Oh wie niedlich…

Oh wie niedlich…

…dachten wir uns, als gestern Nachmittag dieses possierliche Tierchen im Hühnerstall herumlief. Wahrscheinlich ist das der Dieb, der über die letzten Wochen all die Eier gestohlen hat, und wir haben unseren Hennen zu unrecht unterstellt, dass sie gar keine mehr legen.  Die Recherche im Internet ergab, dass es sich wohl um einen Iltis handeln müsste oder um ein Frettchen, das jemanden weggelaufen ist oder von jemanden ausgesetzt wurde. Für letztere Variante sprach, dass es wenig Scheu vor uns Menschen hatte und kurz neugierig auf Silke zulief.

Angesichts seiner Größe konnten wir uns nicht vorstellen, dass unseren großen, schweren Hühner ernsthaftes Unheil drohen könnte – und außerdem gibt es ja noch Arnie, unseren Hahn. Im Internet war allerdings zu lesen, dass es die Tiere auch mit doppelt so großen Gegner aufnehmen. Die Eier-Diebstahl-Variante erschien uns dennoch einleuchtender. Also unternahmen wir nichts weiter, als das Tier unter der Zwischentür hindurch in den anderen Teil des Stalls entwischte.

Der Hahn "Arnie" in voller Pracht
Der Hahn „Arnie“ in voller Pracht

Heute Morgen sah die Welt ganz anders aus. Auf dem Boden des Hühnerstalls lagen „Humpel-Huhn“ und ein weiteres Huhn langgestreckt und reglos. Dem einen fehlte der Kopf, dem anderen war das Haupt blutig gebissen und ein Stück Kamm verspeist worden. Die restlichen fünf Hühner und der Hahn saßen auf der oberen Stange und sagten nichts weiter. Wir haben die zwei schon steifgewordenen Körper in den Wald getragen. Rupfen und als Suppenhuhn verwenden wollten wir sie auch nicht mehr. Damit ist unser Schlachtauftrag, was Humpelhuhn betraf, erst einmal verschoben.

Als wir zurück in den Stall kamen, war das Gegackere bei den Überlebenden groß. Zurecht, denn der Iltis oder das Frettchen befand sich noch im Stall. Was also tun? Einfangen erwies sich als schwierig; und Anstalten aus dem Stall zu verschwinden, machte das Tier auch nicht. Am Ende versteckte es sich in unserer Mülltonne und wir konnten schnell den Deckel zu machen, dann alles ins Auto verladen und zu einem abgelegenen Parkplatz weit genug weg im Nationalpark fahren.

Es dauerte ein bisschen, bis wir das Tier in der Wildnis losgeworden sind, und wahrscheinlich wird es angesichts der fehlenden Eier, Hühner und Küken nur geringe Überlebenschancen haben, aber unser Mitleid hält sich angesichts des toten Geflügels in Grenzen.

Niedlich bleibt das Tierchen, aber unser Lehrgeld haben wir oder besser unsere Hühner bezahlt. Die Kulleraugen und das rosa Näschen machen die Zähne nicht weniger spitz. Und auch unser Hahn scheint in Sorge um seine Damen zu sein und begleitet das eine Huhn, das eventuell ein Ei legen will, vorsorglich bis in den Legekasten. Möge jetzt erst einmal bitte wieder Ruhe einkehren…

 

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