Perspektivenwechsel

Perspektivenwechsel

Diesen Anblick hatte ich nicht erwartet. Nach warmen, sonnigen Tagen in München und Frankfurt überraschte mich der immer noch weiße Anblick zu Hause schon ein wenig. Von den 15 Grad und dem lauen Nacht-Spaziergang von der Alten Oper zum Hotel ist hier in der Bergerau nichts zu spüren. Der Boden ist an vielen Stellen immer noch gefroren und der Schnee wird wohl auch heute nicht verschwinden. Ab morgen sind ohnehin für ganz Bayern wieder winterliche Verhältnisse angesagt.

Damit haben wir also in diesem Jahr weiße Verhältnisse noch etwas früher als in den Jahren zuvor. Einen Beitrag zur Debatte um den Klimawandel spare ich mir; die Zeiträume – mögen sie für uns als Mensch durchaus lang und bedeutend erscheinen – bleiben in den langen Zyklen der Natur mit ein paar Jahrzehnten persönlichen Beobachtungszeitraum bestenfalls ein Wimpernschlag. Aber es ist nur allzu menschlich für sich und seine Zeit das Besondere reklamieren und empfinden zu wollen. Pragmatisch gesehen mussten wir dieses Jahr einfach ein paar Wochen früher mit Schneeschaufeln und -schieben beginnen als letztes Jahr, werden die Schafe ein wenig früher mit Heu bedient, um entspannt und wiederkäuend vor dem Stall in der Sonne zu liegen; Wärme im Haus ist mit oder ohne Schnee ohnehin nur mehr dort vorhanden, wo wir mit Holz oder Gas punktuell Behaglichkeit erzeugen können.

Seitdem Silke ihre Ausbildung in Teilzeit zur Altenpflegerin begonnen hat, ist die gemeinsame Zeit noch kostbarer geworden. Jeder von uns hat seine Herausforderungen, die in der Struktur und den menschlichen Komponenten viele Parallelen zeigen. Die Probleme sind im BR, der Schule oder dem Pflegeheim überraschend ähnlich. Das verbindet die Welten, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sei könnten. Meinen Vortrag zum Thema „Transit“ auf der cresc:biennale habe ich hinter mir.

Vortrag Cresc gehalten am 23.11.2017

Wer will kann ihn hier einmal nachlesen. Mir hat es trotz vieler Zweifel Freude bereitet, mal wieder an einem längeren Text zu arbeiten. Und es hat mir Spaß gemacht, meine Gedanken den Menschen in so einem Rahmen: Opern- bzw. Konzertsaal, heterogenes Publikum, zeitgenössische Musik näher zu bringen. Die Resonanz vor Ort war positiv, auch wenn die Kritik zurecht auf die Schwierigkeit hinweist, Musik und Wort zu verbinden.

http://www.allgemeine-zeitung.de/freizeit/kunst-und-kultur/musik/biennale-fuer-moderne-musik-in-frankfurt-mit-konzert-verbinden-und-abwenden-eroeffnet_18344509.htm

http://www.fr.de/kultur/musik/biennale-fuer-moderne-musik-gescheiterter-transit-zwischen-allem-moeglichen-a-1394864

Aber Kritik ist besser als gar keine Reaktion. Da geht es mir nicht anders als den eigentlichen Stars des Abends wie der Komponistin Zeynep Gedizlioglu oder dem Dirigenten Ilan Volkov. Immerhin hat mir dieser Perspektiven-Wechsel gezeigt, dass ich mich auch in so einer Welt noch wohl fühle und diese Auseinandersetzung auch nie ganz aufgeben möchte.

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