthaft mit Psychologie im Fern-Studium angefangen habe, hat unsere kleine Farm zusätzlich den Charakter einer Studenten-WG angenommen.

Jackson und die restlichen Tiere lassen unsere universitären Ambitionen ziemlich kalt. Sie wollen weiter ihrem Rhythmus folgen. Das heißt bei Jackson morgens ein langer Spaziergang und am Nachmittag ein bisschen fun and games. Nachdem die kleineren Wurfgeschosse nicht wirklich sein Interesse geweckt hatten, findet er den Gummi-Frisbee richtig gut und bringt ihn zumindest einige Male auch brav zu uns zurück.

Unsere Schafherde (noch)

Die weiblichen Schafe sind alle schon so kugelrund, dass wir bereits vor Weihnachten mit den Lämmern rechnen. Aber im letzten Jahr hat es dann trotz dieser sichtbaren Anzeichen bei einigen Tieren doch noch ein, zwei Monate gedauert. Mal sehen, wie das dieses Jahr ausgeht. Die beiden Lammböcke werden in einer Woche vom Metzger abgeholt. Dann ist unsere Tiefkühltruhe und die von einigen anderen für den Winter gerüstet. Die eigenen Kartoffeln hingegen sind schon fast aufgebraucht und vom Obst oder Gemüse ist abgesehen von den wenigen Röschen am Rosenkohl nichts mehr übrig. Allein im Gewächshaus kommt ganz langsam der Wintersalat, den wir wahrscheinlich noch einmal ernten können.

Bei unserer Hühnerschar haben wir dieses Mal selbst Hand angelegt. Jackson gibt mittlerweile brav laut, wenn sich der Fuchs im Gebüsch versteckt und die Hühner am Waldrand scharren. Sie haben die lebensbedrohlichen Erfahrungen mit dem Fuchs leider oder zu ihrem mentalen Glück allzu schnell vergessen. Dank Jackson hatte das bisher aber keine Auswirkungen mehr. Also haben wir die beiden überzähligen Hähne zu Hähnchenbrust und Frikassee verarbeitet, um wieder Ruhe in unsere Schar hineinzubringen. Jetzt sind wir mit sieben Hennen und einem Hahn exakt bei der Konstellation angelangt, wie zu unserer Anfangszeit. Der Kreislauf funktioniert trotz all der Reibungen und emotionalen Hürden.

 

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